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Grossglockner Berglauf 2021
25.07.2021 16:24

DER HOBBYLÄUFER IN DER BERGLAUF CHAMPIONS LEAGUE

... ÜBERSTEHT REGEN, WIND UND KÄLTE !!!

Der Großglockner Berglauf gehört zu den härtesten Bergläufen Europas, zählt aber genauso zu den schönsten Trails. Jedes Jahr, Mitte Juli, verläuft die legendäre Strecke durch alle alpinen Vegetationsstufen. Zunächst durch die typische Kulturlandschaft weiter bis in die hochalpine Gletscherregion.

Dabei werden auf knapp 13 Kilometer und 1300 Höhenmeter zurückgelegt. Nach dem Start in Heiligenblut (Kärnten) laufen die Teilnehmer bis zum Talschluss und schließlich hinauf zur Sattelalm und weiter über die Trogalm bis zur Pasterze, dem längsten Gletscher der Ostalpen. Das Ziel befindet sich auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, von wo aus auch der Großglockner, Österreichs höchster Berg mit 3.798 Metern, wunderbar zu sehen ist. Für mich persönlich war es bereits die 4. Teilnahme bei diesem tollen Lauf Event.


Vorbereitung mit Gerhard Eder von Fit mit Rix und den Pro Runners

Durch die Corona-Krise gab es im Jahr 2020 keinen Berglauf. Es gab zwar die Möglichkeit diesen Berglauf virtuell zu laufen und mit einer App zu tracken, doch das kam für mich persönlich nicht infrage. Natürlich war dies auch den Umständen geschuldet, dass man speziell im Sommer/Herbst 2020 noch wesentlich vorsichtiger im Umgang mit der Pandemie war und es noch keine Möglichkeit gab, sich besser zu schützen. Doch für mich war trotzdem klar, dass, sollte es 2021 wieder die Chance geben an den Start zu gehen, ich definitiv dabei sein wollte. So gesehen hatte ich in Summe dann auch 2 Jahre Vorbereitungszeit.

Natürlich arbeitete ich wieder zusammen mit meinem Trainer Gerhard Eder von Fit mit Rix. Inzwischen war ich nun auch einem Laufverein, der Union Pro Runners, beigetreten, wo Gerhard auch der 2. Obmann ist. Auch die regelmäßigen und teils harten Trainingseinheiten halfen mir extrem in meiner Entwicklung. Und der Austausch mit lieben Gleichgesinnten, die heute meine Freunde und fast schon wie eine weitere Familie für mich sind, hielt meine Motivation aufrecht.

Abgesehen von meinen anderen Sport Ereignissen startete ich ca. 2 Monate vor dem Großglockner Berglauf explizit mit meinem Berglauftraining, wobei ich Mitte Mai ein ganz schlimmes sportliches Tief erfahren musste. Unerklärliche Energie- und Kraftlosigkeit und emotionale Einbrüche sorgten dafür, dass meine Leistung in den Keller sank und ich darauf das Labor meines Vertrauens aufsuchte, um ein Blutbild zu machen. Und das Ergebnis war eine mir bereits bekannte Diagnose. Wie schon Anfang 2017 hatte ich erneut mit Vitamin D3 Mangel zu kämpfen. Ein Vitamin, welches im Körper für den Energiehaushalt und Regeneration sorgt. Mit Vitamintabletten konnte ich dieses Problem nun relativ rasch in den Griff bekommen, musste aber dennoch gefühlt einiges an Trainingspensum aufholen. 1,5 Monate kniff ich die Pobacken zusammen und bereitete mich mit Hügelläufen auf größere Aufgaben vor.

Sonnwendstein / Gebirgsjägersteig / 3,5 km – 740 hm / 57 Minuten

Den ersten Härtetest bestand ich mit meinem Berglauf entlang des steilen Gebirgsjägersteigs auf den Sonnwendstein. Eine Trainingsstrecke, die ich auch in vor meinen letzten Glocknerläufen aufsuchte. Mit 57 Minuten konnte ich auf Anhieb meine eigene persönliche Bestzeit auf diesem Trail aufstellen. Dabei unterbot ich sogar meine Zeit vom Bergkriterium 2013 um 25 Sekunden.

