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Wander WM 2019 - St. Michael im Lungau
15.10.2019 22:00


14 NATIONEN TREFFEN EINANDER ZUM WANDERGENUSS
 

Die 17. Wander- Weltmeisterschaft des ÖVV fand 2019 in St. Michael im Lungau statt. Gleich 14 Nationen waren an diesen Festtagen zu Gast. Aus der lokalen Presse sollte man später lesen, dass der Ort rund  700 Nächtigungen zählen konnte. 

Der gesamte Akt einer Wander-WM dauert eigentlich schon eine Woche lang. Schon vor den drei offiziellen Eventtagen gibt es geführte Wandertouren im Ort oder Vorträge von Spitzensportlern und Materialpräsentationen im Festsaal des WM-Zentrums. Die eigentliche und offizielle WM findet jedoch an 3 Tagen (Donnerstag, Freitag und Samstag) statt. 

An den ersten beiden WM Tagen gibt es je drei Wandertouren zur Auswahl, welche sich durch ihre Distanzen unterscheiden. Von 7:30 bis 12:00 Mittag kann man sich je zu einer oder mehrere Touren melden. Die Gesamtkilometer werden dann via EDV erfasst. Am letzten Tag wartet schließlich dann der Marathon mit seinen 42 Kilometern auf die Teilnehmer. Um 17:00 ist schließlich Zielschluss.

Video:

Wer an diesen drei Tagen mindestens drei Wandertouren abschließt, schafft es letztendlich in die Endwertung und darf sich im Anschluss Wanderweltmeister nennen. Es gibt sowohl eine Einzel- als auch eine Gruppenwertung. Das Team mit den meisten Mitwanderern bzw. den meisten gemeinsamen Kilometern wird zum Gruppenweltmeister gekürt. Pro angemeldete Tour erhält man eine Startkarte. Auf der Strecke der Wanderwege gibt es vereinzelt Stempelstellen, bei denen man seine Anwesenheit bestätigt. Obwohl es auch oft mal kritisiert wird, ist das Laufen auf den Wanderstrecken gestattet. 

Traditionell wird die Wander WM im Anschluss des ersten offiziellen Wandertages durch die Vertreter des Ortes, dem Tourismusverband und den ÖVV Präsidenten in einem feierlichen Rahmen eröffnen. Zunächst treffen sich die Wanderer aller teilnehmender Nationen und nehmen hinter ihrem jeweiligen Fahnenträger Aufstellung. Danach ziehen die Wanderer, begleitet von traditioneller Musik, in die Festhalle ein. Dort wird jede Nation noch einmal offiziell vorgestellt und die Wander WM Fahne des ÖVV gehisst. Danach können sich die Wanderer noch bei Musik, Speis und Trank kennenlernen und unterhalten. 


Speiereck-Runde (ca. 21 km)

Der Start erfolgt um 7:30 vor dem Festsaal in St. Michael im Lungau, welcher schließlich auch als WM Zentrum diente. Der tiefe Nebel verwandelt die Region in eine gespenstische Landschaft. Die Berge verstecken sich im grauen Mantel und auch das eigene Sichtfeld verschwindet nach nur wenigen Metern. Dennoch stößt sich eine bläulich-hellgraue Farbe durch das Nebelkleid, was darauf schließt, dass sich dieses Tuch im Laufe des Tages reißen würde. Nachdem Start an der Gewerbestraße wandern wir nun südlich hinab bis zur Mur und folgen dieser dann östlich bis zur Austraße. Hier geht es südlich weiter entlang der Bundesstraße bis zur Stranachsiedlung.

Nun verlassen wir St. Michael und marschieren über einen Karrenweg vorbei am Baggerteich bis zu einer Kreuzung, wo uns der Pfad link in den Norden nach St. Martin führt. Von nun an geht es bergauf. Zunächst bis zum Martiniberg, dann weiter durch den Wald nahe dem Hollerberg bis zu den Höfen von Staig.

Video:

Hier geht es dann bergab und wir durchschreiten das Tal von Neuseß, den Ort, den wir nach einem Abstecher beim Schloss Moosham auch erreichen. Nach Neuseß geht es auf der Ostseite des Hollerbergs über eine Forststraße entlang bis wir dann in Mauterndorf wieder absteigen. Nun geht vorbei an der Pfarrkirche und dem Martplatz hinauf bis wir vor der Stampfmühle und der Burg Mauterndorf stehen. Schnell noch einige Fotos gemacht und schon geht es weiter, nun entlang der schönen Twenger Au bis wir schließlich die Talstation der Grosseckbahn erreichen. Nun tauschen wir Beine gegen Kabinenlift und fahren hinauf auf knapp 2000 Meter Höhe.

