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ich, am Weg

19
Ju
Großglockner Berglauf 2018
19.07.2018 20:48


DER HOBBYLÄUFER IN DER BERGLAUF CHAMPIONS LEAGUE

... SCHLÄGT ZURÜCK !!!
 

Normalerweise begeisterten mich Sport Events so sehr, das für mich gleich feststeht, das ich hier nächstes Jahr wieder kommen muss. Der Großglockner Berglauf 2017 lehrte mich Respekt vor dem Berglaufsport. Darum dauerte es fast 3 Wochen, ehe ich mich dann durchringen konnte, und mich erneut für den Berglauf anmeldete.

Mir war aber klar, dass ich noch entschlossener und intensiver trainieren müsse, um diese 13 Kilometer und 1500 Höhenmeter ohne Übererschöpfung und einer passablen Zeit zu meistern. 

So wandte ich mich an Gerhard Eder von fitmitrix.at, der mir auch schon damals wertvolle Tipps gab und mich weiterführend unterstützte. Ich bin kein Laufprofi, aber es ist im Interesse eines jeden Sportlers sich selbst zu übertreffen. Das motivierte mich zusätzlich.

Video:


Vorbereitung mit Gerhard Eder von Fit mit Rix:

Waren es vor meinem ersten Antreten noch 3 Monate Vorbereitungszeit, so dehnte ich diesen Trainingsrahmen auf 8 Monate aus. Gemeinsam mit meinem Trainer Gerhard arbeitete ich einen Plan mit meinen Zielen aus. Bei der Planung meiner Trainingseinheiten wurde auf meinen Alltag Rücksicht genommen. Durch Gerhard lernte ich viele neue und interessante Dinge über das Planen von Trainingsplänen und auf was es beim Lauf- und Fitnesstraining ankommt. Erstmals in meinem Leben stellte ich mich einem Laktattest, welcher mir vor Augen führte, in welchem Pulsbereich ich überhaupt unterwegs sein kann, darf, soll, muss. Ich lernte nicht mehr nach Pace, sondern nach Puls zu laufen. Es war in allem eine sehr interessante Zeit.

Auch am Setting haben wir gemeinsam geschraubt. Zunächst empfahl mir Gerhard sehr gute Trailrunning Schuhe. Später schickte er mich zu den Laufprofis vom Wemove Runnings Store nahe der Wiener Innenstadt. Dort wurde nicht nur auf meine Laufbedürfnisse eingegangen, man entdeckte bei der professionellen Laufanalyse mit Videoaufzeichnung auch eine kleine schiefe Schrittstellung am rechten Bein. Demnach entschieden wir uns zusammen für ein gepolstertes Schuhwerk, welche den Schuh trotz schräger Schritthaltung gerade abrollen lässt. Schon nach den ersten Runden war dies als würde ich am Himmel laufen. 

Das Training gestaltet sich in seinem Aufbau sehr abwechslungsreich und zielführend. Mit dem Laufe der Wochen und Monate steigerte sich dementsprechend die Intensität. Am einprägsamsten bleiben mir die Intervall-Läufe, bei denen ich meinen Puls so weit nach oben brachte, wie ich nur konnte. Ich hätte es nie für möglich gehalten, das ich einmal 30 Minuten lang im hohen Pulsbereich ausharren könnte. Doch ich habe es geschafft. Es war verdammt hart, aber ich hab es durchgezogen. Sehr zum Leidwesen meiner Familie und Freunde, die stets glaubten, ich würde mir hier noch den Tod holen. Aber nein. Ich stand permanent mit meinem Trainer in Kontakt und er hätte nie etwas von mir verlangt, was ich nicht imstande gewesen wäre zu leisten. Und umgekehrt konnte ich immer über meinen aktuellen Zustand mit ihm reden und auch mal Trainingseinheiten absagen, wenn es mir aus diversen Gründen nicht so gut ging. 

Im letzten Drittel meiner Vorbereitung ging es dann ab zum Bergtraining. Und auch dieses wurde stets immer weiter gesteigert. Am Ende gelang es mir gar den Gebirgsjägersteig am Sonnwendstein zu erlaufen. Und als ich zu guter Letzt von Puchberg über das Hengsttal auf das Klosterwappen des Schneebergs gelaufen war, wusste ich, ich bin bereit. Es gab auch mal Rückschläge, aber letztendlich hat die Arbeit Früchte getragen. Ich war bereit! Ich wusste es! Und ich wollte nur noch loslegen und es beweisen.

