Wandern - Weitwandern - Bergwandern - Outdoor Sport

ich, am Weg

11
Ap
Bratislava Halbmarathon 2019
11.04.2019 21:12


"...MISTER, DU SCHAFFST DAS UNTER 2 STUNDEN..."
                                                                               (Gerhard Eder / fitmitrix.at)


 

- Mein zweiter Halbmarathon -

Es war Anfang April 2018. Zum aller ersten Mal wagte ich mit viel Respekt meinen ersten Halbmarathon in der charmanten Nachbarstadt Bratislava. Und weil ich ihn unbedingt finishen wollte, hatte ich mir diese 21 Kilometer perfekt vom Tempo her aufgeteilt. Nach 2 Stunden und 32 Minuten lief ich damals ins Ziel und war begeistert von der Atmosphäre und dem Gefühl es geschafft zu haben. 
Ein Jahr später hat sich vieles verändert. Die Achterbahn des Lebens hatte mich umklammert. Berufliche und alltägliche Veränderungen standen an. Ich habe weiterhin mit meinem Trainer Gerhard Eder von fitmitrix.at trainiert und bis heute 7 Kilo abgenommen. Wochen zuvor schaffte ich mir bereits eine tolle Basis für das Projekt 2. Halbmarathon. Und schon beim Laktattest im Herbst 2018 prophezeite mir Gerhard, während ich am Laufband schwitze und keuchte. "Mister, du schaffst den Halbmarathon unter 2 Stunden!"
Und von da an wollte ich es unbedingt versuchen dies zu realisieren.

Video:

- Marathon Lauftage in Bratislava / Geile Stimmung schon am Vortag -

Vom Wandern in Bratislava und den kleinen Karpaten weiß ich, der Slowake, speziell der Einwohner Bratislavas ist ein sportbegeisteter Mensch. Sie/Er liebt die Natur und ehrt, wie feiert die Bewegung. Spazieren und Wandern in der Natur ist hier ein Fest für die ganze Familie. Da marschiert der Opa mit dem Urenkel. Und beim Laufen ist das nicht viel anders. 
In Bratislava starten das Erlebnis "Marathon" bereits eine Woche vor dem Start. Da gibt es bereits die ersten Vorträge von Experten und Veteranen. Da öffnen die Sportgeschäfte ihre Pforten und bieten Laufartikel zu günstigen Preisen an. Die Festzelte werden bereits dienstags vor dem Eingang zur Eurovea, dem Shoppingcenter an der Donau, aufgebaut. Es gibt Laufbewerbe für alle!!!

Während Sonntags die Hauptläufe (Marathon / Halbmarathon) stattfinden, gibt es bereits samstags den Kinder- und Jugendlauf. Am Nachmittag findet ein 10 Kilometer Volkslauf durch die Innenstadt statt. Und auch sportbegeisterte Senioren können sich bereits freitags auf die Piste wagen. Und wer denkt, die Menschen strömen nur zum Hauptlauf auf die Straßen, der irrt. Und zwar gewaltig. 

Wie schon im letzten Jahr reise ich am Vortag nach Bratislava, um mir meine Startnummer zu holen und spazieren zu gehen. Und wie schon letztes Mal erlebe ich noch den Start des Kinderlaufs. Es ist faszinierend, was hier für eine tolle Stimmung herrscht. Es ist Samstag 10 Uhr und ich muss mich schon durch Menschenmengen und wartenden Teilnehmern zum Registrationszelt der Eurovea durchdrängen. Strahlende Kinderaugen wohin das Auge reicht. Sie alle tragen ihre für sie übergroßen Medaillen um den Hals. Auch hier spart der Organisator nicht. Selbst die Kindermedailien sehen super aus und stehen den Marathonmedaillen nichts nach. 