Scheeberg Traillauf / 20 km – 1.300 hm / 3 Stunden 59 Minuten

Meine Generalprobe erlief ich erneut am Schneeberg. Doch, nicht wie zuletzt immer über das Hengstal hinauf, sondern über die Edelweißhütte und dem Schauerstein. Eine Strecke die wesentlich kürzer und daher auch steiler ist als gewöhnlich. Und hier holte ich mir letztlich den letzten Kick, die Topmotivation und Heißhunger auf den Glocknerlauf. Denn von der Talstation in Losenheim über den Schauerstein bis zum Schneeberg Gipfel auf 2.076 Metern schaffte ich die 8 Kilometer und 1.300 Höhenmeter in 2 Stunden und 5 Minuten. In weiterer Folge lief ich über das Hengsttal wieder zurück nach Puchberg am Schneeberg und hatte am Ende 20 Kilometer in den Beinen. Doch von diesem Tag an wusste ich, dass ich meine Bestzeit aus 2019 angreifen konnte.


Anreise und letzte Vorbereitungen

Es ist mittlerweile eine liebgewonnene Tradition geworden, dass ich mit meinen Eltern gemeinsam schon am Vortag nach Mittersill anreise. Der Ort liegt auf der Salzburgseite des Nationalparks Hohe Tauern. Und wie gewohnt übernachten wir hier im Gasthof Haidbach. Dieses war bereits in meiner Jugend ein wohliges Urlaubsziel, woher ich die Gegend auch schon recht gut kenne. Genauso traditionell gehört es schon dazu, dass wir gemeinsam den Hintersee im Felbertal aufsuchen. Dieser Ort kann zurecht auch als das „Kleine Paradies“ angesehen werden.

Am Abend sitze ich mit meinen Eltern zumeist bei Speis und Trank zu Tisch und wir genießen die Zeit inmitten der wunderschönen Landschaft. Für mich ist das immer eine tolle Gelegenheit, um noch einmal kräftig zu schlemmen. Alles ist erlaubt. Der Kohlehydrate-Speicher muss vor so einem gewaltigen Lauf voll sein. Danach geht es aber schon früh zur Ruhe, denn ein gesunder Schlaf gehört genau so zu den letzten Vorbereitungen wie gutes Essen.


Regenschauer, Wind, Kälte, Nebel! Der Lauf vor der Absage?

Früh rappelt der Wecker, so wie jedes Mal. Doch ich bin schon länger munter. Nicht weil ich nervös bin, nach bereits drei Teilnahmen weiß man einfach, wie es ablaufen wird, sondern weil ich auch einfach genug geschlafen habe. Ich nehme mir sogar noch die Zeit, um eine dreißig minütige Meditation mit motivierten Affirmationen zu machen. Und so starte ich wirklich motiviert aus den Federn nur, um kurz darauf die erste Ohrfeige des Tages zu kassieren. Ein Blick aus dem Fenster!

Es regnet. Es ist kalt, nass und sehr trüb und nebelig. Klar, das Wetter hatte sich angekündigt, aber im Vergleich zum sonnigen Vortag, ein kleiner Stimmungsdämpfer. Während des Frühstücks mit meinen Eltern kommen Gedanken auf, ob so ein Berglauf, der an manchen Stellen schon auch gefährlich werden kann, bei diesen Bedingungen überhaupt gestartet wird.
Wir verabschieden im Gasthof und fahren nun mit dem Auto über die bekannte Glockner Hochalpenstraße, wo mit dem Hochtor auf 2.500 Meter der höchste Punkt passiert wird. Doch das Wetter ist auf der Salzburgseite wirklich schlimm. Es schüttet wie aus Eimer und die dicken Regenwolken hängen in den Gebirgsketten fest. Während der Fahrt auf der Hochalpenstraße sieht man vor lauter Nebel gerade einmal 10 Meter weit.

Ich bemühe mich über mein Smartphone Informationen zur aktuellen Lage des Veranstalters zu bekommen. Doch dort gibt es keine Anzeichen davon, dass der Lauf abgesagt werden würde. So ganz kann ich dem aber nicht mehr trauen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, wie man bei so einem Wetter dort laufen kann.