 



Anreise, letzte Vorbereitungen und viele Freunde...

Wie schon im Vorjahr unterstützten mich meine Eltern. Traditionell quartierten wir uns im Gasthof Haidbach in Mittersill auf der Salzburger Seite des Nationalparks Hohe Tauern ein. Dort wo wir auch schon vor vielen Jahren unseren Bergurlaub verbracht haben und wo auch einst mein Vater einquartiert war, bevor er mit dem Rad den Großglockner Radmarathon fuhr. Auch der obligatorische Spaziergang zum Hintersee durfte da nicht fehlen. Dann wurde noch einmal fleißig Kohlehydrate geschaufelt und ab ins Bett.

Am nächsten Tag folgt ein gutes Frühstück und schon fahren wir über die Großglockner Hochalpenstraße über den Pass hinüber zum Startort des Großglockner Berglaufs, nämlich Heiligenblut. Dort ist der Andrang natürlich schon sehr groß. Das Wetter war sehr unbeständig, im Grunde aber etwas zugezogen. Die Temperaturen wechselten zwischen Frisch und etwas wärmer. Ich hole mir meine Startnummer und bereite mich auf das Event vor. Inzwischen sind auch Berndt und seine Frau Chris erschienen. Auch Berndt will es wieder wissen und ist dementsprechend aufgeregt. Unmittelbar vor dem Startbereich treffen wir auch noch auf Roman, Martina, Michaela und dem Steira´Bua Michi Hotter. Berndt startet im zweiten Startblock und ist bereits ab 9:40 am Weg. Ich starte im vierten Startblock und habe noch bis um 10 Uhr Zeit. Im Gegensatz zum Vorjahr bin ich nicht aufgeregt, denn ich weiß was mich erwartet. Allerdings bin ich mit einem Auge beim Wetter. Regen und Wind wären auf diesen Höhen sicher nicht erstrebenswert.

Nun wird es ernst. Ich begebe mich in Begleitung meiner Freunde, die zu diesem Zeitpunkt noch da sind, in das Startareal. Es folgt eine ziemlich witzige und motivierende Anmoderation. Die Starter werden in Stimmung gebracht. Ich verabschiede mich von meinen Eltern und gehe wenige Sekunden vor dem Start noch mal in mich. "Für diesen Moment habe ich 8 Monate lang trainiert. Jetzt bin ich hier. Jetzt ist Show Time" denke ich mir, und klopfe mich am Ende noch einige Male an die Schultern. Der Start ist erfolgt und es geht los...

 

Nach der Startnummernausgabe

Hand in Hand mit weiteren Freunden geht es in den Startbereich

Meet & Greet mit Freunden des Laufsports

Kurz vor dem Start. Gleich ist es soweit!



Super Start in den Berglauf, dann Regenschauer

Die ersten Meter sind gelaufen und ich fühle mich prima. Die Kombination aus Skinfit Weste und langem Dryshirt macht sich sehr gut, denn mir ist weder warm noch kalt. Der erste Kilometer ist noch relativ eben, danach geht es bereits über die Asphaltstraße bergauf in Richtung Marx. Zunächst erblicke ich noch den Steirerbua´und Michaela neben mir. Doch das Duo trennt sich dann. Michael fällt zurück und Michaela macht ihr Tempo weiter. Weiter geht es hinauf zur Winkl-Alm. Bislang kann ich ein schönes gemütliches Lauftempo aufrecht halten. Auch aufwärts macht es mir nichts das Tempo zu halten.

Die Asphaltstraße führt uns direkt zur Kräuterwandhütte. Hier endet der Asphalt beim Parkplatz und es folgt der erste brutale Aufstieg zur Sattelalm. Diese erfolgt über einen steilen Karrenweg durch den Wald. Hier mache ich zunächst mit kurzen Laufschritten weiter. Von der Kondition her ist das kein Problem. Nach einer Weile wechsle ich aber dann den Stil und mache mit großen Steigschritten weiter. Dabei lege ich meine Handfläche auf die Oberschenkel und konzentriere mich darauf, immer weiter in Bewegung zu bleiben. Im Vorjahr hatte mich dieser Abschnitt schon einige Minuten gekostet. Diesmal bleibe ich in Bewegung und bin steigend fast genauso schnell wie mit kurzen Laufschritten. Ich bewege mich doch in einem sehr dichten Feld. Das gibt mir das Gefühl nicht irgendwo hinten im Teilnehmerfeld meines Blocks zu sein. Hier lasse ich schon einige schnaufende Trailrunner hinter mir, die sich am Berg schwerer tun als in der Ebene. Aber man merkt auch, wer hier zum ersten Mal teilnimmt. Auch für mich war das im Vorjahr ein kleiner Schock gewesen.

