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ich, am Weg

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Ja
Sightseeing Tour in Brünn
09.01.2020 17:57


BUMMELN IN DER ZWEIT GRÖSSTEN STADT TSCHECHIENS

 

Ahoj Brno!

Wollen wir doch einmal die Fühler in den Norden und über die Grenze unseres Landes strecken. Und da fällt mein Blick auf unseren charmanten Nachbarn, die Tschechische Republik. Bereits nach den ersten Metern über unsere Staatsgrenze hinweg wartet mit Breclav (Lundenburg) ein erster kleiner Willkommensgruß.
Doch nur 45 Zugminuten weiter in das Landesinnere der Tschechen befindet sich gleich die zweitgrößte Stadt dieses Landes. Und das ist die bezaubernde Stadt Brno (Brünn).

Und als ich beschlossen hatte, diese Stadt erkunden zu wollen, gab es für mich - wie schon für das slowakische Bratislava - nur einen passenden Stadtführer. Und zwar von Irene Hanappi aus der Reihe Falters City Walks "Brünn - Gehen, Sehen & Genießen" Aus diesem tollen Buch stammt die Inspiration für diese Städtetour. 

(mehr dazu in der Infobox ganz unten)

Video:

"DER KLASSICHE STADTSPAZIERGANG"

Ausgangspunkt meiner Erkundungstour ist der beeindruckende Parnas-Brunnen am Kohlmarkt. In nur 5 Jahren hat sein Erbauer Johannes Bernhard Fischer gewaltige Natursteine übereinander setzen lassen, woraus die heutige Form entstand. Derselbe Schöpfer hat auch in Wien die Karlskirche erbauen lassen. Am Krautmarkt wird noch heute traditionell gehandelt. Landwirte aus der Umgebung bringen ihre frischen Lebensmittel und verkaufen diese dort, wie einst schon im 13. Jhd. 

Nur wenige Meter daneben, befindet sich das alte Rathaus. Das tolle Eingangsportal stammt von Meister Anton Pilgram, der sich auch schon am Wiener Stephansdom verewigte. Vom Innenhof hat man eine tolle Sicht auf den Rathausturm, der schon einst um 5 Meter angehoben wurde, sowie auf die Loggia im Renaissancestil. 

 

Parnas-Brunnen am Kohlmarkt

Altes Rathaus



Etwas weiter im Süden des Kohlmarkts, an der Kapucinsce namesti, befindet sich die Heiligenkreuzkirche mit der Kapuzinergruft. Hier ruht auch Freiherr von Trenk. Gleich daneben befindet sich der Merkurbrunnen im Hof des Mendelianum, welches aber am Tag meines Besuchs leider nicht zugänglich war.

So spazierte ich zurück zum Kohlmarkt, vorbei am mährischen Landesmuseum, und stieg entlang der Straßen Petrská und Petrov empor zu einem wahrlich beeindruckenden Bauwerk, nämlich der Kathedrale Peter und Paul. Dieser Dom ist bereits aus der Ferne vor Brünn gut zu erkennen, steht er doch auf einer kleinen Anhöhe. Man sagt auch, dass das alte Schloss einst an seiner Stelle gestanden haben soll. Es handelt sich hier bei um eine gotische katholische Kirche mit barockem Innendesign.  


 

Die Peter & Paul Kathedrale

Peter & Paul Kathedrale innen



Gleich darauf beginne ich mit dem Aufstieg zum Schloss Spilberk. Zunächst schlendere ich entlang der Pellicova bis zum Südportal des Schlossparks. Dort führen mehrere Wege in Serpentinen hinauf bis zu den Schlossmauern. Bereits hier hat man einen herrlichen Ausblick auf die schöne Stadt Brünn. Beim gemauerten Pavillion Altánek kann man noch einmal seine Ruhe finden, ehe man sich zum Westeingang des Schlosses begibt. Zunächst erreicht man auf der Südseite eine weite Fläche samt Schlosscafé und Aussichtsterrasse. An den Terrassengemäuern lehnen noch heute alte Kanonenrohre.

An der Ostseite befindet sich der eigentliche Haupteingang in das Schloss. Dieser führt dann in zwei große Innenhöfe des Gebäudes. Im größeren Hof befinden sich die Zierdeglocken, welche für ihr mittägliches Glockenspiel bekannt sind. Ich durfte diesem auch lauschen. Wahrlich beeindruckend. Nachdem ich an der Nordseite des Schlosses noch weit in das Landesinnere blicken kann, marschiere ich schließlich über dieselbe Himmelsrichtung wieder durch den Schlosspark hinab. 

