Wandern - Weitwandern - Bergwandern - Outdoor Sport

ich, am Weg

30
Ju
Großglockner Berglauf 2019
30.07.2019 19:16

DER HOBBYLÄUFER IN DER BERGLAUF CHAMPIONS LEAGUE

... BEHAUPTET SICH IMMER MEHR !!!

 

Nachdem festgestanden war, dass ich auch ein zweites Mal beim Grossglockner Berglauf antreten würde, war auch bereits mein dritter Auftritt beschlossene Sache. Es sollte eine Art Trilogie mit Aussicht auf weitere Einsätze sein. Immer mit dem Ziel vor Augen, sich noch weiterzuentwickeln. 

Wer hätte ahnen können, das ich mich in einem Jahr wahrlich weiterentwickeln würde. Und damit meine ich nicht zwingend die sportliche Leistung. Vom Spätsommer 2018 bis ins Frühjahr 2019 hatte ich ein ziemliches mentales Tief zu verarbeiten. Dies wussten aber lediglich meine Familie und meine engsten Freunde. In dieser Zeit verlor ich auch rasant an Gewicht. 8 Kilo waren es gar. Und das war gewiss nicht nur dem Training geschuldet. 

Als es mir jedoch wieder besser ging, nutzte ich die Gunst der Stunde und baute auf diesen Umstand auf.

Video:


Vorbereitung erneut mit Gerhard Eder von Fit mit Rix:

Never change a winning Team - 
Auch im Jahr 2019 hielt ich mich ziemlich genau an die Pläne von Gerhard Eder von Fit mit Rix. Gemeinsam arbeiteten wir seit Herbst 2018 an meiner neuen Form für das Jahr 2019. Es standen doch einige Projekte an. Doch der Sport half mir auch in dieser Phase meines Lebens und kam daher auch nicht zu kurz. Somit gab es kaum etwas zu berücksichtigen. Dass ich in dieser Zeit auch eine Menge Gewicht verloren hatte, spielte mir in diesem Fall sogar sehr positiv in die Hände. 

Einem Gespräch über meine sportliche Zukunft folgte schließlich ein Laktat Test, auf dessen Ergebnis sich meine Trainingsintensität bezog. Und somit konnte ich ab Anfang Oktober so richtig loslegen mit dem Training. Mit 4-5 Einheiten pro Woche (Laufen/Fitness) steigerte ich schließlich meine Kraft und Ausdauer. Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten. Zunächst lief ich zum ersten Mal in meinem Leben die 10 Kilometer unter 60 Minuten und das recht klar. Im Anschluss kam ich bei 14 Kilometer auf 1 Stunde und 16 Minuten. Davor hatte ich auch beim Vertical Up in Kitzbühl eine grandiose neue Bestzeit aufgestellt. Die Krönung war aber mein tolles Abschneiden beim Halbmarathon in Bratislava mit 1 Stunde und 56 Minuten. 

Dann schwenkte mein Training jedoch gleich auf Bergeinheiten um. Das Ziel war klar. Bei meinem dritten Antreten beim Großglockner Berglauf sollte ebenso eine neue persönliche Spitzenzeit her. Und ich war fest davon überzeugt, dass dies auch passieren würde. Die Frage war nur, um wie viel ich meinen aktuellen Wert von 2 Stunden und 52 Minuten auf 13 Kilometer und mehr als 1.300 Höhenmeter unterbieten werden können. 

Hier ein kleines Sammelbild von einigen Trainingseinheiten über den Winter:


Anreise, letzte Vorbereitungen und ein starkes Team an der Seite

Traditionell quartieren wir uns bei unserer lieben Elke im Gasthof Haidbach in Mittersill ein. Dort war ich mit meiner Familie schon in meiner Kindheit öfter einmal zu Besuch. Doch neben meinen Eltern ist diesmal auch meine bessere Hälfte Stefanie als moralische Unterstützung mit an Board. Mit so einem klasse Team im Rücken kann doch gar nichts mehr schiefgehen.

Wir reisen bereits am Samstag an und besuch
en, nach erfolgter Einquartierung, wie auch in den letzten Jahren, den Hintersee im Felbertal. Erneut ist das ein grandioses Erlebnis. Nach einem netten Spaziergang bricht dann doch ein Regenschauer über uns nieder. Also fahren wir direkt in den Ort Mittersill, um dort ins Nationalparkzentrum zu schlendern. Wie schon in den letzten Jahren ist auch der diesjährige Besuch wieder ein tolles Erlebnis. Hier lernt man die Gesichte der Hohe Tauern, deren Kultur, Bewohner und Pflanzen kennen. So eine Einrichtung gehört normalerweise in die Stadt.