Hier lohnt sich auch bei einer WM eine kurze Verweilpause, denn die Aussicht ist extrem schön. Neben der Bergstation befindet sich auch der Grosseckgipfel. Etwas weiter Abseits wartet dann auch schon der Speiereck Gipfel auf 2.411 Meter. Unser Weg führt jedoch hinab zur Trogalm und dem Wasserspeicher, bis wir wenig später auch schon vor der Bergstation der Speiereckbahn an der Peterbaueralmhütte stehen. Nun fahren wir mit der Kabinenlift also wieder hinab bis nach St. Martin. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zurück nach St. Michael im Lungau und in die WM Zentrale. Die erste Tour dieser WM ist geschafft!

Karte:


Sonnenseiten-Runde (ca. 20 km)

Erneut erfolgt der Start um 7:30 vor dem Festsaal. Und wieder warten hunderte Wanderer gespannt auf das Startsignal des ÖVV Präsidenten, welches dann natürlich auch pünktlich kommt. Auch hier erwartet uns zuerst wieder der Nebel, welcher sich aber erneut zu Mittag lichten sollte. Zunächst wandern wir wieder südlich hinab bis zur Mur.

Doch diesmal führt der Weg rechts bzw. westlich des Flusses entlang. Wir übersetzen die Glashüttenstraße und wandern weiter entlang der Mur bis wir nach der Autobahnunterführung den kleinen Ort Unterweißenburg erreichen. Im Anschluss folgen wir der Straße nordwestlich, umrunden den Fischerteich und erreichen den Nachbarort Oberweißenburg.

Im Ort überqueren wir die Bundesstraße und untersetzen die Autobahn und gelangen so zum Ausläufer des Weißburger Grabens.

Video:

Von nun an geht es bergauf entlang von Karrenwegen und Straßen in östlicher Richtung bis nach Dasl. Wenig später erreichen wir die verträumte kleine Kirche am Berg bei St. Ägid. Danach folgen einige Wald- und Wiesensteige bis man schließlich den Pfaffenberg und den Eingang in den Vogelschutzpark erreicht. Hier durchwandert man einen der schönsten Abschnitte, denn man überquert Holztreppen und schmale Felswege, ähnlich wie bei einer Klamm. Dazu kommt die herrliche Aussicht auf St. Michael im Lungau.

Nach der Kapelle beim Peterbauer folgt nun ein Marsch entlang einer Asphaltstraße, unter der Speiereckbahn hindurch, bis man das Sonndörfl und wenig später das Gasthaus Stickler erreicht. Im Anschluss führt die Straße hinauf zum höchsten Punkt der Tour, nämlich dem Hollerberg auf ca. 1400 Meter. Von nun an geht es jedoch nur noch bergab bis zu den Höfen von Staig. Danach folgen wir einem Waldsteig hinunter bis zur Katschberg Bundesstraße und dem Stofflerwirt. Nach Überquerung der Straße befinden wir uns in einer großen Golfplatzanlage. Wenige Meter danach erreichen wir auch schon wieder die Mur, welcher wir nun westlich folgen, die schönen Berge um uns genießen und schließlich wieder in St. Michael im Lungau eintreffen. Auch die zweite große Wandertour ist geschafft!

Karte:


Wander Marathon (42 Kilometer)

Der Marathon wird bereits um 6:30 morgens gestartet. Zur eigentlichen WM Wertung kommen nun auch jene Wanderer hinzu, welche für den Marathon Cup 2019 um Punkte mitwandern. Um diese Zeit ist es noch finster, doch schon eine Stunde später zeigt sich die schöne Bergwelt der Gegend wieder.

Erneut findet der Start beim WM Zentrum bei der Festhalle statt. Zunächst wandern wir wieder der Mur entlang bis zur Austraße und verlassen dort St. Michael in Richtung Stranach. Dort geht es weiter bis zum Baggersee und dem Fischteich, immer noch weiter westlich der Mur. Doch vor dem Golfplatz biegen wir links ab und marschieren weiter in den Süden bis zum Fuß des Martinibergs. Hier geht es über einen Forstweg ein klein wenig bergauf doch schon wenig später erreichen wir nach der St. Augustinkapelle den Ort St. Margareten in Lungau.