Und noch während des Anstiegs treffe ich auf Berndt. Er wirkt im ersten Moment auch sehr überrascht vom Anstieg und bewegt sich nur in kleinen Schritten weiter. Für ein kurzes "Hallo" ist noch Zeit, aber ich bin so in meinem Tunnelmodus gefangen, dass ich an ihm vorbeiziehe. Berndt rief mir noch Mut zu und blieb auf seinem eigenen Kurs nach Oben. Letztendlich bewältige ich den Aufstieg relativ verschleißfrei und bin auch begeistert, das mir dieser Abschnitt diesmal gar nicht so lange vorkam. Doch als ich nun den steilen Karrenweg in die Sattelalm verlasse, wird meine Miene für eine Weile finster. Stärkerer Nordwind setzt ein und bringt einen grauslichen Regenschauer mit sich. Gleich fährt der Wind durch all meine Glieder durch gefolgt von den ersten Regentropfen die dann zu einem bösen Niederschlag werden. Ich habe keine andere Wahl und muss zum ersten Mal stehen bleiben, um meinen leichten Regenschutz aus dem Rucksack zu holen und anzulegen. Das kostet mich zwar 1-2 Minuten aber ich muss so lange wie möglich trocken bleiben, um eine Erkältung zu vermeiden. Nun laufe ich weiter und gönne mir schnell zwei Becher Wasser an der Labestelle auf 1646 Meter Seehöhe. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich jetzt schon um einiges Schneller bin als im Vorjahr.

 

Heiligenblut

Die Ruhe vor dem Sturm

Der Start ist erfolgt

Ein übler Regenschauer setzt ein



Das Wetter dreht, nun ist aber Vorsicht geboten

Weiter geht es bis zur Sattelalm Casa durch strömende Wassermassen. Ich habe die Befürchtung das dies nun so bleiben wird bis oben hin zum Ziel. Das wäre ziemlich fatal, denn es kommen noch Stellen, wo so ein Regenguss nicht sehr günstig ist. Doch als ich die Bricciuskapelle erreiche und mich langsam auf den Teil des Leiterfalls (Wasserfall) vorbereite, hat der Wettergott ein Einsehen und verweht den Regenschauer. Meine Regenjacke ist zwar sehr praktisch, aber sie atmet nicht. Ich habe nun doch ziemlich geschwitzt unterhalb. Ihn jetzt schon auszuziehen wäre noch zu früh, kurz unmittelbar nach dem Schauer.

Und so laufe ich zum Fuße des Leiterfalls worauf das wahrscheinlich anspruchsvollste Stück folgt. Ein schmaler, teils steinerner, Pfad führt nun hinauf zur Trogalm. Er ist stellenweise mit einem Seil gesichert. Überholen ist hier nicht erlaubt. Man muss sich hier wirklich konzentrieren. Laufen kann ich hier kaum. Es wäre mir auch zu steil um hier sinnlos Energie zu verschwenden. Ich setze lieber Schritt für Schritt vorwärts. Der Regen ist zwar vorbei. Er hat aber das Gestein und Wurzelwerk des steilen Pfads feucht und klitschig gemacht. Da zählt wirklich jeder Schritt. Ich mache es ähnlich wie vor der Sattelalm und wechsle in den Steigemodus. Dort wo ich das Seil brauche, dort ziehe ich mich schnell nach oben. Das ist natürlich sehr anstrengend, aber ich bleibe nicht stehen. Ich bin weiterhin in Bewegung. 