Doch dann überqueren wir auf der Hochalpenstraße die Grenze zu Kärnten und fahren dort über die Alpen hinunter ins Tal nach Heiligenblut. Und auf der Kärntnerseite sieht das Wetter tatsächlich besser aus. Es ist zwar kalt, windig und trüb, aber es regnet nicht. Und tatsächlich ziehen auch die Wolken von Mal zu Mal immer weiter hinauf, sodass auch beinahe der Großglockner selbst zu sehen ist. Hier kommt meine Zuversicht zurück. Als wir Heiligenblut erreichen und ich meine Startnummer im Steinbockhaus abhole, treffe ich auf viele weitere motivierte und glückliche Teilnehmer. Von einer Absage sind wir weit weg. Im Gegenteil, die ersten Startblöcke sind bereits ins Rennen gegangen. So starte ich dann auch meine letzten Vorbereitungen.

Ich absolvierte ein Aufwärmprogramm und aktiviere meinen Körper und bringe diesen auf Betriebstemperatur. Und schon beim Warmlaufen merke ich, dass ich gut in Form bin. Das liegt aber sicher auch am kühlen Wetter. Im Vergleich zu den harten Laufeinheiten bei sommerlichen 30 Grad zuvor, ist das ein wahrer Segen und ich sprühe nur so vor Energie. Schließlich betrete ich die Teilnehmerzone und stelle mich in meinen Startblock. Meine Eltern wünschen mir noch alles Gute und so kann es losgehen. Endlich ist es wieder so weit. Ich darf mich wieder am Großglockner Berglauf messen.


Regen, Wind und Kälte machen den Lauf zur persönlichen Härteschlacht

Der erste Teil des Laufs ist wie immer relativ angenehm, denn er führt noch über eine Asphaltstraße sanft bergauf. Doch schon nach wenigen Metern beginnt es zu nieseln. Und nach dem ersten Kilometer bin ich bereits klatschnass, weil es regnet. Doch nun bin ich schon auf der Strecke und befindet diese derzeit noch erträglich.

Meet & Greet mit Michael

Und dann passiert mir etwas Unerwartetes aber schönes. Während den ersten Kurven bergauf werde ich plötzlich von einem anderen Läufer freundlich angesprochen. Wie ich später herausfinden konnte, handelte sich um den lieben Michael. Er hatte mich aufgrund meiner Blogs und Videos aus den Jahren zuvor erkannt. Von ihm bekam ich ein Lob, eigentlich schöner als jede Medaille. Er sagte, ich wäre aufgrund meiner Blogbeiträge eine Inspiration für all jene, die sich zum ersten Mal an den Großglockner Berglauf heranwagen würden. Dieses herzliche Lob nehme ich gerne mit. Einige hundert Meter weit bleibe ich mit Michael auf Schulterhöhe, doch er ist in allem etwas schneller unterwegs als ich, weshalb ich mich dann von ihm verabschiede und ihn voraus ziehen lasse.

Der Aufstieg zur Sattelalm ist dann die erste große Hürde des Berglaufs, denn er verläuft über einen sehr steilen Karrenweg hinauf. Und hier bekomme, wird das erste Problem schon deutlich erkennbar. Durch die heftigen Regenfälle war der Boden aufgeweicht und die einzelnen Steine klitschig. Das macht den Aufstieg nicht gerade leichter. Ich bemühe mich aber im Rhythmus zu bleiben, auch wenn ich hier aufgrund des Neigungswinkels nicht laufen kann, sondern steigen muss. Doch das ist mir bewusst. Umso wichtiger ist es für mich aber den Schritt zu halten und nicht stehenzubleiben.

Nach dem ersten Anstieg erreicht man die besagte Sattelalm und man hat die Gelegenheit erstmals Tempo zu machen. Der Steig entlang der Alm ist relativ eben bis minimal hügelig. Doch ich habe mir vorgenommen alle „angenehmen“ Passagen Tempo zu machen. Das ist aber unter diesen Bedingungen alles andere als leicht. Es regnet immer noch relativ stark und die durchnässte Kleidung klebt förmlich am Körper. Dazu wird es mit jedem Höhenmeter frischer und mit jedem Windstoß wird die nasse Wäsche zum kalten Umschlag. Auch hier ist der Boden fast knöcheltief und ich habe oftmals das Gefühl, ich komme nicht wirklich vom Fleck, obwohl ich die ganze Zeit in Bewegung bin. Schon hier, so ehrlich muss ich sein, verlässt mich erst mal der Spaß an diesem Bewerb. Jetzt muss der Kampfgeist her. Ich für meinen Teil bin solche Bedingungen nicht wirklich gewohnt.

