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ich, am Weg

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Lasseer Benefizlauf 2018
23.03.2018 18:02


Diese 6 Stunden sind hart... Aber die Kinder des Sterntalerhofs kämpfen noch viel härter
 

Noch als Schüler plante der Ultra Läufer Rainer Predl sein erstes selbst inititiertes Lauf Event. Das dazu noch in seinem Heimatort Lassee im östlichen Niederösterreich, nahe der Bundeshauptstadt. Das was bis heute daraus wurde, das übersteigt wohl auch seine Vorstellungskraft. Der reine Erlös kommt dabei dem Kinderhospiz Sternstalerhof zu Gute, weshalb das heutige Laufopening des Jahres auch als Lasseer Benefizlauf bezeichnet wird.

Es gibt mehrere Kategorien, wie man am Lasseer Benefizlauf teilnehmen kann. Der Hauptbewerb ist der 6 Stundenlauf. Aber auch Nordic Walker können sich an dieser Challenge versuchen. Auch die Hälfte kann in Angriff genommen werden. Und für Laufeinsteiger bietet der 5 Kilometer Volkslauf einen optimalen Beitrag, an so einem sportlichen Tag.

Video:

Auch für die Kleinsten gibt es mit dem Kinderlauf eine Möglichkeit richtige Laufevent-Luft zu schnuppern. Dazu gibt es Live-Musik, Tombola und richtig gute Verpflegung. 

​Seit 2015 nehmen mein Vater und ich an diesem Benefizlauf teil. Bislang haben wir uns stets am 5 Kilometer Volkslauf orientiert. Und das war auch immer eine feine Sache. Aber in diesem Jahr wollten wir eine neue Erfahrung machen. Mein Vater, der Radsportler, ist ohnehin oft mit den Walkingstöcken unterwegs. Und ich? Nun ja. Ich habe erst in den letzten Jahren entdeckt, was ich sportlich alles leisten kann. Darum wagten wir den Schritt und meldeten uns dieses Mal für den 6 Stunden-Lauf. Mein Vater meldete sich als Nordic Walker.

Startnummernausgabe am Vortag

Um dem allgemeinen Trubel zu entgehen, holten wir uns diesmal bereits am Vortag die Startnummer aus dem Rennbüro in Lassee. Es ist immer wieder schön die gleichen Gesichter des Racing-Teams zu sehen. Die Motivation ist allgemein sehr hoch und man bemüht sich um einen reibungslosen Ablauf.
Und dann treffen wir natürlich auch auf den Mann, der das alles möglich macht, nämlich den Initiator persönlich - Rainer Predl.
Es ist ein sehr harmonisches Gespräch. Man kennt sich ja schon aus den letzten Jahren. Und das, obwohl Rainer sich hier alleine schon fast jedes Gesicht einprägt. Man merkt, er kann es kaum noch erwarten, und fährt die Strecke schon einmal mit dem Rad ab. 

Und so geht es noch einmal heimwärts, ehe das Unternehmen - 6 Stunden auf den Beinen - startet.

 

Vater Joe´und ich mit dem Initiator und Ultraläufer Rainer Predl

Ankunft in Lassee. Wir sind bereit.


 

Lassee - ein Ort setzt sich in Bewegung

Es ist 7:45 und wir treffen viel zu früh ein. Um 9:00 sollte der Start erfolgen. Sind wir etwa nervös? Ich denke nicht, denn wir haben unsere Betreuerin Frau/Mama Eva mit. Aber wer glaubt, wir wären die Ersten, der irrt natürlich gewaltig. Die üblichen Verdächtigen sind bereits am Werken. Die Turbo-Schnecken, allen voran der Schnecken-König Berndt Fankhauser - seines Zeichens der wandelnde Fotograf - baut bereits am Schneckenhaus. Aber auch die Mädels und Jungs von Laufend-Helfen beziehen ihr Zelt. Und wenn man von Laufend Helfen spricht, dann ist natürlich der Run Doc Rene Kun nicht weit. Und wo Rene ist, ist auch die Nordic Walking Legende Viktor zu finden. Und dann sind da noch Emil und Marion und ... - ich könnte hier jetzt ewig weitere Namen aufzählen, doch soviel Webspace besitze ich leider nicht. *haha*

