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ich, am Weg

20
Ju
Sonntagberg Pilgerweg
20.06.2018 11:27


DIE MINI-PILGERREISE ZU MIR SELBST

 

Warum zur Basilika am Sonntagberg?

Es gibt viele Wege um zu sich zu finden. Manch einer benötigt Wochen oder Monate und dabei eine besinnliche Route wie den Jakobsweg. Und das ist absolut in Ordnung und nachvollziehbar.

Auch in meinem Leben gab es zuletzt einige Veränderungen. Auch wenn man es mir kaum ansah und ich durch meine vielen sportlichen Aktivitäten oft abgelenkt war, ging es mir zuletzt nicht so gut. Die Stresseinwirkung meines Jobs hatte zuletzt schon recht grobe Auswirkungen auf meine Gesundheit. Darum hatte ich einen Schlussstrich gezogen und gekündigt. Aber all das ging bei mir auch nicht spurlos an mir vorüber. Und so wollte ich einige Tage abschalten und über mich und meine Zukunft nachdenken. 

Der Sonntagberg hatte auf mich seit 2015 eine magische Anziehungskraft. In diesem Jahr habe ich nämlich erstmals von seiner Existenz erfahren, als mein Vater und ich im Rahmen des oberösterreichischen Mariazellerwegs nah an ihm vorbei nach Waidhofen an der Ybbs wanderten. Die markante Basilika ist ja schon weit aus der Ferne zu sehen. Und sie hatte schon damals eine gewisse Aura die mich ummantelte. Ich wusste, irgendwann werde ich sie besuchen kommen. Schon einige Monate später hatte ich genug Informationen über eine Weitwandervariante auf den Sonntagberg herausgefunden. Den "Sonntagberg Pilgerweg". 

Und beinahe hätte ich ihn schon 2016 erwandert. Mein Vater und ich, das Pilgerdreamteam, wollten diesen Weg erwandert. Ich hatte auch bereits die Quartiere gebucht, als mein Vater dann aufgrund gesundheitlicher Probleme die Tour absagen musste. In weiterer Folge hielten wir am Plan der Mariazellerwege fest und marschierten 2017 dann vom Nebelstein nach Mariazell. Und so kam meine Idee für den Sonntagberg zu den symbolischen Akten. Bis vor Kurzen. Denn nun war die Zeit reif, diese Tour zu machen. Leider ohne meinem Vater, aber ich brauchte diese Tage für mich selbst. Und diese drei Tage schienen mir perfekt zu sein.



1. Etappe:
Von Maria Taferl nach Neustadtl an der Donau
28 Kilometer - 690 Höhenmeter auf - 620 Höhenmeter ab

 

Angereist bin ich an diesem Tag mit dem Zug aus Wien nach Pöchlarn. Dann brachte mich ein 8-Sitzer Kleinbus hinauf nach Maria Taferl. Diese Fahrt war schon recht aufregend. Doch als ich aus dem Auto stieg, da überkam mich gleich das Antlitz der Pfarrkirche von Maria Taferl und ihr einer breit ausgelegter Vorbau bzw. Balkon. Sofort blickte ich zur Donau hinab und konnte darüber hinaus weit in den Südwesten blicken. Dort wird es mich also noch hin verschlagen. 

Natürlich besuche ich die schöne Wallfahrtskirche und zünde gleich drei Kerzen an. Danach fasse ich mir ein Herz und marschiere los. Das Wetter ist stabil. Es ist sehr windig, da aus dem Norden ein Unwetter droht, welches aber noch eher weit weg ist. Der Weg verläuft ja großteils entlang des Jakobsweg. Über schwere Steinstufen und einem kleinen Waldpfad geht es doch schnell bergab nach Marbach an der Donau. Dort hole ich mir noch die nötige Tagesverpflegung und setzte meine Reise nun westlich der Donau fort.

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Zunächst bestaune ich noch die kleine aber feine Kirche St. Martin bei Marbach, konzentriere mich dann aber auf den herrlichen Donaustrom. Da fällt mir ein, das ich auf all meinen bisherigen Wanderungen noch nie westwärts der Donau marschiert bin. Nach dem Campingplatz bei Marbach macht die Donau an der Galgenleiten einen südwestlichen Bogen und ich kann in der Ferne schon die Kirche von Gottsdorf erkennen. Wenig später stehe ich auch schon vor ihr. Mein Weg führt mich jedoch noch um die Donauscheibe herum, sondern gleich direkt nach Persenbeug-Gottsdorf. Der Wind wird stärker und im Norden türmen sich, zwar in der Ferne aber doch, die ersten Gewittertürme auf. Vorbei am Schloss Persenbeug erreiche ich schließlich das imposante Donaukraftwerk, welches ich wie über eine Brücke überqueren muss. Es ist wahrlich eindrucksvoll, wie hoch dieses Kraftwerk doch ist. 