Am Ende der Alm erreicht man die Bricciuskapelle. Danach muss man sich vollkommen fokussieren, um den Aufstieg entlang des großen Wasserfalls hinauf zur Trogalm in Angriff zu nehmen. Die Steinstufen neben dem Wasserfall sind diesmal sehr gefährlich. Die gespannten Halteseile waren noch nie so wichtig wie an diesem Tag. Ich ziehe mich Stufe für Stufe hinauf und steige nun über die schlammigen Wurzelwege weiter empor. Es ist verdammt hart hier im Takt zu bleiben, denn es sind knackige Höhenmeter mit vielen unebenen Stellen, die man im Laufen genauer gesagt Steigen jederzeit ausgleichen muss. Das kostet ebenso viel Kraft. Dazu die ständige Konzentration. Es ist in allem ein richtig hartes Stück Arbeit sich weiter hinauf-zu kämpfen.


Der Tanz zwischen Durchkommen und neuer Bestzeit

Bei der Trogalm angekommen warten noch einige unebene Meter, ehe dann die nächste Gelegenheit zum Tempo machen wartet. Der Abschnitt bis zum Margaritzenstausee ist wieder relativ einfach. Eben relativ. Denn diesmal ist dieser Abschnitt sogar fast das schwerste Stück überhaupt. Der Steig ist sehr schmal und tief. Die meiste Zeit laufe ich durch Pfützen mit eiskaltem Wasser. Auch wenn ich schon komplett durchnässt bin, gibt es mir immer einen symbolischen Stich, sobald das kalte Wasser durch meine Berglaufschuhe schießt. Die Steine sind klitschig und ich muss sehr aufpassen nicht zu stolpern. Dort, wo ich 2019 noch temporeich über Stock und Stein springen konnte, muss ich extrem vorausschauend agieren und meine weiteren Schritte gut wählen. Es ist schon ein klein wenig frustrieren, denn ich weiß, dass ich hier normalerweise schneller durchlaufen kann. Und so fange ich langsam an, tatsächlich an meiner Bestzeit zu zweifeln.

Doch dieser Zweifel ändert nichts an meinem Engagement. Ich bleibe fokussiert und konzentriere mich nur auf meinen Laufrhythmus respektive meinen Takt. Diesen kann ich nach wie vor gut einhalten. Ich denke mir „Wenn ich schon meine Bestzeit nicht schaffe, dann möchte ich unter diesen Bedingungen einfach super durchkommen.“ Vor dem Margritzenstausee folgt stürzt das Regenwasser über Felsrinnen nur so ins Tal. Man hat keine Möglichkeit dort auszuweichen und es bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder knöcheltief durch das kalte fließende Wasser zu laufen. Mittlerweile befinde ich mich bereits auf 2000 Meter Seehöhe und die Temperatur beträgt hier nur noch knapp 5 Grad über den Gefrierpunkt. Eines ist somit klar! Ich darf jetzt keinen Einbruch bekommen oder gar stehen bleiben um kurz zu verschnaufen. Mit nasser Kleidung im Regen bei klirrender Kälte würde ich binnen Minuten oder Sekunden auskühlen. Und dann wäre das Rennen für mich gelaufen. Somit gebe ich mir selbst vor, egal wie, in Bewegung zu bleiben. Einfach meinen Takt zu halten, egal was meine Muskeln davon halten.

Der Aufstieg zum Elisabethfelsen wird noch einmal zur Zerreißprobe, denn hier macht man noch einmal gewaltig Höhenmeter im hochalpinen Gelände. Hier kann ich einfach nur Steigen und Stapfen und zusehen, nicht abzukühlen. Das klappt für mich aber soweit hervorragend und ich kann mich gänzlich auf den Lauf hinunter zur Hängebrücke über die Mölln Schlucht konzentrieren. Und hier habe ich dann tatsächlich zweimal das Glück nicht zu stolpern. Hier läuft man teilweise über große und glatte Steinplatten abwärts. Zweimal verliere ich kurz das Gleichgewicht, kann mich aber im Tempo gerade noch so halten. Wie ein Slalomfahrer der volles Risiko nimmt, stürze ich mich hinunter und der Plan geht auf. Hier habe ich richtig stark Tempo gemacht. Auch der Lauf über die Hängebrücke, die doch sehr stark federt, wird von mir toll gemeistert.