Das Wetter könnte schöner sein. Es ist ziemlich kalt. Die Wolkendecke ist trüb und grau. Es ist ein sehr mühsamer Frühlingsbeginn, der einem eher an einen viel verspäteten Herbst gleicht. Selbst ich ziehe mir satte drei Schichten an, was optisch an mir ziemlich fluffig aussieht. Aber wir sind ja nicht bei einer Modenschau, sondern bei einem Lauf zugunsten der Kinder vom Sternthalerhof.

Um kurz vor 9:00 versammelt sich alles im Start/Zielgelände. Die Strecke ist auf ca. 1,9 Kilometer vermessen. Diese gilt es nun immer und immer wieder zu umrunden. Rainer, der selbst teilnimmt, und sein Racing Team schwört uns noch einmal auf dieses Event ein, ehe dann um 9:00 pünktlich das Startsignal ertönt. Nun geht es also los. Mein erster 6 Stunden Lauf. Wie wird es mir da wohl noch ergehen?

 

Berndt, die Turboschnecke & Fotograf (© Berndt Fankhauser)

 Der Walker Vater Joe´in seinem Element (© Berndt Fankhauser)

Laufen mit Marion (Karwendelmarsch, SIE+ER Lauf) (© Berndt Fankhauser)

Natürlich immer mit toller Unterstützung  (© Berndt Fankhauser)


 

Noch während der ersten Runde gesellt sich Marion zu mir. Wir haben einen ähnlichen Laufstil und sind auch vom Tempo ziemlich ähnlich. Mit Marion war ich bereits 2017 durchs Karwendel gelaufen. Und dann war da natürlich noch der SIE+ER Lauf im selben Jahr, wo wir als Team die Prater Hauptallee gerockt haben.

Und so haben wir eine recht gute Zeit, unterhalten uns gut und traben gemütlich dahin. Auf dem Weg treffen wir auf viele bekannte Gesichter. Jeder legt es anders an. Gut, das wir in Bewegung sind, denn es ist wahrlich sehr kalt an diesem Vormittag. Doch noch ist alles im grünen Bereich. Ich beschließe, den Puls nicht höher als auf 140 Schläge zu treiben. Es ist einfach eine Einteilungssache. Ich weiß, die ersten zwei Stunden werde ich keine Probleme haben. 

So ist es auch. Hier und da stärke ich mich an der Verpflegungsstation gleich neben dem Ziel, doch gleich geht es weiter. Und dann beschließe ich jede volle Stunde eine schnellere Runde einzulegen. Hier schraube ich den Puls auf fast 170 Schläge hoch. Das tut dazwischen auch einmal ganz gut. Marion ist nicht ganz fit, kämpft mit einer Erkältung, und beschließt noch während des Laufens nach 2,5 Stunden aufzuhören. Eine gute Entscheidung, denn der Wind wird lästiger und es wird noch frischer.

Und so laufe ich nach 2,5 Stunden alleine meine Runden. Aber dann überrunde ich erstmals meinen Vater. Wie ist es ihm bislang ergangen? Ich würde sagen, nicht schlecht, denn nach fast 3 Stunden ist er gerade einmal 2 Kilometer hinter mir. Und ich habe bislang an die 23 Kilometer in den Beinen. Das ist schon beachtlich, hätte ich gedacht, ihn viel öfter zu treffen. Ich laufe also weiter. Die absoluten Topleute wie Rainer ziehen sehr oft an mir vorbei. Und trotzdem bleibt immer Zeit für einen kleinen Smalltalk oder ein anerkennendes Lächeln.

