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ich, am Weg

07
Ap
Tullnerfeld "Königsbr. a. W. - Stockerau"
07.04.2018 18:44



DER FRÜHLING ERWACHT IM TULLNERFELD - Teil 2

 

Dies ist Teil 2 einer zweitägigen Tour durch das Tullnerfeld, welche ich gemeinsam mit der Weitwanderin Jazzmin "Jazz Min follows her heart" unternommen habe. 

Schon einige Zeit vor dem verlängerten Osterwochenende sellte ich mir die Frage, was ich wohl hier erwandern könnte. Auch wenn das Ziel zunächst nicht klar war, hatte ich das Bedürfnis etwas länger der Heimat fernzubleiben. 
Jasmin fand die Idee dieser Unternehmung recht interessant und hat sich auch sogleich dafür stark gemacht. Vielen Dank an dieser Stelle.

Dieser zweite Teil führt uns entlang des originalen großen Tullnerfelder Rundwegs 675 von Königsbrunn in den Osten nach Stockerau.

Video:

Wer ihn verpasst hat - HIER GEHT ES ZU TEIL 1 DIESER TOUR

Übernachtet haben wir beim Landgasthof Mann in Königsbrunn am Wagram. Nach einem ausgiebigen Frühstück konnte unsere Tour dann fortgesetzt werden.

Königsbrunn am Wagram

Ein simpler Name mit großer Geschichte. Vor vielen Jahren stieg ein König von seinem Pferd, um sich an einem Brunnen vor Ort zu laben. Und schon ergibt sich der Name Königsbrunn.
Es liegt nördlich der Donau an der Wagramkante, welche einst das Steilufer der Donau war. Fast tront es am Kopf des Tullner Beckens im Weinviertel. Bekannt ist der Ort natürlich durch den Weinbau. Aber auch das Wagram-Fenster, ein bühnenartiges Gebilde an der Wagramkante, ist mittlerweile zur Sehenswürdigkeit geworden. An jenem Ort, an dem sich einst der Brunnen des Königs befand, steht heute die katholische Pfarrkirche.

Wir verlassen nun Königsbrunn östlich und marschieren entlang der Bundesstraße L14. Diese führt direkt an den südlichen Rand von

Hippersdorf

Dieser Ort liegt am sogenannten Piexental. Dies ist der Ausgang einer Talsenke, an welcher auch ein Bach entspringt, welcher durch Hippesdorf fließt. Einst war Hippersdorf der Kartause Gaming (siehe Bericht zum Adventbesuch in der Kartause Gaming) zugehörig. Im 17. Jd. stand es unter der Herrschaft von Oberstinkenbrunn. Seinen Namen hat Hippersdorf vom Geschlecht der Hippleinsdorfer. Es ist aber nicht belegt, ob der Name hiervon übernommen wurde oder umgekehrt. Im Laufe der Zeit wurde der Name in Hippersdorfer umgewandelt. Auch gab es in der Vergangenheit archäologische Funde in Hippersdorf zu vermelden. So wurden Skelettgräber mit Bronzebeigaben sowie mittelbronzezeitliche Depots gefunden. 

Etwas weiter östlich, kurz vor Absberg, überschreiten wir dann den kleinen Fluss Schmida. Diese ist ein Nebenfluss der Donau und der Hauptfluss des Schmidatals. Kurz vor dem Ort Absberg biegen wir dann rechts in die Absberg Kellergasse ab. Hier finden sich obligatorisch Weinkeller und Wohlfühloasen. Hier finden wir sogar einen Relax-Keller, der zum Entspannen einlädt.

 

Unsere Bleibe

An der Schmida

Hippersdorf

die Absberg Kellergasse



Wir marschieren nun entlang der Kellergassen und der Schmida einem schön angelegten Freizeitweg entlang, der auch mit einem Fitnessparcours aufwartet. An mehreren Stationen kann man sich körperlich betätigen und die Kultur der Umgebung besser kennenlernen. Hierfür dienen tolle und informative Infotafeln.

Weiter geht es nun entlang des Mühlbachwegs. Neben uns verläuft noch ein kleiner abgeleiteter Arm der Schmida, welcher nun Schmidamühlbach genannt wird. Nach einem gemütlichen asphaltierten Weg zwischen Weinstöcken und Feldern erreichen wir den nächsten Ort entlang unserer Tour.