Dann ist jedoch Ruhe angesagt. Nach einem kohlehydratreichem Abendessen geht es dann ab ins Bett, um die Batterien für den anstehenden Tag aufzuladen. 
Nach einem für mich effizienten Frühstück fahren wir schließlich zusammen über die Hochalpenstraße hinter nach Heiligenblut und somit in auf die Kärntner Seite des National Parks. Auf dem Weg und an der Hochalpenstraße werden wir vom Nebel nur so eingehüllt. Doch noch vor der Ankunft in Heiligenblut änderte sich dies schlagartig. Dort erwartet uns Sonnenschein und relativ warme Temperaturen.

Im Event Gelände hole ich mir noch meine Startnummer und beginne dann mit dem Aufwärmprogramm. Als ich mich dann in meinen Startblock begebe, treffe ich tatsächlich noch auf meinen Trainer Gerhard. Im Startgelände motivierten wir uns noch gegenseitig und sind bereits das Projekt Grossglockner Berglauf in Angriff zu nehmen.

 


Ein geplanter Sturmlauf zu Beginn des Trails

Das Startsignal ertönt und ich setze mich sogleich in Bewegung. Am Straßenrand erblicke ich meine Eltern und danach auch noch kurz Steffi. Dann bin ich voll und ganz auf den Lauf fokussiert und versuche sogleich meine eigene Taktik umzusetzen, indem ich auf den ersten zwei Kilometern gleich einmal aufs Gas steige. Hier habe ich noch Asphalt unter den Füßen und noch relativ wenig Steigungen. Hier möchte ich mir gleich einen Vorsprung zum Vorjahr erlaufen.

Fast geht mir das ein wenig zu Schnell. Meine Laufuhr zeigt mir gleich einmal eine Pace von 4 Min pro Kilometer an. Für meine kurzen Beine ist das schon eher ein Sprint. Und nach einem Kilometer läuft dann Coach Gerhard an mir vorbei. "So haben wir nicht gewettet." sagt er und setzt gleich zu seinem flotten Tempo an. Doch vielleicht wollte er mir damit auch nur sagen, dass ich bislang viel zu Schnell begonnen habe und ich mich etwas zurückhalten soll. 

Bis zur Kräuterwand läuft es einmal prima und ich bin nach der ersten kleinen Steigung fast genauso schnell wie bei einer sehr guten Trainingseinheit. Dann verlassen wir jedoch die Asphaltstraße und steigen den Karrenweg hinauf zur Sattelalm. Hier wird wohl jeder Teilnehmer das erste Mal auf den Boden der Realität zurückgeholt. Dieser Aufstieg bedarf bereits viel Kraft aus den Schenkeln. Wie schon im Vorjahr kann ich hier nicht wirklich Laufen. Ich schalte in den Fastwalk Modus und unterstütze meine Beide mit den Händen an den Knien. In diesem Jahr kommt es mir doch so vor, als würde mich dieser Abschnitt schon mehr fordern als im letzten Jahr. War ich vielleicht doch zu schnell am Beginn? Man darf aber auch nicht vergessen, dass ich hier bereits einen passablen Vorsprung zum Vorjahr haben musste und ich generell schneller unterwegs war.

 



Das Wetter hält, aber bei den Massen gibt es kein Überholen

Bei der Sattelalm angekommen folgt ein schönes Stück zum Erholen. Hier geht es eine Zeit lang eher gerade weiter mit nur ganz wenig Steigungen. Ich kann hier wieder in den Laufmodus starten und versuche wieder etwas mehr Geschwindigkeit zu machen. Die Beine wirken aber doch etwas geschafft nach dem ersten Anstieg. Doch das lasse ich so nicht gelten und mache weiter im Programm. Bei der Sattelalm Casa gibt es dann die ersten Labestelle. Ich halte mich aber nicht lange auf. Schnell ein ISO Getränk rein geschüttet und weiter gehts.