Ich hole meine Startnummer und genieße noch die Stimmung. Ich freue mich schon auf den kommenden Tag, wenn hier dann endgültig die Party abgehen würde. Die ganze Stadt steht bereits unter Strom. Alles wartet auf den großen Moment, wenn am Sonntag um 8.55 die slowakische Nationalhymne erklingt und den Marathon einleitet. Ich bin diesmal einer von 116 Österreichern am Start. Bei einer Teilnehmerzahl von 14.000 Startern also ein kleines Grüppchen, welches dem Vienna City Marathon - welcher Zeitgleich stattfindet - entsagt hat. 
 

Das Shoppingcenter Eurovea

Das Start und Ziel Areal steht bereits

Ich, als einer von 116 Österreichern am Start

Hier wird morgen die Stimmung kochen


- Showtime -

Um 5 Uhr klingelt der Wecker. So begann schon mein Bericht für 2018. Körper und Geist aktivieren. Am Vorabend habe ich eben noch einen letzten Zuspitzlauf absolviert und dabei 3 Kilometer in 17 Minuten gepackt. Jetzt ist der Tag gekommen und ich freue mich schon. Aufregung? Nicht wirklich. Zumindest noch nicht.
Um 6:15 steht mein Bruder Thomas vor meiner Haustüre. Er begleitet mich wieder als Betreuer. Und als solcher rettet er mich auch gleich vor einem zu vollen Magen. Mein Bäcker um die Ecke öffnet nämlich erst um 7:00 Uhr und ich habe kein Weißbrot. Er bringt mir zwei Toastscheiben mit. Mein Held! *gg* 

Um 6:28 rollt der Zug von Wien Stadlau los und kommt eine Stunde später am Hauptbahnhof in Bratislava an. Das Wetter ist ähnlich zu jenem des Vorjahrs. Mit 7 Grad ist es relativ frisch. Doch es lockert auch recht schnell auf. Der Wind hält sich in Grenzen. Im Grunde ein sehr gutes Wetter zum Laufen. Die Luft ist schön angenehm kräftig aber nicht zu feucht. Sehr gut!
Wir steigen in den Bus und fahren vom Bahnhof direkt bis zur Eurovea, dem Startareal. Es sind nun noch 1,5 Stunden bis zum Start. Locker schreiten wir einmal das Areal ab, besuchen noch ein Sportgeschäft und haben eine gute entspannte Zeit. Im Sportgeschäft kann ich meine Fähigkeiten als Boxer unter Beweis stellen. Zum Abreagieren und Aufwärmen gar nicht mal so übel.

Die Zeit vergeht und wir kommen immer näher zum Start. Langsam bewege ich mich in das Startareal vor der Eurovea wo die Stimmung schon immer gewaltiger wird. Ich starte, wie schon im Vorjahr, im letzten Startblock Korridor D. Mit meinen 2 Stunden und 32 Minuten aus dem Vorjahr war noch keine weitere Vorreihung möglich. Aber das macht nichts. Ich bin diesmal überzeugt das Feld von hinten aufzurollen. Ich beginne mit meinen Aufwärmübungen und merke wie langsam die Vorfreude kommt. Schließlich stelle ich mich in meinen Startblock, der sich immer schneller füllt bis kein Platz mehr für weitere Übungen ist.

Ich stehe direkt neben der Absperrung. Mein Bruder bleibt bis zum endgültigen Start neben mir stehen. In den letzten Minuten ziehe ich nun meine Sportjacke aus und übergebe sie ihm. Es ist eine kleine Premiere in diesem Jahr, denn ich laufe kurz/kurz. Kurze Hose und T-Shirt. Und dann kommt der erste große Moment vor dem Start. Um 8:54 erklingt die slowakische Hymne. Einen besseren Anheizer kann es bei so einem Lauf nicht geben. Um 9:00 Uhr ist es dann soweit. Der erste Startblock startet pünktlich zur Musik von 

