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ich, am Weg

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Ap
Das verschwundene Bratislava
15.04.2018 10:49

Dobrý deň Bratislava!

Unser Nachbar Bratislava war schon immer ein Thema für mich und meine Rubrik Stadtwanderwege gewesen. Allerdings, und so ehrlich bin ich, reicht mein kulturelles Wissen über diese bezaubernde Stadt nicht aus um selbst geschichtsträchtige Stadtwanderwege zu erstellen. So habe ich lange nach einem geeigneten Stadtführer gesucht. Das war aber ein schwieriges Unterfangen, denn sucht man das wanderbare Bratislava, so wird man meistens mit den kleinen Karpaten vertröstet. Und dann, gerade als ich nicht damit rechnete, fiel mir das Buch "Bratislava - Gehen, Sehen & Genießen" von Irene Hanappi aus der Reihe Falters City Walks in die Hände. Dieses beinhaltet 5 tolle Routen durch die slowakische Hauptstadt. "Bingo - Volltreffer"
(mehr dazu in der Infobox ganz unten)

Nun bin ich bestens informiert und motiviert. Und so ergänzte ich die Serie von Bratislava Stadtwanderwegen mit der Tour...

 

Video:


"DAS VERSCHWUNDENE BRATISLAVA"

Diese Tour startet direkt vor der Katedrála svatého Martina bzw. dem Martinsdom. Dies ist der optimale Start in so einen gemütlichen Stadtspaziergang, weil er gleich mehrere Sehenswürdigkeiten in sich beinhaltet. 
Der Martinsdom liegt direkt neben der Autobahn Most SNP, welche über die Donau führt. Die Gasse namens Panská führt direkt in das Zentrum der Altstadt.

Doch gleich dieser Platz bietet die ersten, versteckt wirkenden Sehenswürdigkeiten wie zb. die alte Salvatorapotheke. Auf ihrem Geschäftsportal befinden sich drei Tafeln mit drei Inschriften in verschiedenen Sprachen. An diesem Gebäude erkennt man noch das alte Bratislava von seinem damaligen Stil. 

 

Die Salvatorapotheke



Gleich unmittelbar vor dem Martinsdom, nur wenige Meter von der Apotheke entfernt, befindet sich das Holocaustdenkmal. Dieses wurde im Jahr 1996 erreichten und erinnert an den Standort der ehemaligen neologen Synagoge sowie die vielen ermordeten Juden dieser Stadt. An die 105.000 Juden aus der Slowakei kamen während des Holocaust ums Leben.

Und gleich dahinter befindet sich eine schwarze Tafel aus geschliffenen schwarzen Marmor mit einem Abbild der alten Synagoge. Sie wurde einst im Jahre 1893 nach dem Projekt des Architekten Dionys Milch errichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg blieb die Synagoge unbeschädigt und es bestanden Pläne, ein jüdisches Museum im Gebäude zu erreichten.

Doch in den 1960er Jahren diente es als temporäres Fernsehstudio für den slowakischen Rundfunk. Erst als man den Bau der neuen Brücke, über die Donau beschloss, wurde das naheliegende Areal für die Zufahrtsstraßen abgerissen. 1969 traf es dann eben auch die Synagoge, obwohl sie nicht auf der Trasse lag. Über die wahren Gründe des Abrisses wird heute noch spekuliert. 

 

Das Holocaustdenkmal und die schwarzen Marmorplatten der alten Synagoge



Wir untersetzen nun die heutige Autobahnbrücke und finden uns nördlich am Zidovská Pfad und gelangen so schon bald in das Vorhofgebiet des Schlosses Bratislava. Hier treffen wir auch schon bald auf das alte Uhrenmuseum vor dem Haus zum guten Hirten. 

Dieses Haus, im slowakischen Dom U dobrého pastiera genannt, wurde im Rokoko-Stil errichet. Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Matthäus Hollrigl, von dem auch das Palais Mirbach in Bratislava stammt, erbaut. 

Es steht in der Schlossgrundgasse, wo man auch den Martinsdom im Blickfeld hat, an einem renovierten Teil der Stadtmauer unterhalb der Burg. Das 1975 renovierte Haus beherbergt heute das vom städtischen Museum Bratislava betriebene Uhrenmuseum.

 

Das Uhrenmuseum



Weiter geht es entlang der Zidovská Straße hinauf bis wir zu einem weiteren kulturellen Gebäude kommen, nämlich dem Museum der jüdischen Kultur.