Nun nimmt die Tour jene Charakteristik an, welche mich fast bis an den Zielort begleiten wird. Üppig und bewaldet. Es folgt der Aufstieg zur Marienhöhe und ich kann noch einmal auf Persenbeug zurückblicken. Ein schmaler Pfad führt mich durch den Wald entlang der Anhöhe bis zur Donauleiten. Es ist schon ein außgergewöhnliches Gefühl, wenn einem der Wald alleine gehört. Die Hitze drückt doch ordentlich und ich muss immer öfter einmal Trinkpausen einlegen. Nach dem kleinen Tal bei Grub folgt nun der Aufstieg bzw. die Umrundung des Hengstbergs, welche teilweise unter freiem Himmel verläuft. Wunderschöne Aussicht, aber durch den Asphalt drückt die Hitze gleich aus zwei Richtungen. Schließlich steige ich hinab, vorbei an den Höfen bei Hengstberg, in den Straßengraben neben dem Willersbach. 

Dort gibt es eine kleine Überraschung für mich, denn die Straße, die von Hengstberg nach Willersbach an der Donau führt, ist auf Grund von Bauarbeiten abgesperrt. So nehme ich eine kleine abenteuerliche Expedition durch den Wald und eine überquerung des Baches samt Kletteraufstieg über eine Ziegelmauer auf mich um weiterwandern zu können. Gleich folgt wieder ein Aufstieg ohne Sonnenschutz empor zur Reith und der Luegerkapelle. Die Unwettertürme verdichten sich und werfen grauschwarze Schleier in meine Richtung. Die Luft steht. Ich fühle mich wie in einer Sauna. In der Ferne erblicke ich bereits mein Tagesziel, doch es bedarf noch einen Aufstieg über die Siedlungen bei Berghof. Dort gelange ich noch einmal in einen Wald. Meine Wasserreserven sind aufgebraucht. Darum muss ich mir bei einem Bauernhof etwas aus einem Gartenhahn zapfen. Hoffe, das Grundwasser hier ist bekömmlich. Es folgt noch ein südwestlicher Bogen entlang der Straße, ehe ich dann Neustadtl an der Donau erreiche. Schließlich checke ich beim Kirchenwirt der Familie Kürner ein. Mein Zimmer ist in einem Nebengebäude und Fr. Kürner hilft mir noch den Fernseher richtig einzustellen. Im Nebenzimmer wohnt ein weiterer froher Wandersmann. Es ist Heinz aus der Schweiz, der sich auf dem Jakobsweg befindet. Wir unterhalten uns und haben eine recht gute Zeit miteinander. Danach hole ich mir vom Markt noch Abendverpflegung und begebe mich zur Ruhe. Obwohl einige dunkle Regenwolken aufgezogen waren, brach die Wolkendecke nicht. Der Regen blieb aus.

Mein Fazit:

Diese Tour ist eine gute Einleitung. Zunächst geht es ja noch eben entlang der Donau, doch ab dem Aufstieg auf die Marienhöhe zeigt sich der wahre Charakter der Tour. Es sind nicht die überragenden Höhenmeter, jedoch das häufige Wechselspiel zwischen Auf- und Abstieg, welches man nicht unterschätzen sollte. Im Hochsommer bzw. bei warmen Temperaturen empfiehlt sich jedenfalls ein Check des eigenen Wasserhaushalts.

Zwischen Persenbeug und Neustadtl an der Donau gibt es keine Einkehrmöglichkeiten mehr, außer würde bei Willersbach zur Donau absteigen. Neustadtl an der Donau liegt auf einem markanten Plateau. An schönen klaren Abenden empfiehlt sich daher ein kleiner Spaziergang zur Kirche. Dort befindet sich ein Balkon, von wo ihr einen herrlichen Ausblick auf das Umland habt und auch in der Nacht die vielen Lichter der einzelnen Ortschaften genießen könnt. Genächtigt habe ich beim Kirchenwirt Kürner. Vom Gasthof selbst habe ich nichts gesehen. Von außen wirkt er pompös. Aber mein Zimmer im Nebengebäude hatte alles, was es brauchte und war sauber. Als ich Probleme mit dem Sateliten-TV hatte, war Fr. Kürner, trotz Ruhetag, sofort zur Stelle und hat mich unterstützt. Das Frühstück in der Gaststube war ausreichend und man wurde herzlich versorgt. Ich war zufrieden und zog gestärkt am nächsten Tag weiter. 