"EGO feat. Robert Burian - Zijeme len raz" - Klick und tanze mit. *gg*

Dieser Sommerhit aus dem Jahr 2012 macht wirklich Laune und bringt einem in richtige Laufstimmung. Um 9:05 erhält mein Startblock die Freigabe und ich marschiere mit sämtlichen Läufern nach vorne vor die Startlinie. Dort sorgt der Moderator noch einmal für gewaltige Stimmung. Um 9:10 jedoch ist es soweit. Der Countdown wird heruntergezählt. 5 - 4 - 3 -2 - 1 - *Startschuss* 

Es ist soweit! Der Moment, auf den ich lange hintrainiert habe ist gekommen. Ich starte meinen zweiten Halbmarathon. Und unter den wirklich rhythmischen Klängen von EGO starte ich nun durch...

 

Noch ein Punch vor dem Start

Mit dabei - mein Bruder Thomas

Aufwärmen an der Donaupromenade

Noch ein letzter Grinser, dann geht es los...


- Jawohl, heute geht es dahin / Der Lauf-Tempomat ist eingeschaltet - 

Meine Pulsuhr ist aktiviert. Aber heute laufe ich nicht nach Puls. Nein, heute geht es nur um die Pace/Geschwindigkeit. Ich weis was ich zu tun habe. Solange ich auf dieser Strecke laufe muss diese Uhr stets einen 5er nach der Geschwindigkeit anzeigen. Damit ist gemeint, ich darf keine 6 Minuten für einen Kilometer brauchen. Ich muss stets zwischen 5 und 5,5 Minuten bleiben. Dann steht dem Ziel, die 21 Kilometer unter 2 Stunden zu finishen, nichts im Wege. 

Und gleich nach der Eurovea erfolgt eine gemütliche S-Kurve entlang der Olejkárska in die Landererova in den Osten in Richtung Prístav, bzw. dem Hafen Bratislava. Und kennt Ihr dieses Gefühl? Ihr startet hoch motiviert in einen Lauf und merkt sofort nach den ersten Metern, dass ihr euch super fühlt und das dies wohl auch so bleiben wird? Mir ist es so ergangen. Ich hatte sofort ein sehr positives Gefühl. Ich verspürte keine Nervösität, sondern große Freude hier an diesem Ort jetzt Laufen zu dürfen. 

Mit diesem Enthusiasmus merke ich, dass ich nach einem Kilometer bereits unter 5 Minuten für einen Kilometer laufe. Das ist zu schnell! Ich muss mich doch etwas bremsen und schraube mich auf 5,3 Kilometer hinunter. Und in diesem Bereich fühle ich mich super. Ich bin immer noch recht flott für meine Verhältnisse und fühle mich dabei entspannt. Sehr gut! Mein Kopf tut das seine und schaltet mir den Tempomat ein. Damit meine ich, ich kann dieses Tempo sehr schön halten. Ich werde weder schneller noch langsamer. Wetter super! Stimmung super! Ich bin top fit und fühle mich spitze! Optimal! 

Vor dem Autobahnknoten in Prístav wartet dann die erste Kehre. Diese nehme ich im tollen Tempo und kann nun erstmals auf die Läufer blicken, die hinter mir herlaufen. Und das sind doch recht viele dieses Mal. Im Vorjahr war ich zu diesem Zeitpunkt der Drittletzte gewesen. Jetzt bin ich mitten drin in meinem Startblock, der sich natürlich auch mit jedem Schritt auseinander zieht. Mit gezielten Sprüngen sause ich auch an einigen Mitläufern vorbei um den Flow nicht zu verlieren. 

Weiters folgt dann der Abschnitt um das Bratislava Business Center und das Technikmuseum. Hier wartet die erste Labestelle, die ich aber zu spät erblicke und daran vorbeilaufe. Aber meine Energiespeicher sind noch voll und ich benötige noch keine Stärkung. Letztes Jahr habe ich hier noch mit den Streckenposten herum gescherzt. Diesmal konzentriere ich mich auf meinen Rhythmus. Ja, die Zeiten als Lauftourist sind vorbei. Jetzt bin ich hier. Und hier möchte ich an meine Grenzen gehen. 