Wie es schon auf seiner Webseite steht, liegt seine Aufgabe der Erhaltung und Förderung der jüdischen Kultur und Kunst in der Slowakei. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die Entwicklung der geistigen und materiellen jüdischen Kultur und die Dokumentation des Holocausts in der Slowakei. Das Ziel ist es, die dreidimensionale Judaika, Dokumente, Bilder und Gedenkstücke vor der Zerstörung, dem Vergessen oder der Ausfuhr ins Ausland zu retten.
 

Das Museum der jüdischen Kultur 



Nach einigen weiteren Metern gelangen wir nun zu einer Kreuzung zur Straße Zámocká, welcher wir nun links folgen. Zunächst sehen wir noch, wie die örtliche Straßenbahn durch einen Tunnel mitten unter dem Schlossberg verschwindet, ehe wir der Straße nun langsam bergauf folgen. Entlang des Weges treffen wir auf einige gemütliche Café, darunter auch das bekannte Katzencafé. Die Straße führt stets bergauf und einmal um den Schlossberg herum, bis wir auch schon vor dem Eingang in das Burgareal stehen. Zunächst marschiere ich durch das Wienertor hindurch und stehe schon bald vor der Statue des Svátopulks.

Die Burg Bratislava, auch einfach nur Pressburg genannt, ist die Zentralburg von Bratislava. Sie befindet sich im südlichen Teil der Kleinen Karpaten auf einem Felsen 85 Meter über dem linken Ufer der Donau. Dazu befindet sie sich im westlichen Teil der Stadt, nämlich im Stadtteil Staré Mesto, oder auch Altstadt zu deutsch. Gleich daneben befindet sich das Gebäude des Nationalrats sowie das Villenviertel. 
Der Burgberg selbst ist seit der Steinzeit besiedelt. Die ersten namentlich bekannten Siedler waren die Kelten. Später erreichten die Germanen und Römer das Gebiet. 
Die Burg wurde erstmals um 805 erwähnt. In seiner langen Geschichte wurde die Burg mehrfach befestigt und erobert. Die letzten großen Umbauarbeiten fanden während der Regierungszeit von Maria Theresia statt. Um 1811 wurde die Burg von einem großen Brand heimgesucht, der sich bis zu den Schlossgründern ausbreitet. Für viele Jahre sollten sich auf dem Felsen nur Burgruinen empor erhoben haben. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Burg neu aufgebaut und renoviert. In der neu renovierten Burg wurde 1968 die neue Verfassung unterzeichnet. Heute dient die Burganlage als Museum und Repräsentationsgebäude.

 

Burg Bratislava



Die Aussicht von der Burgterrasse ist sagenhaft. Man hat eine schöne Aussicht zu den Plattenbauten-Stadtteil Petrzalka, die neue Brücke und auf die Donau. Hier habe ich von 2017 auf 2018 Silvester verbracht. Leider war es damals zu nebelig. Die Stimmung war aber super.

Hier geht es zum VLOG zu dieser ereignisreichen Silvesternacht

 

Aussicht von der Burg auf den Süden Bratislavas



Nachdem wir uns an der tollen Aussicht satt gesehen haben, sofern das überhaupt möglich ist, marschieren wir nun weiter in das besagte Villenviertel. Dieses streifen wir jedoch nur, denn nur wenige Meter entlang der Straße Mudronova, gelangen wir zum Eintritt eines kleinen, unscheinbaren, aber wunderschönen schmalen Treppensteigs. Diese wird Strmá Cesta genannt.

Dieser, etwas steilere, Steig ist die einzige direkte Treppenverbindung zwischen der Donau und dem Burghügel. Heute steht er unter der Bratislava Stadtverwaltung und wird großteils nur von Menschen benutzt, die in unmittelbarer Umgebung zu Hause sind. Ohne diese Treppe müsste man den Burghügel jedes Mal umgehen. Da ich ihn bergab steige, kommt er mir nicht so extrem vor. Bergauf könnte er schon zu einer kleinen Herausforderung werden.
 

Der Steg Strmá cesta



Ganz unten angekommen überquere ich nun noch die Straße Nábrezie Ludvika Svobodu und stehe so vor der Dvorakova nábrezie, bzw. der Donaupromenade. Sofort bekommt diese Tour einen kompletten Stilbruch, denn ich stehe jetzt vor einem eher modernerem Viertel. Genauer gesagt befinde ich mich nun beim River Park an der Donau.