Stetteldorf am Wagram

Wie schon sämtliche seiner Nachbarorte ist auch Stetteldorf für seinen Weinbau bekannt. Auch dieses liegt am markanten Höhenzug des Wagram. Erstmals genannt wurde Stetteldorf um 1120. Es gehörte dem Grafen von Peilstein und wurde später, um 1278, dem Burggrafen von Nürnberg, verliehen. 1582 kam es in den Besitz des Grafen Julius II. zu Hardegg, welcher auch das Schloss Juliusburg erbauen ließ, welches östlich von Stetteldorf an der Wagramkarte steht.

Schloss Juliusburg

In den 1950er Jahren wurden hier im größten Saal Wandmalereien entdeckt und freigelegt. Sie zeigen die Besitztümer der älteren Linie der Familie Hardegg. Die einstige Eigentümerin, Gräfin Mechthild von Hardegg, hatte eine künstlerische Hand und restaurierte die Malereien selbst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss geplündert und stark beschädigt. Kunstwerke samt innerliche Pracht gingen verloren.  Erst 60 Jahre nach dem Krieg konnte das Schloss durch seinen neuen Besitzer gerettet werden. Dafür musste aber der meiste Grundbesitz weiterverkauft werden, um die kostspielige Renovierung zu finanzieren.

 

Blick nach Absdorf

Ich und Jazz Min am 675er Weg

Setteldorf am Wagram

Die Juliusburg



Weiter geht es entlang der Wagram. Dabei streifen wir Eggendorf, besuchen es aber nicht. Der Weg führt uns nun entlang des nördöstlichen Tullnerfelds weiter nach Gaisruck. Hier legen wir dann auch unsere erste Pause ein.

Gaisruck

gehört bereits zum Bezirk Korneuburg in Niederösterreich und wurde 1972 in die Katastralgemeinde von Hausleiten eingegliedert. Man sagt, das der Ort durch bayerisch/fränkische Siedler angelegt wurde, welche den Ortsnamen aus ihrer Heimat importierten. So gibt es auch ein Gaisruck im niederbayrischen Landkreis Regen. Was man aber weis ist, das Gaisruck um 985 bis 991 zum bischöflichen Besitz des Passauer Lutz gehörte. Im Laufe der Zeit gelangte Gaisruck in die Hände mehrerer Adelsgeschlechter. Nach dem Krieg im Jahre 1920 beendet Gaisruck die Gemeinschaft mit Perzendorf und Zaina und bis 1971 ein selbstständiges Dorf.

Das Hallstattdenkmal in Gaisruck

2007 wurde in Gaisruck ein einmaliges Denkmal errichtet. Es erinnert an die Hallstattzeit. Die beiden markanten Säulen wurden von Gerhard Fousek, einem Künstler aus Hausleiten, gestaltet. Die beiden Holzstelzen stellen das Leben der Frauen, Kinder und Männer dieser Epoche dar. 

 

Tullnerfeld Wanderweg-Markierung

Jazz Min beim Denkmal

Hallstadtdenkmal bei Gaisruck

Gaisruck



Weiter geht es in den Osten. Leider wieder entlang einer Bundesstraße und nicht über einen angelegten Feld- oder Karrenweg. Später ändert sich das jedoch wieder und wir marschieren entlang einer Feldstraße entlang des Wagrams. Wenig später sehen wir schon die Pfarrkirche St. Agatha von Hausleiten.

Hausleiten

liegt am südwestlichen Ende des Bezirks Korneuburg, zwischen den Städten Stockerau und Tulln. Schon von weitem zu erkennen ist dabei die Pfarrkirche St. Agatha, welche mit ihrem Antlitz über die Wagramkante zu starren scheint. Auch hier sei wieder erwähnt, das der Wagram ursprünglich das Ufer der Urdonau war. Auf den Höhen des Wagrams lassen sich wunderbar Kartoffeln, Zwiebeln und Getreidesorten anbauen und verarbeiten. Hausleiten war nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der sowjetischen Besatzungszone bis 1955. Durch die gute Verkehrsanbindung, zb. nach Wien, wurden neue Siedlungen installiert. Die Bevölkerungszahl ist in den letzten Jahren stark angestiegen.

Gleich angrenzend zu Hausleiten, fast wirkt es, als wäre es der gleiche Ort, befindet sich das Gebiet um

Goldgeben

Der Name wurde erstmals im 12. Jh. genannt und weist auf früheren Goldvorkommen hin, als lange vor der Donau-Regulierung die Donauarme von Goldwäschern besiedelt wurden. Zur Gewinnung des Goldes wurden Filztücher verwendet. In ihnen verfing sich der Goldstaub. Später benannte sich auch ein Adelsgeschlecht um 1120-1130 danach. "Leopoldus de Goltgeben". Am Goldgebener Brunnberg befindet sich auch die Brunnbergwarte. Dies ist ein kleiner Holzturm, der eine tolle Aussicht auf das Tullnerfeld bietet. 
 