 

Aussicht auf Brünn

Innenhof Schloss Spilberk mit Glockenspiel

Schloss Spilperk

Alte Kanonen auf Schloss Spilberk



Am Markt der Dominiánske namesti besuche ich auch das neue Rathaus sowie die Sankt Michael Kirche. Mein Weg führt mich jedoch weiter zum großen Freiheitsplatz in der Brünner Innenstadt. Hier steht die etwas seltsam aussehende astronomische Uhr Brünns, die einmal am Tag eine handgroße Glasmurmel auswirft. Viele Menschen stehen hier oft und warten, auf das sie dass Glück haben, eine so eine Kugel zu ergattern. Auch die große Pestsäule ist auf diesem Platz zu finden, so wie natürlich zahlreiche Geschäfte und Gaststätten.

Etwas weiter südlich vom Platz gelegen, erblicke ich den auffälligen Bau des Hauses der Herren von Leipa. Nur wenige Schritte daneben, fast schon der Nachbarbau des Leipahauses, ist das Palais Klein. Dies ist ein Neorenaissance Gebäude und zählt zu eines der Kulturdenkmäler der Tschechischen Republik. 

Nördlich weiter vom Freiheitsplatz marschiere ich nun entlang der Rasinova und erreiche so zuerst die Kirche Sankt Jakob. Nur wenige Schritte später stehe ich dann vor der Kirche Sankt Thomas und der Reiterstatue von Markgraf Jobst von Luxemburg, dem Wahrzeichens Brünns. Dies ist ein beliebter Treffpunkt von Studenten und im Winter wird um die Reiterstatue herum ein kleiner Eislaufplatz eingerichtet. So auch bei meinem Besuch. 


 

Haus der Herren von Leipa

Die Sankt Thomas Kirche

"GESCHICHTLICHES UND HIPPE SZENEN"

Weiter gehe ich zurück zur Straße Husova, wo mehrere interessante Gebäude auf mich warten. Zunächst stehe ich vor der Masarykova Universität. Vor dem Haupteingang steht die Statue des ersten Präsidenten der tschechischen Republik, nämlich Tomas Garrigue Masaryk. Besonnen, nachdenklich aber entspannt steht er da und blick auf seine Besucher herab.

Auf der anderen Straßenseite steht die musische Janackova Akademie der Kunst. Sie wurde 1947 gegründet, nachdem Leos Janacek sich sehr lange darum bemüht hat. Entwickelt hat sich diese Akademie allerdings ab den 90er Jahren. Da wurde das Theater und die Musikfakultet erneuert und erweitert. 

Im Blickfang beider Gebäude steht nördlich davon die Johann Amos Comenius Kirche von Giovanni Comenio, die auch als "Rote Kirche" bekannt ist. Von der deutschen lutherischen Gemeinde bis 1867 errichtet ist sie seit 1945 Teil der evangelischen Kirche der böhmischen Brüder. Von außen ist es ein schöner neugotischer Bau, der dennoch jung und frisch wirkt. 

 

Die Universität mit Statue des 1. Präsidenten Masaryk

Kunstfakultät der Masarykova Universität

Die musische und künstlerische Akademie Janáčkova

Die Moravska Gallerie / Kunsthaus


Spaziert man die Jaselska entlang in den Nordwesten, dann erreicht man nach einigen Minuten die Kunstfakultät, die im Sommer durch ihren Innenhof sehr beliebt ist. Hier kann man sich auf Wiesen und modernen Sitzbänken zurückziehen und im Schutz der Fakultätsmauern dem Straßenlärm entgehen. Allerdings ist der Innenhof im Winter nicht zugänglich. Wer jedoch im Sommer vorbeikommt, sollte diesen Ort auf jeden Fall besuchen.

Zurück auf der Straße Husova warten weitere spannende Bauten. Eines davon ist das Palais Prazak mit dem schönen Kunsthaus. Hier findet sich die Kunst der Moderne in ihrer Vielfalt wieder. Bliebt ist es bei Alt und Jung für ihre einzigartige Rutsche vom 2. in den 1. Stock. Die Ausstellung soll weitestgehend kostenlos sein und steht jedem somit zur Verfügung. Das Programm ändert sich saisonal. 