Der River Park ist ein Multifunktionszentrum mit einer Gesamtfläche von 32.000 m². Er enthält 200 luxuriöse Wohnungen und Appartements, ein 5-Sterne Hotel namens Kempinski sowie verschiedene Restaurants und Geschäfte sowie einen Rastplatz mit Grünoasen.
Er liegt am linken Donauufer zwischen dem Park kultury a addychu und der neuen Brücke mit der Autobahn Most SNP. Es ist aus dem Stadtzentrum sehr leicht zu erreichen. 

 

Moderne Bauten am River Park



Nach diesen Eindrücken steige ich noch einmal empor zur Straße Zizkova und besuche noch den jüdischen Friedhof sowie den großen Friedhof St. Nikolai. Beide sind jedenfalls nicht öffentlich zugänglich. Zumindest nicht an diesem Tag, wo ich unterwegs bin. Allerdings wollte ich ohnehin nicht wirklich Fotos und Videos vom Friedhof machen. Im Buch von Irene Hanappi wird auch mehr über die Hintergründe der Friedhöfe eingegangen. Dies nachzulesen kann ich nur empfehlen.

Jedoch bestaune ich das Chatam-Sofer-Mausoleum. Das Memorial an sich ist ebenso nicht öffentlich zugänglich und mach benötigt sogar die Erlaubnis der jüdischen Religionsgemeinschaft, bzw. muss man sich vorher anmelden. Ich stehe an der Zizkova Straße und habe einen schönen Blick auf das Mausoleum.

Moses Schreiber (1762 - 1839), im jüdischen bekannt als Moshe Sofer oder Chatam Sofer, war einer der führenden orthodoxen Rabbiner der europäischen Juden in der ersten Hälfte des 19. Jh. Sofer schrieb zahlreiche Werke, doch zu seinen Lebzeiten wurde kaum etwas von ihm veröffentlich. Unmittelbar nah seinem Tod begann seine Familie, seine Schriften herauszugeben. Diese enthalten unter anderem sieben Bände Responsen zu zwei Bände Predigten, Novellen zum Talmud, Kommentare zur Tora, Briefe, Gedichte und ein Tagebuch.

 

Das Chatam-Sofer-Mausoleum



Zu guter Letzt marschiere ich nun der Zizkova östlich entlang in das kleine Viertel der Musen. Den gleich direkt nebeneinander finden wir das slowakische Nationalmuseum für ungarische Kultur in der Slowakei.

Gleich direkt angrenzend steht das Museum der Kultur der Karpatendeutschen. Und wiederum gleich daneben steht noch das Archäologiemuseum der Stadt Bratislava.

 

Das Museum der Kultur Ungarns in der Slowakai



Abgerundet wird diese Tour mit der kleinen Trinity Kirche, welche gleich neben den Museen steht und fast schon an der Donaupromenade liegt. Diese Promenade spaziere ich nun noch entlang und treffe dabei noch auf einige Denkmäler, welche ebenfalls in Irene Hanappis Buch noch näher erläutert werden.

Natürlich habe ich nicht alle Sehenswürdigkeiten aus dem Buch hier beschrieben, denn wer sich für die slowakische Kultur in Bratislava interessiert, der soll hier selbst noch einige Schätze für sich finden. Im Buch "Gehen, Sehen & Genießen" hat Irene Hanappi alles sehr liebevoll umschreiben und erklärt. Einer kleinen Sightseeing-Tour steht also nichts im Wege. Ich habe mir, die für mich schönsten, Werke entlang dieser Tour herausgesucht. Der Bericht hätte aber gut und gerne noch zweimal soviel Stoff gehabt.  Ich möchte aber, wie schon erwähnt, nicht jedes Detail hier beschreiben.

Letztendlich kehrt man zum Ausgangspunkt, vor dem Martinsdom, zurück und hat dann noch die Möglichkeit, diesen hoffentlich tollen Tag in der Altstadt ausklingen zu lassen. Vielleicht habt Ihr auch noch die Zeit, den Krönungsweg (meinen Bericht findet ihr HIER) zu gehen. Für mich war dieser Spaziergang jedenfalls wieder ein höchst interessantes Unterfangen und ich freue mich schon auf die nächsten Touren.

 

die Trinity Kirche



Infobox (Quelle):

Bratislava - Gehen, Sehen & Genießen (Buch)

Falter Verlag

Autorin Irene Hanappi

sämtliche Informationen stammen aus Wikipedia oder von den direkten Webseiten der jeweiligen Sehenswürdigkeiten.

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