Schließlich ist anspruchsvolle Stück geschafft und ich erreiche die nächste Labestelle auf der Trogalm auf 1874m Seehöhe. Mittlerweile hat es doch etwas aufgerissen und es ist merklich wärmer geworden. Ich nutze die Gunst der Labestelle und streife meinen Regenschutz ab und verstaue ihn im Rucksack. Das Dryshirt leistet aber super Arbeit. Mir ist nicht kalt durch den Schweiß in Kombination mit den Temperaturen. Ich fühle mich sogar sehr wohl und möchte nun unbedingt weiter, denn es folgt ein relativ einfaches Stück entlang der Nordostseite des Leiterkopf Berges. Hier muss ich jetzt Tempo machen. Das ist einer der Stellen wo es auch einige Male angenehm bergab geht. Ich laufe ein recht hohes Tempo und finde einen richtig angenehmen Rhythmus.

Um so näher ich aber dem Margaritzen Stausee komme, desto mehr Höhenmeter werden wieder zurückgelegt. Ich wechsle wieder kurz in den Steigemodus. Hier folgt der erste großartige Blick über den Stausee, dem künftigen Ziel der Franz Josefs Höhe und dem Großglockner. Es ist eindrucksvoll. Aber diesmal hab ich keine Zeit zum Umschauen. Ich kenne das schon. Heute bin ich wegen etwas anderem hier. Nun erreiche ich die Labestation am Stausee auf 2005 Meter Seehöhe. Wieder gönne ich mir zwei Becher Wasser und trinke auch von meiner Ration, die ich am Rucksack trage. Bislang habe ich 3 Kohlehydratgels verbraucht. Ich bedanke mich bei der Bergrettung für ihren Einsatz und laufe weiter...

 

Es geht in Richtung...

Der Stausee von der Glockner Hochalpenstraße aus

...Margaritzen Stausee

Laufpassage vor der Labestation am Stausee



Felsen, Wasser und klein Gletscher mehr

Der Elisabethfelsen auf über 2100 Meter Seehöhe steht mir noch bevor. Im Vorjahr hätte ich es nicht für möglich gehalten, das uns dieser Berglauf auch da hinauf führen wird. Doch diesmal nehme ich es so hin und freue mich sogar schon den schmalen Pfad nach oben noch mal bewältigen zu dürfen. Erneut erwarten mich Steinstufen und Felsblöcke. Und auch wie im Vorjahr muss ich, ein bis zweimal mit den Armen zupacken um nicht nach oben ziehen zu können. Aber ich merke schon. Diesmal macht mir der Anstieg deutlich weniger aus. Wie schon bei den Aufstiegen davor, steige ich brav vor mich hin und bleibe dabei nicht stehen.

Am höchsten Punkt des Elisabethfelsens orientiert man sich nur noch durch Holzpflöcke die aus dem Steinboden ragen. Doch das ist kein Problem. Die aufmerksamen Streckenposten der Bergrettung sorgen dafür, dass wir alle den richtigen Pfad nehmen. Nun begegne ich Agnes, einer weiteren Läuferin, die sich ihren Weg nach oben bahnt. Zunächst hilft sie mir, meine Trinkflasche wieder im Rucksack zu verstauen, danach wird sie für mich zur Pacemakerin. Sie hat ein angenehmes Tempo, dem ich mich super folgen kann. Zunächst folge ich ihr die Steinplatten hinab zur Hängebrücke des Sandersees. Auch in diesem Jahr stößt das Wasser mit unglaublichem Druck und dementsprechenden Lärm in die Tiefe. "Vorsicht, die Brücke federt", ruft ein weiterer Streckenposten, aber Agnes und ich laufen freudestrahlend über die Brücke. Dabei wackelt diese ordentlich, doch es kann nichts passieren. 

Inzwischen ist auch schon der Lärm und die Anfeuerung der Leute auf der Franz Josefs Höhe zu hören. Ich laufe nun weiterhin Agnes hinterher und gemeinsam erreichen wir die nächste steinerne Platte am Nordwestufer des Sandersees. Erneut wird es schmal und kantig und erneut kommen die Arme zum Einsatz. Am Dach der Steinplatte angekommen bietet sich mir erneut ein unglaubliches Bild. Wieder blicke ich in das steinerne Tal der Pasterze. Und erneut ist es nur schwer zu verstehen, wo all das Gletschereis hin ist. Die Pasterze gleicht nun einem Meer aus Sand und Gestein oder mehr wie eine Wüste am Hochplateau. Im Vorjahr hatte mich dieser Anblick tatsächlich aus der Bahn geworfen. Es war der Punkt, wo mir die Kälte zu schaffen machte. Diesmal nicht. Diesmal nehme ich diesen Eindruck zur Kenntnis und konzentriere mich weiter auf mein Tempo. Hier treffe ich auch wieder auf Martina. Sie überholt mich und steuert auch die letzte Labestation beim Großglockner Berglauf an.