Video:

Nach der Talstation der Silverjet Bergbahn führt uns der Weg weiter nördlich bis nach Oberbayrdorf. Danach geht es westlich weiter nach Pischelsdorf und Illmitzen. Immer weiter entlang der Mur und zwischen den Bergen Hohenbühel und dem Goldbrunnnock marschieren wir nordwestlich weiter bis nach Unternberg wo wir die erste Rast einlegen. Weiter geht es durch das schöne Tal, in welches sich nun auch kurzfristig die Sonne zeigt, über Neggerndorf bis kurz vor Tamsweg. Vorher verläuft der Weg aber dann nördlich weiter nach Mörtelsdorf. Hier befinden wir uns am westlichsten Punkt der Tour. Nun geht es um den Mitterberg herum.

Dies erfolgt teils durch den Wald und später entlang des Taurach Baches und der Murtalbahn. Im Ort Pichl erholen wir uns noch einmal ehe es über Gröbendorf weiter östlich in Richtung Mauterndorf geht. Doch der Weg führt nicht direkt dort hin. Auf der Höhe des Flugfeldes schwenkt der Weg wieder südlich hinab in das Tal von Petzlmoos. Hier haben wir auch noch einmal einen schönen Blick auf den Gipfel des Speierecks. Über schöne Wiesen verläuft der Weg nun südlich entlang des Größenbachs abwärts bis nach Neuseß. Ab hier folgen wir nun dem Wegverlauf der Speiereck-Runde, nur Gegenverkehrt. Zunächst über einen Waldpfad nach Moosham und dann bergauf über Staig und dem Hollerberg bis zum Sticklerhof.

Weiter geht es nun westlich vorbei an der Speiereckbahn bis wir schließlich den Vogelschutzpark erreichen. Über den Klammweg geht es teilweise über Holzstufen weiter abwärts bis zur Wegkreuzung am Pfaffenberg. Doch statt nach St. Egidi zu wandern, marschieren wir nun südlich hinab vom Berg bis nach St. Michael im Lungau. Hier schreiten wir noch einmal die Mur ab und gelangen letztendlich ins Ziel nach 42 Kilometern.

Karte:


MEIN PERSÖNLICHES FAZIT ZUR WANDER WM 2019:

Dies war bereits meine zweite Wander-WM des ÖVV. Bereits 2015 war ich in Tauplitz an den Start gegangen. Damals war ich jedoch allein angereist und tat mir sehr schwer irgendwie Kontakte zu knüpfen. Auf mich wirkte diese WM damals wie eine in sich gekehrte und nur szenetaugliche Veranstaltung wo neue Gesichter wenig bis keinen Platz haben sollen. Das kann aber auch am Wetter gelegen haben, denn die WM 2015 war nicht gerade vom Sonnenschein geprägt. Das Ultraläufer sich den Titel des Wanderweltmeisters holen konnten, hat mir damals zuzüglich sauer aufgestoßen. Aus diesem Grund wollte ich auch gar nicht mehr bei einer WM teilnehmen.

Durch die aufstrebende Art meines Bruders Thomas, der nun ebenfalls mit dem Wandervirus infiziert wurde, ergab sich mir dennoch noch einmal die Möglichkeit zu einer WM zu fahren, auch wenn ich sehr skeptisch war. Aber da ich diesmal nicht alleine anreisen musste, war der Spaß schon einmal vorprogrammiert. Als wir in St. Michael in Lungau ankamen, glich der Ort eher einer Geisterstadt. Nichts deutete darauf hin, dass hier eine Wanderweltmeisterschaft stattfinden würde. Keine Plakate. Keine Informationen. Als wir beim WM Zentrum ankamen, um uns anzumelden, stellten wir fest, dass es diesmal auch keine WM bezogene Andenken zu kaufen gab. Keine WM T-Shirts, Kappen oder Wimpel bzw. Sticker. Wenn es so etwas gab, dann nur rein mit St. Michael im Lungau als Aufhänger. Diese WM hatte nicht einmal ein eigenes Logo. Das hatte mich zugegeben schon einmal irritiert! In Tauplitz hatte man alle spüren lassen "Hier findet eine Wander-WM statt". Auch war die Stimmung nach dem offiziellen Teil im Ort eher mau. Mein Bruder und ich waren selbst abends unterwegs, aber von gemeinschaftlichen Aktivitäten mit Wanderern aus anderen Ländern hätten wir nicht bemerkt. Auch das hatte ich aus Tauplitz anders in Erinnerung. 