Zurück an der Landererova folgt nun die Rechtskurve hinauf an der Karadzicova in den Norden. Und hier erlebe ich auch etwas für mich sehr bedeutsames. Vor mir läuft das Paket um den Pacemaker mit der Tafel 5:20. Obwohl ich selbst keinen Pacemaker brauche, finde ich es spannend mit von der Partie zu sein. Schließlich erreiche ich hier die nächste Labestelle wo ich mir etwas zu trinken gönne. Diesmal muss ich auch nicht stehen bleiben. Ich ergreife den Becher, trinke im Laufen und werfe ihn weg. Die tollen Organisatoren haben extra Wurfzonen für den Abfall eingerichtet. Super Sache! 

Es geht mir nach wie vor super und ich erreiche nun die Rechtskurve in die Záhradnícka. Diese Straße führt in den Westen stadtauswärts bis zum Stadtteil Ruzínov. Hier stehen die Menschen am Straßenrand und jubeln uns zu. Und vor allem so viele Kinder die uns begeistert anfeuern. Noch vor dem Knoten und Unterführung der Autobahn Bajkalská habe ich das erste Drittel, also 7 Kilometer, geschafft:

7 Kilometer = 38 Minuten
(1 Minute langsamer als meine persönliche Bestmarke vom LCC Eisbärcup 2019) - alles im grünen Bereich


 

Der Weg führt zunächst in das Industrieviertel

Impressionen Marathon

Der Marathon im vollem Gange

Impressionen Marathon


- ein extrem tolles zweites Drittel / ein Sturz in der Altstadt / ein Finale mit einem Lächeln - 

In Ruzínov angekommen wartet die nächste Kehre und ich laufe die Záhradnícka wieder zurück. Auch hier überhole ich noch einige Läufer. Ich werfe mir ein Kohlehydratgel ein und merke sofort, wie mir das weitere Kraft verleiht. Ich kurbel nun das Tempo an und bewege mich nun zwischen 5 - 5,2 Minuten pro Kilometer. Nicht auf Zwang! Ich spüre das ich dazu in der Lage bin, ohne mich zu quälen. Ich bin nun da wo ich unbedingt hinwollte. Im sogenannten Runnershigh. 

Alles zieht so schnell an mir vorbei. Ja klar, ich bin schneller. Viel schneller sogar. Dennoch habe ich das Gefühl ich fliege nahezu durch die Stadt. Und der, für mich, beste und schönste Teil sollte ja noch folgen. Nämlich die Altstadt. 
Weiter geht es also bis zum Park Medická Záhrada. Hier laufen wir nun links weiter entlang der Spitalska bis zur Kreuzung vor dem Gemeindezentrum. Hier folgt dann ein kleiner Anstieg hinauf bis zum Michaelertor, den ich aber auch recht passabel mitnehme. 

Und dann folgt mein besagtes Lieblingsstück, auf welches ich mich schon so gefreut habe. Der Lauf durch das Michaelertor hinab durch die Straßen der Altstadt. Was hier los ist, dass kann man sich wohl denken. Menschen stehen am Straßenrand, jubeln und klatschen. Durch die engen Gassen hallt das Getöse noch um so mehr. Ich fühle mich noch immer recht gut und ich kann mein schnelles Tempo immer noch halten. Und dann kommt der Moment, der zeigt, wohin die Reise führen wird. Ich erreiche den 14. Kilometer.

14 Kilometer = 1 Stunde 15 Minuten (37 Min für das zweite Drittel)
(1 Minute schneller als meine Zielzeit beim LCC Eisbärcup / ) - alles super!!!