Es folgt der Lauf vorbei an der Bricciuskapelle. Hier heißt es noch einmal richtig Schwung holen, denn der nächste Abschnitt gehört für mich zu einem der Härtesten bei diesem Lauf. Und zwar der Aufstieg am Arnoweg neben dem Leiterfall. Dieser hohe Wasserfalls ist sehr beeindruckend, doch ich habe keine Zeit zu verlieren. Gleich direkt neben dem Gefälle erstreckt sich ein steiler Weg durch Felsgestein nach oben. Dort ist auch ein Seil gespannt zur Unterstützung. Ich komme mit recht vielen anderen Läufern dort an. Der Steig selbst ist kaum einen Meter breit. Hier darf man auch nicht überholen.

Doch nach einigen Metern wird der Felsweg zum Wald und Wurzelsteig. Hier darf man zwar wieder Überholen, doch es geht nicht. Vor mir marschieren zehn Teilnehmer. Hinter mir schließen schon die Nächsten auf. Ich komme nur im Marschtempo weiter vorwärts. An einigen Stellen begrüße ich das. An manchen wiederum ärgert es mich, da ich hier gefühlt etwas an Zeit liegen lassen muss und gar nichts dafür kann. Diese Läuferkette zieht sich bis hinauf zur Trogalm, wo die nächste Labestelle wartet. Meine Oberschenkel wollen heute nicht so recht wie ich will und die Muskulatur rebelliert hin und wieder, bzw. macht zu, wie man im Sport so schön sagt. Wieder gibt es ein kurze Trinkpause. Ich hoffe, dass der nächste Abschnitt mir nun die nötige Entspannung bringt für das große Finale. 

 



Man motiviert sich gegenseitig

Der Abschnitt von der Trogalm bis zum Stausee kann man in so einer Situation wahrlich als Entspannung ansehen, denn es folgt ein sanftes auf und ab entlang des Weges. Erst kurz bevor man den See erreicht, gibt es wieder eine Steigung. Hier laufe ich so zu sagen im Windschatten einer anderen Läuferin. Sie hat ein recht gutes Tempo an dem ich mich super orientieren kann. Und so laufen wir gemeinsam weiter. Allmählich habe ich aber schon mit meiner Kraft zu kämpfen, weshalb ich schon einmal ächzende Geräusche von mir gebe. Die Läuferin vor mir fragt mich, ob ich diesen Trail schon einmal gemacht habe. Ich antworte, dass es mein drittes Antreten ist und sie sich keine Sorgen machen müsse, dass ich jeden Moment umfallen würde. 

Beim Stausee gibt es dann die dritte Labestation. Nach einer kurzen Stärkung folgt nun der Anstieg auf den Elisabethfelsen. Dieser kommt mir zum ersten Mal nicht so brutal vor wie in den beiden Jahren zuvor. Aber erneut stecke ich in Mitten einer großen Läuferansammlung fest und kann nicht ganz mein Tempo machen, wie ich es gerne hätte. Erst als der Felsen erklommen ist und es Abwärts zur Brücke über die Möll geht, kann ich etwas von der verlorenen Zeit wieder weg machen. Ich springe über Fels und Stein. Manchmal zaubert es mich dabei, doch ich will unbedingt aufholen. 

Nördlich geht es nun im Halbkreis um das über die Jahre geschmolzene und gesammelte Schmelzwasser der Pasterze herum. Es folgt die mir bereits bekannte kurze Kletterpartie um einen weiteren Felsen, ehe ein letztes kurzes ebenes Stück bis zur letzten Labestelle und dem letzten Kilometer folgt. Von hier aus hätte man bereits einen tollen Blick auf die Franz Josefs Höhe, doch ich erspare mir diesen. Der letzte Kilometer über die Steinstufen ist mir zu brutal, um mich vorab entmutigen zu lassen.

 


Das Finale mit gezwungener Handbremse

Ein Blick auf meine Laufuhr verrät mir, dass ich es schaffen könnte unter 2,5 Stunden zu laufen. Dafür hätte ich noch 14 Minuten Zeit für den letzten Kilometer. Ich verdrücke ein Kohlehydratgel und motiviere mich noch einmal richtig. Denn ich weiß, im Vorjahr hatte ich keine 15 Minuten von der Labe bis ins Ziel gebraucht. Mit einer Topleistung könnte ich es also schaffen. Und ich will das unbedingt. Ich lege mich ins Zeug und hole alles aus mir heraus. Ich steige fast schon springend über die ersten Stufen. Es ist wirklich sehr zäh. Die Waden brennen schon. Der Körper ist ziemlich am Limit.