 

Auf dem Weg zur Pasterze

Der Sandersee von oben

Der Weg um den Sandersee zur Steinplatte

Vom Stausee zur Pasterze

Die Teilnehmer laufen in Richtung letzte Labestelle



Herzschlagfinale, Glücksgefühle und der eiserne Blick auf den Boden

Die letzte Labestelle ist erreicht. Das ist jener Punkt, der wohl vielen - vor allem Debütanten - noch einmal das Blut in den Andern gefrieren lässt. Denn es wartet der letzte Kilometer. Das klingt jetzt eigentlich nach nicht viel. Allerdings steht man vor einer steinernen Wand und das Ziel scheint einem buchstäblich über den Kopf zu wachsen. Ja, ich bleibe bei meiner Aussage. Das ist in etwa so, als hätte man gerade die Streif in Kitzbühel beim Vertical Up erlaufen und stünde nun vor der Skiflug Schanze am Kulm beim Red Bull 400. Ich kippe mir noch zwei Becher Wasser hinein und gönne mir ein letztes Kohlehydrategel. Jetzt wage ich einen Blick auf die Uhr. Und was ich da sehe, gibt mir schon jetzt ein bewegtes Gefühl. Gegenüber meiner Vorjahreszeit habe ich jetzt noch exakt 30 Minuten Zeit das Ziel zu erreichen. Auf mich wartet nun ein mächtiger Anstieg. Doch ich weiß jetzt eines schon fix. Es wird eine neue Bestzeit. Ich darf nur noch wählen um wie viel ich mich verbessern werde. Und ich will natürlich das Optimum.

Ich weiß noch wie sehr ich hier im Vorjahr gelitten hatte. Man überschreitet hier doch die 2200 und 2300 Meter Marke. Die Zuschauer im Ziel feuern einem ununterbrochen an. Ich schließe nun eine Vereinbarung mit mir. Ich begebe mich ein letztes Mal in die Steigehaltung, denn Laufen ist hier ohnehin schon sehr schwer möglich, und blicke nur noch auf den Boden bzw. zu den Stahlseilen als Behelf zum Aufstieg. Ich schaue nur auf meine Füße und die Steinstufen. Und egal wie viele es werden sollten, ich würde erst wieder nach Oben blicken, wenn ich kurz vor dem Ziel stehen würde. Und hier kann ich erfreulicherweise sogar noch Restenergien schöpfen und überhole noch so einige Teilnehmer. Das ist mitunter aber gar nicht so ungefährlich, denn der Pfad entlang der steinernen Stiegen ist doch sehr schmal. Für Läufer kann es hier sicherlich auch deprimierend sein, wenn man in einem dichten Teilnehmerfeld hier oben ankommt, da man sich doch mehr im Gänsemarsch bewegt.

Ich stapfe und stapfe, steige und steige und die Anfeuerungsrufe aus dem Zielraum werden immer lauter. Und da treffe ich noch einmal auf Martina, welche ich auf die letzten Meter noch überhole. Und schon stehe ich vor den Mauern der Kaiser Franz Josefs Höhe, wo ich im Vorjahr noch ein Interview gegeben hatte. Diesmal nicht. Ich laufe weiter zu den Holzstufen, welche auf die Autostraße führen. Noch beim Hochgehen der Stufen habe ich einen knappen Dialog mit einem weiteren Läufer. Wir pushen uns ein letztes Mal und setzen wahrlich zu einem Zielsprint an, den ich auch bis über die Ziellinie aufrecht halten kann. Und so erreiche ich nach 2 Stunden 52 Minuten und 22 Sekunden das Ziel und gehe erst einmal überglücklich zu Boden.