Ich muss noch mal an Marion denken. Gut, das sie in ihrer Verfassung aufgehört hat. Das war genau richtig. Warum? Nun, jetzt beginnt der Schneeregen und der Wind wird stärker. Schon bald bilden sich erste Pfützen am Asphalt. Der Wind macht die Temperatur gefühlt noch kälter und ich muss einen Boxenstopp bei unserem Auto einlegen. Ich muss mir ein Schlauchschal anlegen. Jetzt sehe ich optisch schon wie eine Kreuzung aus Hobbit und Schildkröte aus, aber das ist mir egal. Es ist so viel angenehmer.

Nach 4 Stunden merke ich, das es langsam zäher wird. Aber die Kraftreserven sind noch da. Aber ich stärke mich nun bereits nach jeder absolvierten Runde an der Verpflegsstation. Trotzdem dürfte ich meinem selbstgesteckten Ziel - 40 Kilometer - nahe treten. 
Während des Laufens erinnere ich mich daran, das ich dabei ja meinen persönlichen Rekord aufstellen würde. Bislang war ich ca. 27 Kilometer in einem Stück durch geflaufen. Das war im Vorjahr auf dem Weg von Stockerau nach Hetzmannsdorf. Ein Blick auf meine Sportuhr verrät mir aber, dass ich diese Marke bereits geknackt habe. Freude macht sich breit. Ich bin jetzt schon sehr froh und möchte jetzt aber noch mehr Kilometer raus scheffeln. 

 

Es wird kälter und zäher  (© Berndt Fankhauser)

Und die nächste Runde steht an  (© Sabrina)

  Erwischt beim Videodreh (© Berndt Fankhauser)

Auch für Vater Joe´kommt die nächste Runde (© Sabrina)


 

5 Stunden befinde ich mich jetzt schon auf den Beinen und ich werde müde. Die Kälte setzt mir zu. Immer wieder lege ich auch mal schnelle Gehpassagen ein. Von einer schnelleren Runde kann ich jetzt nur noch träumen. Selbst beim Traben liegt mein Puls jetzt schon bei 160 Schlägen. Nase und Mund sind durch die Kälte schon beleidigt. Der Kopf schiebt aber noch fleißig an. Ich beneide die tollen Läufer, die immer noch "relativ" frisch dahinziehen. Von so einer Leistung bin ich noch Meilen weit entfernt. Meine Mutter kommt mir einige Male mit dem Fotoapparat entgegen und fragt mich, ob alles in Ordnung sei. Im Grunde geht es mir gut. Ich bin einfach nur müde. 

Und da fällt mir ein, ich habe meinen Vater seit der ersten Umrundung schon lange nicht mehr gesehen. Wow! Er muss einen extrem guten Tag haben. Dass er als Walker so tapfer mithält, ist sagenhaft. Man bedenke, es ist auch sein erster 6 Stunden Walk. 
Mittlerweile weiß ich, das ich die 6 Stunden packen werde. Ein Blick auf die Uhr verrät mir auch, das es wohl mit den 40 Kilometern klappen wird. Trotzdem habe ich gegenüber den ersten 3 Stunden abgebaut. Aber das kreide ich mir nicht an. Das war irgendwo klar. Dennoch bin ich erst erleichtert, wenn die 40er Marke fällt.

Und dann, in der letzten halben Stunde kommt alles zusammen. Hier gelingt es mir tatsächlich noch einmal meinen Vater einzuholen. Nach 5 Stunden und ca. 40 Minuten habe ich ihm gerade einmal 4 Kilometer abgenommen. Das habe ich nicht erwartet. Das ist eine bärenstarke Leistung von ihm. Und nur wenige Meter später piept es auf meiner Sportuhr. - 40 Kilometer

Das ist irgendwie ein erhabener Moment für mich und ich muss kurz einmal meine Gefühle sortieren und kräftig schlucken. 40 Kilometer! Ich frage mich, wie ich künftig darauf aufbauen kann. Wird es mir gar möglich sein, eines Tages zb. die 61 km von Rundumdaum Wien durchzulaufen? Egal jetzt! Mein Ziel habe ich erreicht. Jetzt folgt die Draufgabe.
Ich laufe nun meine letzte Runde. Mit jedem Schritt kommt ein weiterer Meter hinzu. Ich hoffe, ich kann das Ende um 15 Uhr so gut timen, dass ich nahe am Start/Zielgelände stehe. Warum, das werdet ihr gleich lesen. Ich bin voller Euphorie und sammle meine Kräfte für einen letzten Zielsprint. Und diesen mache ich auch. Nach fast 6 Stunden noch ein 200 Meter Sprint. Ein irres Gefühl!