Restzeit, um unter 2 Stunden zu bleiben: 45 Minuten für 7 Kilometer

Das ist das optimalste was mir jetzt passieren kann. 45 Minuten bleiben mir für weitere 7 Kilometer. Das kann ich schaffen! Nein, das werde ich schaffen! Dafür bin ich noch zu gut drauf. Und als ich so herumrechne und weiter durch die Altstadt laufe, passiert es dann schließlich. Kurz vor der Kurve zur Donaupromenade kommt ca. 10 Meter vor mir eine Frau zu sturz. Sie stolpert, kann sich nicht mehr halten und schlägt mit dem linken Knie am Pflasterstein auf! Da dies genau vor mir passiert, muss ich sofort runter vom Tempo. Aber um so erstaunlicher für mich ist es, dass die Teilnehmer links und rechts an ihr vorbeilaufen. Niemand nimmt davon Notiz. 

So bleibe ich für einen Moment stehen und helfe der Frau hoch. Sie hält sich zunächst das Knie. Ich frage sie, ob alles in Ordnung sei. Aber sie versteht mich nicht. Also strecke ich den Arm aus und helfe ihr hoch. Ich frage noch "Are you ok?" Sie nickt kurz und alles scheint gut zu sein. Dieser ungeplante Stopp hat mich aber auch nur maximal 30-40 Sekunden gekostet. Ich werfe mir mein letztes Gel ein und setze zu einem kleinen Sprint an. Dieser bringt mich für eine Minute auf unter 5 Minuten für den Kilometer, sodass ich davon ausgehe, ich diesen kurzen Stopp wieder eingebracht habe.

Nun folgt der schwierigste Teil für Körper und Geist. Der Lauf über die Stary Most Brücke hinüber zum Sad Janka Krála Park. Kurz bevor es über die Donau geht, ruft mir mein Bruder aufmunternd zu. Er hat mich hier abgefangen und ist selbst erstaunt, dass ich schon so früh da bin. Ich winke ihm nur kurz zu, bleibe aber weiter in meinem Tempo. Die Stary Most Brücke ist ganz fies. Sie ist eine lange geschwungene Brücke über die Donau, sodass man zunächst bis zur Brückenmitte einen zähen kleinen Aufstieg hat. Nach 16 Kilometer bei diesem Tempo ist das schon eine kleine Herausforderung. Die Belohnung ist aber natürlich das angenehme Berg ab auf der anderen Seite.

Nun erreiche ich den besagten Sad Janka Krála Park. Dies ist eine wunderschöne Parkanlage südlich der Donau. Doch diesmal habe ich keine Zeit zum Verweilen. Ich muss mein Tempo halten. Langsam melden sich aber meine Schenkel. Ein Blick auf meine Pulsuhr verrät, das ich mich aktuell auf 5,8 Minuten auf den Kilometer befinde. Der Kopf schiebt an, was er kann. Die Muskeln tun sich aber schon schwer die Befehle umzusetzen. Egal, ich muss weiter. Die Streckenlegung ist in diesem Jahr aber etwas anders. Im Vorjahr lief ich durch den Park und unter der Brücke Most SNP (wo das bekannte Ufo Restaurant thront) hindurch, ein Stückchen weiter, und wieder zurück. Diesmal führt die Strecke in Serpentinen durch den Park hindurch. Das ist zunächst deprimierend, weil ich schon beim hineinlaufen sehen kann, wie die Teilnehmer im Park auf und ab laufen müssen.

Immer wieder erwische ich mich, wie ich auf meine Pulsuhr schaue. Ich habe stets die Zeit im Auge. Jetzt kommt nämlich die Phase, wo mein Kopf realisiert, dass er nicht mehr weit zu laufen hat. Und leider beginnt mein Körper dann damit, sein Leistungsprogramm langsam herunterzufahren. Ich habe noch keinen Weg gefunden, ihn hier umzuerziehen. Für mich heißt das jetzt aber doppelt reinbeißen. Ich will unter 6 Minuten pro Kilometer bleiben. Doch letztendlich folgt der für mich schönste Moment des Tages.