Doch dann die Ernüchterung. Erneut finde ich mich in einer Reihe von zahlreichen Teilnehmern wieder. Doch Überholen ist im Mittelteil der Steinstufen nicht möglich, ja sogar gefährlich. Man läuft/marschiert hier schon auch an Abgründe vorbei. Es ist etwas frustrieren für mich und obwohl es so keiner wahrnehmen kann, gestikuliere ich mit meinen Armen, dass ich gerne schneller vorankommen würde, aber nicht kann. Die Menschenkette bewegt sich weiter im Gänsemarsch vorwärts. An manchen Stellen gelingt es mir doch den Einen oder anderen Läufer zu überholen, aber keine zwei Meter später stehe ich schon wieder an.

Doch eines ist mir bereits gewiss. Ich werde erneut eine tolle neue persönliche Bestzeit aufstellen. Die Stimmung kurz vor dem Ziel ist grandios. Hunderte Menschen stehen oder sitzen entlang des Weges und feuern uns an. Da ich noch nie so früh hier oben war, sind diesmal noch viel mehr hier, als in den letzten Jahren. Am Ende dieser sportlichen Reise folgen dann noch die Holztreppen hinauf zur betonierten Zielgerade bei der Franz Josefs Höhe. Wie schon im Vorjahr nehme ich die Beine in die Hand und setze zu einem Zielsprint an. Sichtlich angeschlagen und müde komme ich nach

2 Stunden 38 Minuten und 8 Sekunden

im Ziel an. Es ist ein tolles Gefühl, doch ich bin doch müder und kaputter als ich es mir erdacht hätte. Schade das es mit meinem geplanten Sturm auf den letzten Kilometer nichts geworden ist, aber mit dieser Zeit bin ich natürlich sehr zufrieden. Ich war 14 Minuten schneller als im Vorjahr. Wow! 


WERTVOLLER ALS JEDE MEDAILLE...

Im Ziel angekommen sehe ich zunächst Coach Gerhard vor mir stehen. Er gratuliert mir und erzählt in kurzen Sätzen, wie es ihn ergangen ist. Dann erkenne ich aber bereits das liebe vertraute Gesicht von Steffi neben ihm auftauchen. Es dauert auch nicht lange bis meine Eltern sich ihr anschließen. Ich bin aber noch viel zu erschöpft, um zu registrieren was sie sagen. Ich deute an, dass ich nun das Zielgelände verlassen und zu ihnen kommen würde.

Als ich das Event Gelände verlasse, fällt mir Steffi mit einem Getränk um die Arme. Jetzt fällt auch die erste Anspannung von mir ab. Sie führt mich zum Vorplatz der Franz Josefs Höhe und ich setze mich auf einen Stein. Sie bleibt die ganze Zeit bei mir und redet mir gut zu. 
Meine Eltern gesellen sich nun dazu. Auch sie haben etwas zu Trinken für mich mitgebracht. Und so habe ich im Kreis meiner Liebsten einmal die Gelegenheit von diesem Trip runterkommen. 

Im Anschluss gibt es eine Stärkung bei der Essensausgabe des Veranstalters. Diesmal bin ich früh genug am Ziel und darf mich auch noch über eine warme Suppe freuen. Nach einem kurzen Besuch im Glockner-Shop der Franz Josefs Höhe machen wir uns alle langsam auf dem Weg die Örtlichkeit zu verlassen. Am Parkdeck bekomme ich noch eine Flasche Zirbenschnaps von meinen Eltern überreicht. *juhu*

Erst jetzt realisiere ich, dass ich eine weitere große Grossglockner Berglauf Medaille überreicht bekommen habe. Ich hatte das vorher gar nicht so realisiert. Ich habe mich so über den Support von Steffi und meiner Eltern gefreut, dass ich nicht wirklich darauf geachtet habe. Auch,  wenn dann natürlich das Eine oder andere Posing-Foto folgte. *gg*

Aber wahrlich...

Die Unterstützung meiner Liebsten ist tausendmal mehr Wert als jede Medaille!

 


Infobox:

Bericht vom Großglockner Berglauf 2017

Bericht vom Großglockner Berglauf 2018

Großglockner Berglauf

Sportograf.com

Fit mit Rix (Gerharad Eder)


Die Strecke als Karte:

Jugendleiter Base Camp in Graz

Kommentare


Datenschutzerklärung