Jetzt heißt es für mich dran bleiben, den Flow aufrecht halten. Der Lauf um den Sandersee ist wieder relativ eben, doch von nun an läuft man nur noch über Gestein. Jeder Tritt muss sitzen. Letztlich folgt eine kurze Kletterstelle empor zur Talstation der Gletscherbahn. Somit ist die Pasterze erreicht. Dass es dort keinen Gletscher mehr gibt, das Tal ist nur noch gespickt mit dem Gletscherwasser, schockt mich jetzt nicht mehr. Ich habe auch keine Zeit mich umzusehen. Ich muss Tempo machen. Darf nicht auskühlen. Tatsächlich war das meine größte Sorge.


EIN HÖLLENRITT MIT HAPPY END

Der letzte Kilometer! Dieser letzte gefürchtete Kilometer beim Großglockner Berglauf ist mit Abstand der Härteste. Denn auf 1000 Meter muss man noch einmal 160 Höhenmeter zurücklegen. Es ist brutal. Es ist fies. Es ist einfach schlimm. Und unter diesen Bedingungen erst recht. Vor der Tafel mit dem letzten Kilometer blicke ich auf meine Sportuhr und beginne zu rechnen. Unter 2,5 Stunden würde ich es nicht mehr schaffen. Doch um das geht es mir in diesem Moment überhaupt nicht. Ich blicke auf die Differenzzeit zwischen meiner Bestzeit, den 2 Stunden 38 Minuten und jener Zeit, in der ich gerade stehe. Und ich sehe kurz die Fälle davon treiben. Will ich meine Bestzeit unterbieten, muss jetzt ein riesengroßer Kraftakt her. Eine Hauruckaktion die Ihresgleichen sucht. Doch das plant sich so leicht. Man ist angeschlagen. Man ist müde. Man spürt seinen ganzen Körper. Dazu die äußerlichen Einflüsse.

Doch ich sehe eine große Chance gegenüber dem Lauf von 2019. Und diese muss ich nutzen. Dieser letzte Kilometer wird großteils über steinerne Stufen und Halteseile erstiegen. Und damals kam ich mit einer riesigen Gruppe Teilnehmer zu diesem Fleck. Hier ist das Überholen fast nicht möglich und auch nicht erlaubt. Zu gefährlich ist der Abgrund neben den Stufen. So musste ich damals gezwungenermaßen im Gänsemarsch hinter der großen Gruppe hinaufsteigen und musste dadurch mein Tempo drosseln. Durch die Corona-Maßnahmen jedoch starteten diesmal die Startblöcke in 20 Minuten Abständen. Das bedeutet, diesmal hatte ich fast freie Bahn auf diesen letzten harten Kilometer. So eine Chance werde ich wohl so schnell nicht mehr bekommen. Ich steige, hüpfe, ziehe mich hinauf. Die Lungen vibrieren und hier und da ächze und stöhne ich mich nur noch hinauf. Mein Blick ist nur auf die Stufen gerichtet. Ich wage es nicht hinaufzuschauen, obwohl ich hören kann, wie die vielen Zuschauer uns Teilnehmer anfeuern. Ich will aber nicht sehen, wie nah oder weit das Ziel noch ist.