 

Vom Gletscher ist nicht mehr viel übrig

Ein letzter Sprint ins Ziel und es ist geschafft

Noch eine letzte Kohlehydrateinjektion

Netter Empfang im Ziel



Emotionen im Ziel und eine Bestätigung des Trainings

Ich erhebe mich vom Boden und stoppe meine Uhr. Diese Zeit ist der Hammer! Ich bin satte 23 Minuten schneller als im Vorjahr gewesen. Das ist für meine Verhältnisse der pure Wahnsinn. Egal wer schneller war. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich mich weiter entwickeln kann. Und mein Puls ist auch sehr schnell wieder im Normalbereich so das ich diesen Zieleinlauf so richtig genießen kann. Ich bekomme meine Finisherdecke und Finishermedailie überreicht und marschiere durch das erste Versorgungsareal. Draußen angekommen warten meine Eltern und es wird emotional. Ich kann das noch gar nicht so recht glauben. Im Vorjahr war ich eine Viertelstunde nicht ansprechbar. Jetzt könnte ich die ganze Welt umarmen und Freudentänze aufführen. 

Aber sehr viel Zeit bleibt dann leider nicht mehr, da wir schon unmittelbar danach die Heimreise antreten müssen. Zunächst treffe ich noch einige Freunde bei der Aussichtsplattform der Franz Josefs Warte, dann ziehe ich mich aber doch zurück, um mich umzuziehen. Eine Daunenjacke im Sommer zu tragen, das gibt es wohl auch nur in den Bergen. Danach begebe ich mich zur Essensausgabe im Parkdeck. Doch es gibt nur noch Kuchen und Tee anstatt Suppe und Pasta. Das ist sehr schade, denn da bin ich schneller als im Vorjahr, und es gibt nichts warmes mehr zu Essen im Gegensatz zu damals. Und so geht es auch anderen erschöpften Teilnehmern. Das, finde ich, ist nicht besonders gut organisiert gewesen. Das soll jetzt aber das gesamte Event nicht schlecht machen. In Summe war es wieder einmal traumhaft organisiert. Die Bergrettung war an allen kritischen Winkeln anzutreffen. 

Letztendlich begebe ich mich noch einmal zum Zielareal. Es fehlt nur noch Berndt, der sich aber tapfer und mutig seinen Weg nach oben erkämpft. Doch im Gegensatz zu seinem Zielempfang im Vorjahr werde ich seinen Zieleinlauf leider nicht erleben. Wir müssen uns leider von Christine, die auf ihren Berndt wartet, verabschieden und uns auf dem Weg nachhause machen. Ich kann aber soviel verraten, das es Berndt ins Ziel geschafft hat und er mit Stolz seine Medaille mit nachhause tragen durfte. Das freut mich für ihn ganz speziell, da er im Vorjahr noch entmutigt den Lauf abbrechen musste. Und jetzt hat auch er den Weg ins Ziel gefunden. Super Berndt!

Und so machen wir uns auf den Weg zu unserer 6 stündigen Heimreise. Es war ein unvergesslicher Moment gewesen, der wieder einmal gezeigt hat, das man sich immer verbessern kann. Man sieht auch was Training und Glaube bewirken kann. Ein großes Stück der Medaille geht sicher auch an meinen Trainer Gerhard, der mich in 8 Monaten zu einem soliden Bergläufer gemacht hat, der aber immer noch Luft nach oben hat. Denn im Gegensatz zum Vorjahr steht jetzt schon fest, dass ich auch 2019 am Start stehen werde. Gleich am nächsten Tag, als die Anmeldung öffnete, hatte ich mich angemeldet.

Und ich freue mich jetzt schon wieder viele Freunde zu treffen, unser Gasthaus in Haidbach zu beehren, und erneut den Nationalpark Hohe Tauern zu erlaufen. Belive in your dreams and keep movin´

 

Erneut wird es emotional im Ziel

Ich mit meiner Finisherdecke

Noch kann ich nicht realisieren was da passiert ist

Das ist der Sieger: Geoffrey Gikuni aus Kenia mit 1 Std. und 12 Min.

Der Großglockner - Österreichs höchster Berg mit 3798 Meter

Ich mit dem Steirabua´ Michi Hotter

Na ja, ein bisschen KO bin ich schon :-)

Die Kaiser Franz Josefs Höhe ist bezwungen

Team Ich, am Weg hat es geschafft

Großer Andrang auf der Kaiser Franz Josefs Höhe

Das Zielareal des Berglaufs

Meine Finisher Medailie


Infobox:

Bericht vom Großglockner Berglauf 2017

Großglockner Berglauf

Sportograf.com

Fit mit Rix (Gerharad Eder)

Die Fotos vom Bewerb stammen von sportograf.com und Josef Ofner


Die Strecke als Karte

 

 

WW07 - Retz - Mailberg
WW07 - Kittsee - Nickelsdorf

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