Doch als ich im Ziel stehe und auf die Uhr blicke, stelle ich fest, das ich noch 2 Minuten Zeit habe. Also setze ich mich in Bewegung um noch einige Meter herauszuholen. Irgendwie nicht sehr klug von mir, denn als um 15 Uhr die Schluss-Sirene ertönt, stehe ich einen halben Kilometer weit weg vom Start/Zielbereich. Und jetzt kommt die eigentliche Tortur. Alle Teilnehmer müssen nämlich an ihrem Standpunkt stehen bleiben, bis das Racing Team mit dem Vermessungswagen an einem vorbeifährt. Es wird so genau gemessen, wie viele Meter man am Ende zurückgelegt hat. Doch das dauert und dauert und kommt mir ewig vor. Mir ist sehr kalt. Eine Jacke wäre jetzt ein Segen. Es ist schlimm. Ich versuche mich zu bewegen, aber mir ist wahrlich frostig zumute. Mein rechter Arm zittert unkontrolliert und mein Kiefer bibbert, ohne das ich es verhindern kann. Endlich sind die Vermesser bei mir und ich kann meinen Standort verlassen.

 

Selten aber doch zusammen. Vater Joe´und ich.

Nach ca. 5 Std. und 45 Min schon ziemlich fertig (© Berndt Fankhauser)


 

Ich bibbere und zittere mich zurück ins Ziel. Dort wartet schon mein Vater auf mich, doch ich kann nicht stehen bleiben. Ich muss jetzt ins Warme - sofort! Und so begebe ich mich ins Rennbüro und setze mich dort auf den Boden und lehne mich gegen die Mauer. Mir ist so kalt! Und schon schüttelt es mich kräftig durch. Ich fürchte, ich habe es übertrieben. 

Nach einigen Minuten wird es aber schon besser. Meine Mutter bringt mir meinen Rucksack mit dem Wechselgewand. Ich ziehe mich um und hole mir meine Finisher-Medaille. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, mir heute eine Erkältung zu holen. 

Und so stehen wir, mein Vater, meine Mutter und ich, noch beim Spendenbuffet und stärken uns. Wir sehen noch die Volksläufer und die Kinder starten, beschließen aber dann doch schon die Heimreise anzutreten. Es ist einfach zu kalt und ich fühle mich auch nicht wirklich wohl. Ich hätte zwar gerne noch die Siegerehrung gesehen, aber momentan ist mir nur nach ausruhen. 

Am Ende erreichte ich 42,5 Kilometer. Mein Vater erwalkte satte 38 Kilometer
Es war wieder ein supertolles Erlebnis. Für das Wetter kann niemand etwas. Rainer Predl hat wieder ein Super-Event aufgezogen.  Im nächsten Jahr werden wir sicher wieder an den Start gehen. Vielleicht ist es dann angenehmer zum Laufen. Ich muss mich jedenfalls nun erholen und hoffen, dass ich mich nicht erkältet habe.

... Leider vergebens! Die Woche darauf war ich Weg vom Fenster *gg*


 

Infobox:

Benefizlauf Lassee
Kinderhospiz Sterntalerhof
Rainer Predl (Ultra Läufer)

Mein Bericht zum Benefizlauf Lassee 2017
Mein Bericht zum Benefizlauf Lassee 2016


Die Strecke (ca. 2 km pro Runde)

Wanderung Schlacht bei Wagram

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