Bevor es über die Brücke Stary Most wieder über die Donau zurück zur Eurovea geht, laufe ich an der Tafel mit dem 20. Kilometer vorbei. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, das ich nun bei 1 Stunde und 50 Minuten liege und mir somit noch 10 Minuten bleiben um unter 2 Stunden zu laufen. Und in diesem Moment weiß ich einfach, dass ich es schaffen würde. Nichts könnte mich jetzt mehr aufhalten. Bei einem Schnitt von aktuell 5,8 - 6 Minuten pro Kilometer wird dies nicht einmal knapp. Und so strahle ich beim Laufen über die Brücke mit der Sonne um die Wette. Die Samba-Trommler am Wegesrand motivieren mich noch auf die letzten Meter und ich kann es in vollen Zügen genießen. Ja! Richtig genießen ohne Stress! 

Und so erreiche ich nach der Brücke den Zubringer zum Zieleinlauf vor der Eurovea. Und was soll ich sagen? Ich bin in diesem Jahr so schnell, das ich sogar kurz vor dem Marathonsieger ins Ziel komme. Das wiederum bedeutet, dass jetzt die meisten Menschen am Zielraum stehen. Ich fühle mich wie ein Popstar vor diesen tausenden Menschen. Und weil ich nun mal eine, entschuldigt, kleine Rampensau bin, dann reiße ich beim Zieleinlauf meine Arme in die Luft und animiere die Zuschauer zum Jubeln und Kreischen, was sie dann auch freudigst tun. Es ist überwältigend für mich! Am Ende laufe ich über die Ziellinie nach

1 Stunde 56 Minuten und 22 Sekunden

und kann es zunächst nicht glauben, wie gut es mir heute dabei gegangen war. Aber so emotional wie ich nun mal bin, fließen zunächst wieder Tränen, die ich mir hinter der Laufbrille herauswischen muss. Es ist doch einfach unglaublich für mich, was da gerade abgeht bei mir. Ich habe in kürzester Zeit sämliche persönliche Rekorde gebrochen. 

- zum ersten Mal 10 Kilometer unter 60 Minuten gelaufen mit 55 Minuten bei Laufen Hilft
- zum ersten Mal 14 Kilometer in 1 Stunde und 18 Minuten gelaufen bei der VCM Winterlauf Serie
- eine Woche darauf 14 Kilometer in 1 Stunde und 16 Minuten erlaufen, dabei 7 km in 53 Minuten geschafft

... und nun tatsächlich den Halbmarathon unter 2 stunden gepackt !!!

Auch mein Bruder ist sehr stolz auf mich im Ziel und wir können diesen Tag noch in vollen Zügen genießen. Ich benötige lediglich eine Minute, ehe mein Puls wieder normal läuft. Ich fühle mich auch nicht wirklich angeschlagen oder verletzt. Es war einfach ein perfekter Lauf. Man sollte wirklich zu jeder Zeit an sich glauben und nicht immer an alte Werke festklammern. Ab und zu braucht es schon einen Satz wie...

"Mister, du schaffst den Halbmarathon unter 2 Stunden"

Nicht wahr, Coach Gerhard?! :-)

 


Mein Fazit:

Im Vorjahr war das Experiment Halbmarathon sehr platziert und durchgeplant abgelaufen. Ich lief nach Puls und konstant nach Plan, nur um die 21 Kilometer zu schaffen. Ein Jahr später hat sich bei mir so viel getan. Lebensumstellungen und Training haben mich ich vielen Bereichen besser gemacht. Ich habe an die 7-8 Kilo abgenommen. Schon im Training über den Winter hatte ich bemerkt, das mir das guttut. Dazu die brave Trainingskonstanz. 