Pfarrkirche Maria Taferl

In Richtung Persenbeug-Gottsdorf

Blick vom Hengstberg in den Osten

Blick auf den Donaustrom

Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug

Blick vom Hengstberg in den Süden

Marbach an der Donau

Blick auf Persenbeug-Gottsdorf

Typischer Wegcharakter

Holzfiguren beim Rosenbichl

Blick auf die Donau bei Weins

Kirche bei Neustadtl an der Donau

Hengstberg Panroama

Karte:



2. Etappe:
Von Neustadtl an der Donau nach Aschbach-Markt
26 Kilometer - 490 Höhenmeter auf - 680 Höhenmeter ab

 

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne und die Luft ist einfach nur wunderbar. Ich treffe den Pilger-Schweizer Heinz noch vor meinem Zimmer und wir begeben uns gemeinsam in die Gaststube um zu frühstücken. Er ist schon lange unterwegs und hat Probleme mit den Füßen. Darum wird er heute mit dem Bus weiterfahren. Wir unterhalten uns prima und haben viel Spaß ehe wir dann, schon etwas durch das angenehme Gespräch verspätet, aufbrechen.

Vor lauter Euphorie wegen dem schönen Wetter nehme ich gleich einmal die Falsche Abzweigung und mache so fast einen Kilometer Fleißaufgabe. Letztendlich führt der richtige Weg aber westlich aus Neustadtl hinaus. Aber schon nach dem Burgkogel merke ich, das aus dem Norden eine gewaltige Wolkensuppe brodelt. Und sie kommt definitiv in den Süden runter. Auch wenn ich größten Respekt vor Gewitter habe, versuche ich aber gelassen zu bleiben und genieße noch die Zeit und die herrliche Aussicht in den Süden.

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Eines der größten Highlights dieser kleinen Pilgerreise soll nämlich nun sehr bald folgen. Ich lasse Vierkanthöfe und Autostraßen hinter mir und steige schließlich hinauf auf den Kollmitzberg. Im Norden zieht bereits die breite Warmwetterfront herauf. Über der Donau wird es bereits dunkelgrau und die Wolkentürme immer höher. Im Süden jedoch wirkt alles freundlich und höchst einladend. Der Kollmitzberg ist ein kleiner Hügelgupf mit einer Wallfahrtskirche, welche der heiligen Ottillia gewidmet ist. Bekannt ist der Kollmitzberg überregional durch seinen Kirtag. Die Aussicht, welche hier in alle Himmelsrichtungen verläuft, ist einfach grandios. Und ich kann hier auch noch einmal Abschied vom Donaustrom nehmen. Letztendlich ziehe ich aber dann in den Süden nach Ardagger weiter und hoffe so dem drohenden Unwetter zu entkommen. Aber schon beim Paulberg kurz davor höre ich den ersten Donner aus der Ferne.

Es sieht schon gewaltig aus, wenn eine Wolkenfront vor dir aufzieht. Erneut steht die Luft, es wird unheimlich stickig und heiß. Ich marschiere über die Bundesstraße und steige den Pfaffenberg empor. Es bleibt mir auch keine Zeit den Stift Ardagger zu besuchen, denn mittlerweile ziehen die ersten Wolkenfelder über meinen Kopf hinweg. Und als ich Ardagger verlasse, muss ich mich nun entscheiden. Entweder über den Pfaffenberg und den Oedhof weiter nach Zeilen marschieren, dabei aber keinen Unwetterschutz vorzufinden, oder einen kleinen Umweg über Stephanshart zu wagen und im Falle eines Wolkenbruchs dort in einem Gasthaus zu verweilen. Ich entscheide mich für Stephanshart, denn das Graupeln und Donnern wird lauter. Mittlerweile hat das Himmelblau mit Dunkelgrau und trüb getauscht. Und so wandere ich nach Stephanshart und setze mich abwarten in ein Buswartehäuschen aus massiven Gestein. Es wird windiger und grauer aber es setzt kein Regen ein. Nach einer halben Stunde beruhigt sich die Wetterlage sogar. Ein Blick aus meinem selbstgesuchten Schutzhaus verrät mir, das die Wolkenfront in den Südosten abzieht. Mittlerweile ist auch kein Donner mehr zu hören. Also kann ich meine Reise nun fortsetzen. Eine freundliche Radfahrerin deutet mir auch noch den Weg zur Friedlmühle, wo ich auch wieder auf den Originalweg treffen sollte. 

Und während ich  zur Friedlmühle entlang der Autostraße emporsteige, fühle ich mich ziemlich erleichtert und froh. So froh, dass ich zum Handy greife und eine Sorge, die mich zuletzt beschäftigt hatte, mit einer Koversation zu lösen. Es ist der erste Schritt um den Kopf klarer zu bekommen. Den Mut aufzubringen, ein Problem zu lösen, führte dazu, das ich mich im Park neben dem Schloss Zeilern auf eine Parkbank setzte und in mein Wanderbüchlein schrieb. Manche Einträge sind sehr persönlich. Trotzdem möchte ich zwei meiner Zitate hier anführen.
 