 

Und dann passiert es. Plötzlich stehe ich bereits vor der Holztreppe hinauf zum Ziel. Und es kommt mir diesmal viel kürzer vor, als die Jahre zuvor. Ich habe diesen letzten Abschnitt wirklich bravourös gemeistert und dadurch unheimlich viel Zeit gewonnen. So mobilisiere ich die letzten Kräfte, welche noch für einen Zielsprint reichen, und überquere die Linie nach

2 Stunden 33 Minuten und 12 Sekunden

NEUE PERSÖNLICHE BESTMARKE
5 MINUTEN SCHNELLER ALS 2019

ÜBERGLÜCKLICH, DEMÜTIG ABER SICHER "DA GEHT MEHR"

Im Ziel angekommen schreie ich mir mal alles von der Seele. Ein Blick auf die Uhr verrät es, ich bin 5 Minuten schneller als 2019 und das bei diesen Bedingungen. Es ist überwältigend. Ich bekomme meine Medaille und werde, wie auch in allen Jahren davor, gleich in eine warme Decke gehüllt. Wenige Schritte später erblicke ich auch schon meine überglücklichen Eltern. Ich möchte so viel sagen, doch ich bringe keine Worte aus mir heraus. Erst einmal werde ich von meinen Gefühlen übermannt und ich benötige eine kurze Pause, um diesen Sportrausch einmal zu verarbeiten. Das war ein Höllenritt sonderlichen und ich bin stolz, ja heute bin ich wirklich sehr stolz, auf meine Disziplin und auf das, was mein Körper imstande war zu leisten. Genauso auf meinen Geist, der immer hellwach war und in fast allen Aktionen hellwach war.

Im Anschluss an das Rennen durfte ich endlich die nasse Kleidung ablegen, mich warm anziehen und noch einige Eindrücke oben auf der Franz Josefs Höhe aufsaugen. Und das bringt mich auch schon zum Fazit.

FAZIT GROSSGLOCKNER BERGLAUF 2021

Also mit Spaß hatte der Lauf für mich persönlich nichts mehr zu tun. Aber das muss auch nicht immer sein. Wichtiger war, das Rennen gesund und heil zu beenden. Das am Ende meine Bestzeit gefallen ist, führe ich auf meine besagte Disziplin zurück meinen Takt zu halten, der unabhängig vom Renntempo agiert, aber wichtig ist. Ich konnte so den gesamten Trail nahezu in einer Bewegung durchmachen. Entscheidend war für mich sicher der Talsprint zur Hängebrücke an der Mölln Schlucht, auch wenn dieser nicht so ganz ungefährlich war.

Auch entscheidend war meine Tagesverfassung. Die hat eindeutig gepasst. Ich war vom Start weg bereit, dieses Ziel in Angriff zu nehmen. Ich habe nicht zu schnell begonnen und hatte dadurch genug Energie die kniffeligen Höhenmeter ordentlich zu meistern. Ich bin wirklich glücklich über das Ergebnis und habe den magischen 2,5 Stunden nie nachgetrauert. Denn ich bin überzeugt davon, dass ich bei einem festen Untergrund in den Phasen, wo ich Tempo machen kann, noch einen Tick schneller gewesen wäre. Respektive der Abschnitt von der Trogalm bis zum Magritzen Stausee. Hier habe ich in diesem Jahr einiges an Zeit liegen gelassen. Sind Boden und Steine trocken und es gibt keine Pfützen, kann ich mit festem Tritt wesentlich mehr Tempo herausholen.

Doch, hey! Das spielt jetzt erst einmal keine Rolle. Ich habe mich selbst besiegt und mich dadurch wieder ein Stück weiterentwickelt. Es war eine tolle Erfahrung die mich als Läufer weiter wachsen lassen wird. Im Jahr 2022, bei meinem bereits 5. Antreten, werde ich alles daran setzen mir meine persönliche Messlatte noch höher zu legen und die 2,5 Std. Zu unterbieten.

Vielen Dank dieser Stelle an meine Eltern, die mich wieder durch dieses Wochenende begleitet und mich unterstützt haben. Genau so gilt mein Dank auch meinem Trainer Gerhard, der es immer wieder aufs Neue schafft, die richtigen Rädchen zu drehen, um mich weiterzuentwickeln. Aber ein großes Stück vom Kuchen gehört auch Simone, jener lieben Freundin und Mitglied bei den Pro Runners, die mich nach meinem mentalen Tief im Mai aufgefangen und wieder aufgerichtet hat. Denn vom Tag 1 nach ihrer Moralpredigt ging es steil bergauf. Und genau so verneige ich mich auch vor meiner Pro Runners Familie, die immer hinter mir gestanden hat und auch heute zu mir steht.



Die Strecke als Karte:

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