Obwohl das Jahr nicht so begonnen hat, wie ich mir das gewünscht hätte, lief es von da an nur noch sensationell. Ich meine damit mein drittes Scheitern beim Burgenland Extrem. Diesmal bei 90 Kilometer. Nicht falsch verstehen! Das ist eine enorme Zahl. Aber insgeheim hatte ich mir erhofft es nun zu schaffen. Egal! Es folgte das Vertical Up. Und hier durfte ich zum ersten Mal mein aktuelles Potenzial am eigenen Leibe spüren. Ich verbesserte mich gleich um 12 gewaltige Minuten!

Dann folgten intensive Lauftrainings mit drei kleinen Generalproben, bzw. Laufevents. Wie schon im Bericht erwähnt, habe ich dort mit jedem Antritt für mich groß abgeräumt. Somit war es keine Utopie den Halbmarathon unter 2 Stunden zu laufen. Aber wenn man selbst eben keine knapperen Referenzen hat, dann will es der Kopf zunächst nicht glauben. Ich wäre auch mit einer knappen Zeit über 2 Stunden zufrieden gewesen. Das ich es jetzt geschafft habe unter 2 Stunden zu bleiben ist natürlich sensationell und das Ergebnis von konstanter guter Arbeit. Das verdanke ich auch meinem Trainer Gerhard Eder von fitmitrix.at. Ich denke, er hat meine Fortschritte immer gut im Blickfeld gehabt und war sich seiner Sache sehr sicher, als er mir diesen Erfolg prophezeite. 

Zur Veranstaltung selbst!
Auch im diesem Jahr hat mich der Bratislava Marathon wieder überzeugt. Obwohl er in diesem Jahr zeitgleich mit dem Vienna City Marathon fiel, muss ich sagen, das ich dennoch weiterhin Bratislava vorziehen würde. Warum? Ich bin in Wien schon 4x als Staffelläufer gestartet. Dazu ist mir persönlich - ist nur meine Meinung - der VCM viel zu überlaufen. 
In Bratislava waren in diesem Jahr 14.000 Läufer gesamt am Start. Soviel sind es in Wien wohl schon nur beim Halbmarathon. Und ein weiteres großes Plus ist natürlich die Streckenlegung. Da in Bratislava eine volle runde 21 Kilometer bedeuten, kommt man auch als Halbmarathonläufer in den Genuss der ganzen Strecke. Dazu ist die Organisation der Labestellen sehr gut und es bleibt überwiegend sauber auf der Strecke.

Die Stimmung ist dabei nicht weniger gut als in Wien. In Bratislava beginnt das Laufspektakel ja schon eine Woche vor dem Marathon. Da gibt es Vorträge von Profis und die Sportgeschäfte locken mit tollen Angeboten. Das Eventzelt steht bereits dienstags vor dem Marathonwochenende. Es gibt Kinder, Jugend und Seniorenläufe. Einen 10 Kilometer Volkslauf durch die Stadt. Schon wenn man beim Bahnhof aussteigt, spürt man diese positive Energie. Da ich meine Startnummer immer schon am Vortag hole, bekomme ich schon mit, wie die Stimmung beim Kinderlauf ist. Und was soll ich sagen? Sogar hier drängen die begeisterten Zuschauer schon zu den Zäunen. 

Preis/Leistung stimmt! 
Normalerweise sollte das kein Thema sein, aber ich erwähne es dennoch. Es stimmt hier einfach das Gesamtpaket. Für einen relativ günstigen Eventbetrag bekommt man wahrlich eine top organisierte Veranstaltung und gute Verpflegung an der Strecke. Jeder Finisher bekommt ein tolles Marathonshirt als Andenken und im Zielraum gibt es Snacks und Getränke soviel man tragen kann. Wer also eine angenehme Alternative zum Wien Marathon sucht, der sollte wirklich einmal den Weg ins nahe Bratislava wagen. Ich würde es jederzeit empfehlen.

In diesem Sinne! Ich komme wieder! Denn ich bin mir sicher, das dies noch nicht das Ende meiner sportlichen Fahnenstange ist.
 

 


Der Johannesweg

Kommentare


Datenschutzerklärung