Auf dem Weg nach Hausleiten

Aussichtswarte bei Hausleiten

Pfarrkirche St. Agatha bei Hausleiten

Jazz Min trägt sich ins Besucherbuch ein



Nun legen wir einige Extrameilen ein. Aus einer Unachtsamkeit heraus folgen wir nämlich nun der L31 Bundesstraße nach Zissersdorf. Dieser Part ist aber nicht Teil des Tullnerfelder Wanderwegs. Dieser würde an der unteren Wagram weiter verlaufen. Doch es dauert nicht lange, ehe wir wieder der originalen Strecke folgen können, denn in Zisserdorf biegen wir rechts ab und folgen einem Kiesweg bis an jenem Punkt, wo der originale Weg vom unteren Wagram herauf kommt.

Dieser Abschnitt ist bei Schönwetter sicher eine Wonne, denn man genießt eine herrliche Aussicht bis nach Wien hinein. Im Süden erkennt man bereits das Alpenvorland. In unserem Fall ist es ziemlich schwierig zu genießen, denn der heftige Westwind an diesem Osterwochenende macht uns ziemlich zu schaffen. Und hier gibt es auch keinen Wald, der uns vor dem Wind schützt. Er hat mittlerweile eine Stärke erreicht, wo es einem schon schwerer fällt, normal und aufrecht gehen zu können. Somit müssen wir eher zusehen, dass wir schnell nach Stockerau kommen. Wir gelangen sobald zur Aragartensiedlung und werden von der L14 sogar entlang der Bundesstraße B4 weiter in den Osten geschickt. Dort müssen wir die Weinviertler-Schnellstraße überqueren, um in das Industrieviertel von Stockerau zu gelangen.

Und dieser Abschnitt ist wahrlich keine Wanderwonne. Wenn man nicht alle 200 Meter eine Markierung vorfinden würde, die einem daran erinnert, sich am Tullnerfelder Wanderweg zu befinden, könnte man es fast nicht glauben. Der Wechsel von der L14 auf die B4 wird rein auf der Straße vollzogen. Es gibt keinen Fußweg. Die B4 ist eine ziemlich belebte Schnellstraße. Nach der raschen Übersetzung wartet gegenüber ein kleiner Graben, über den man springen muss, um auf eine Feldstraße neben der Bundesstraße zu gelangen. Und der Weg durch das Industriegebiet ist auch nicht gerade eine Pracht. Das muss man schon einmal erwähnen. Diese Streckenführung ist nicht gerade sehr einladend. 

Letztendlich erreichen wir das Etappenziel unseres zweiten Tages. Und das ist

Stockerau

Dies ist eine Stadt in Korneuburg und mit fast 17.000 Einwohnern die größte Stadt des Weinviertels. Den Namen hat Stockerau aus der Zusammensetzung Stocker-Au. Die Stockerauer Au, der Flusswald zwischen Stadt und Donau, ist heute noch ein wichtiges Erholungsgebiet. (hier gelangt Ihr zu meinem Bericht  zur Stockerauer-Au "Stockerau - Auf den Spuren des Dichter Lenaus")
Um 791 siedelten sich die Holfäller in der Au an, dort wo heute Stockerau liegt. Um 1012 wurde Stockerau erstmals urkundlich erwähnt. Damals unter dem Namen "Stoccaerouwe". Im Jahre 1944 wurde die Stockerauer Au zum Naturschutzgebiet erklärt. 2006 trat Stockerau dem Regionalentwicklungsverein 10 vor Wien bei.

Am Ende unseres Tullnerfelder Wochenendes blieben zwei spannende Tage bei annehmbaren Wetter. Eine Woche zuvor hatte man schwere Regenfälle vorausgesagt, welche zum Glück ausgeblieben sind. Ein Gesamturteil über das Tullnerfeld kann ich mir noch nicht erlauben, da wir hier den nordöstlichen Teil erwandert haben. Das gesamte Tullnerfeld bietet aber wesentlich mehr. Man könnte sagen, wir haben gerade einmal 1/3 gesehen. Wann und ob es weiter geht, müssen wir einmal abwarten.


 

Blick in den Osten

Nicht mehr weit

Auf dem Weg nach Stockerau

Stadtkirche St. Stephan in Stockeau


Karte:

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