Das mag jetzt alles ziemlich frustrierend klingen. Und dennoch bin ich, soviel kann ich mal vorweg geben, mit einem breiten Grinsen heimwärts gefahren. Denn hier werde ich nun einige Fakten aufzählen, die diese WM für mich zu einem guten Erfolg gemacht haben.

Punkt 1: Die Eröffnungsfeier 

Obwohl es im Festsaal ziemlich eng war, gefiel mir die Aufmachung der Eröffnung. Der Einzug der Nationen war toll aufgezogen und die Stimmung unter den Anwesenden war erfrischend toll. Die Ansprachen des ÖVV Präsidenten, des Bürgermeisters und der Vertreterin des Tourismusverbandes hielten sich zeitlich in Grenzen und wirkten auf mich nicht überspitzt. Man hat die Zeremonie nicht unnötig in die Länge gezogen. Am Ende war die Dauer genau richtig, sodass man danach noch Lust auf Gespräche mit dem Sitznachbarn hatte und sich dabei noch Speiß und Trank gönnte. Klein aber sehr fein! Das gefiel mir.

Punkt 2: Die Organisation der Strecken

Die bekommt von mir ein "Sehr gut". Alle Strecken, egal ob kurz oder lang, waren mit reflektierenden und grellen Farbbändern markiert. Und das sehr überschaubar. Zwar teilte der ÖVV natürlich vorher auch immer Karten zu den jeweiligen Touren aus, doch zur Orientierung hätte man sie nicht gebraucht. Die Bänder waren gut sichtbar und an jeder nötigen Stelle angebracht. Es war kaum möglich, sich hier zu verlaufen. Respekt davor! Alleine was das für ein Aufwand sein muss, die Bänder tagtäglich umzuändern, da sich die Touren ja immer ändern. Meiner Meinung nach geht das nicht mehr besser! Wow! 

Punkt 3: Die Stimmung bei den Touren

Diese hat vieles von meinen Erfahrungen aus 2015 relativiert. Tatsächlich empfand ich die Stimmung hier unter den Wanderern etwas lockerer. Man kam auch entlang der Wege immer wieder mal zu nette Gespräche und bis auf ein paar Ausnahmen hielt sich auch die Angeberei von schon vollbrachten Wanderleistungen in Grenzen. Wanderer, welche das Ziel erreichten, wurden teilweise auch mit Applaus von den bereits gefinishten Wanderer empfangen. Die Organiatoren bei den Labe- und Stempelstellen waren auch alle motiviert und nett, sodass auch mal das Eine oder andere Späßchen gemacht werden konnte. Das alles war für mich wesentlich schöner zu erleben als 2015 in Tauplitz.

Punkt 4: Goodies, Urkunden etc.

Für jede geleistete Tour, egal wie lange, konnte man sich eine Erinnerungsurkunde für einen kaum erwähnenswerten Unkostenbeitrag ausdrucken lassen. Darüber hinaus gibt es eben auch die Wanderweltmeister Urkunde nach drei absolvierten Touren. Das Gleiche gilt auch für die Wander WM Medaille und den Marathon Aufnäher am Ende. Zwar bezahlt man diese letztendlich auch selbst, doch die Qualität hinter dem Material ist wirklich sehr brauchbar. Die Medaille sieht schön aus und wirkt stimmig. (Auch wenn das Motiv nicht sonderlich kreativ war, aber darüber kann man diskutieren und ist auch nur meine Meinung.) Der Aufnäher ist robust und wirkt sehr professionell. Das Urkundendesign ist auch sehr hübsch und zeugt wahrlich von WM Flair. Wenn also Neueinsteiger, älteres Semester oder angeschlagene Wanderer bereits für eine 7 km Wandertour eine hübsche Urkunde bekommen können, dann hat man alles richtig gemacht. Ich selbst bin ich mit 5 Urkunden heim gefahren. Sehr stark! 

Dies alles führte dazu, dass ich der Wander WM des ÖVV nun doch wieder etwas wohl gesonnener entgegenblicke. Unter diesen Voraussetzungen bin ich wirklich gewillt, doch hier und da mal zu einer Wander-WM zu fahren.

Würde ich eine Teilnahme bei der ÖVV Wander WM empfehlen? 

Ja! Am besten in Begleitung mit Familie oder Freuden. Die Stimmung, die man nicht erhält, kann man sich so selbst gestallten. Und wenn man Glück hat, dann bildet man mit seiner eigener Gruppierung ein weiteres Glied in der Kette vieler gleichgesinnter Wanderer. Also los! Gebt der WM eine Chance.

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