Die Basilika Mariä Himmelfahrt, welche sich dann östlich vom Freiheitsplatz befindet, ist eine Klosterkirche. Es handelt sich um eine gotische Kirche, die aber im Vergleich zu einer Basilika recht schlicht gehalten wird. Der Hochaltar ist bekannt durch seine dekorative Verzierung aus Alter, Kanzel und Skulpturen.

 

Johann Amos Comenius Kirche

Kirche Mariä Himmelfahrt


"AUF DEN SPUREN VON MUSIL UND MOHNPARFAIT"

Die letzte Kategorie aus dem Stadtführer von Irene Hanappi führt mich nun an der Außenringstraße der Altstadt. Es ist kein Geheimnis, dass die Konstruktion der Innenstadt sehr an Wien angelehnt ist. Und so fühle ich mich als Wiener auch ziemlich heimisch.

Neben einer längeren schönen Parkanlage befindet sich das Mahen Theater. Es überzeugt äußerlich durch seinen historischen Stil und ist so vor allem für Nostalgiker ein Muss. In diesem Habsburgergebäude werden laufend neue Theaterprogramme aufgeführt. Es kann jedoch auch besichtigt werden, was von den Einwohnern auch dringendst empfehlen wird. 

Nur wenige Schritte davon entfernt steht das nächste einprägsame Haus. Nämlich das Dum umeni, zu deutsch das Haus der Kunst oder auch Künstlerhaus. Es wurde als Kaiser-Franz-Josephs-Jubiläums-Künstlerhaus errichtet und beheimatet laufend alte und neue Galerien. 

Etwas weiter im Süden von beiden Häusern findet man auch schon das Mönitzer Tor. Dies ist noch ein Relikt aus der alten Zeit dieser Stadt und ist ein erhaltenes, wenn auch schon restauriertes Stadttor. Heute ist es dafür bekannt, das in seinem Nebengebäude ein Spielzeugmuseum beheimatet ist. 

 

Die Kunstgalerie Dům umění

Die Sankt Johanneskirche

Das Mönitzer Tor

Das Stadttheater 


Wenige Schritte davon entfernt reichen sich Nostalgie und Moderne die Hand. Die schimmernde Glasfassade des Einkaufszentrums Centrum fällt jedem Besucher sogleich ins Auge. Nur wenige Meter daneben, auf der anderen Straßenseite, befindet sich das Staatsgymnasium, wo ausschließlich in deutscher Sprache unterrichtet wird. 

Etwas weiter westlich der Janska befindet sich dann die St. Loreto Kapelle. Sie ist noch eine originale Struktur und der Eingang wird von zwei steinernen Engeln bewacht. Die Kapelle selbst ist bescheiden, jedoch mit einer Vielzahl architektonischer Elemente verziert. 

Abwärts der Josefska wartet dann die gleichnamige Sankt Josefs Kirche. Sie ist ursprünglich eine römisch-katholische Klosterkirche und Teil des Franziskanerklosters. Sie gehört innerlich zu den beeindruckendsten Kirchen der Stadt, auch wenn sie äußerlich sehr schlicht aussieht.

Zurück am Freiheitsplatz lohnt sich noch ein Besuch im Einkaufszentrum Alpha Passage. Einer meiner persönlichen Highlights war jedoch die Rutsche in der Salaterie UGO am Freiheitsplatz neben einem Burgerrestaurant. 

Und so endete mein erster Stadtspaziergang in Brünn. Der Stadtführer "Brünn - Gehen, Sehen & Genießen" bietet jedoch noch mehr Gelegenheiten. Diesen werde ich dann nachkommen, wenn der Frühling ins Land zieht. Denn dann werden wir die alten Gemäuer verlassen und hinaus durch die Lande ziehen.

 

Die Sankt Josefskirche

Rutsche im Gästebereich der Salaterie UGO

Meine getrackte Karte


Anreiseempfehlung "öffentlich" aus Wien:

REGIO-JET

Der Regio Jet ist ein tschechisches Eisenbahnunternehmen, welches auch Busse einsetzt. In meiner Planung war der Regio-Jet die kostengünstigste Möglichkeit, welche jedoch auch sehr bequem war. Vom Wiener Hauptbahnhof erreicht man Brünn in nur 1,5 Stunden. Der Hauptbahnhof liegt direkt zu Füßen der Altstadt, worauf man sogleich in einen abenteuerlichen Tag durchstarten kann. 

 


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