"Das Gefühl zu bündeln,
es zuzulassen das es fließt,
gibt am Ende Kraft und Mut,
die richtigen Entscheidungen zu treffen."

(Peter Ofner)

"Überwindung, seine Fehler einzugestehen,
führt dazu, die Balance, seine Mitte wiederzufinden.
Denn einmal von der Seele gesprochen,
liegt das Urteil nicht mehr in Deinen Händen."

(Peter Ofner)

Nach einer kurzen gemütlichen Rast in Zeilern marschiere ich nun westlich weiter entlang des Zeitbachs nach Oberzeilern. Das Wetter stabilisiert sich und nach und nach kommt auch wieder die Sonne zum Vorschein. Jetzt wo ich meine Gedanken niedergeschrieben habe, fühle ich mich noch besser und ich genieße diesen Weg total. Ich gelange nun in das kleine Tal bei Groschopf wo ich nach einem kurzen Aufstieg schließlich Die A1 Westautobahn erreiche, welche ich mittels Unterführung passiere. Gleich darauf muss ich noch über die Schnellstraße ehe ich das Gebiet des Flachbergs erreiche. Aber der nennt sich nur so. Flach ist hier gar nichts. 

Doch abseits der Autobahn erkenne ich erstmals mein eigentliches Ziel, nämlich die Basilika am Sonntagberg. Sie ist noch so weit weg, aber durch die tolle Fernsicht immer noch der markanteste Punkt in der Umgebung. Vor mir taucht ein kleiner Ort namens Krottendorf in einer kleinen Grube auf. Ich steige hinab und auf der südlichen Seite wieder empor. Und schon stehe ich vor dem Nordeingang des Heuwaldes. Da die Sonne nun wieder ordentlich drückt, bin ich sehr froh, dass die nächsten Kilometer nun durch den Wald führen. Es ist generell eine willkommene Abwechslung für mich jetzt durch den Wald zu marschieren. Der Weg an diesem Tag war doch eher im Gras- und Hügelland verlaufen. Letztendlich verlasse ich den Heuwald auf der Höhe des Kreuzberges und marschiere nun östlich hinab zur Neubrunner Straße. Davor konnte ich schon einen Blick auf mein heutiges Etappenziel werfen. Es ist ein irre witziges Gefühl, wenn Du auf einem Blick sowohl das Ziel des eigentlichen Tages als auch das vom Folgetag sehen kannst. Letztendlich führt mich die Straße nun südwestlich nach Aschbach-Markt. Der Ort ist um einiges größer als Neustadtl und liegt auch auf einer kleinen Senke. Ich steige also empor zum Rathausplatz und stärke mich noch bei der Bäckerei Riesenhuber, denn mein heutiger Gastgeber, das Gasthaus Lettner hat noch nicht geöffnet. Ich bin zu früh. Aber das ist kein Problem für mich. Später ist es dann soweit und ich darf eintreten. Ich checke ein und beschließe noch den nächst größeren Supermarkt aufzusuchen. So ein kleiner Ortsspaziergang tut jetzt richtig gut. Vom Unwetter, welches an mir vorbeigeschrammt war, fehlte dann jede Spur.

Mein Fazit:

Diese Etappe war für mich persönlich etwas spannender als jene vom Vortag. Der Kollmitzberg ist wahrlich ein Hotspot auf dieser Tour, den man auch Abseits des Wandervergnügens einmal besuchen sollte. Der Ausblick ist einfach großartig und auch so erscheint der Ort weit weg vom Alltag zu liegen. Das anrollende Unwetter zwang mich zu einem Umweg über Stephanshart. Aber nachträglich betrachtet bin ich froh hier gegangen zu sein, denn so konnte ich noch eine schöne Ortschaft auf meinem Weg kennenlernen. Nach Zeilern und spätestens nach der Unterschreitung der Westautobahn ändert sich der Charakter der Etappe etwas. Der Abschluss durch den Heubergwald darf ruhig als Belohnung angesehen werden. Ich verbrachte die Nacht im Gasthaus Lettner, einem recht großen Gasthof. Und auch hier war ich nicht der einzige Wanderer. Man erwartet sogar eine ganz große Gruppe, weshalb man in der Küche auf Hochtouren lief und man mir beim Einchecken eher weniger Aufmerksamkeit schenkte. In diesem Fall war das aber nicht schlimm, denn ich wollte auch schnell meine Ruhe haben. Das Einzelzimmer wiederum war sauber und in Ordnung. Ein großes Flat-TV half mir wieder beim Einschlafen. Das Frühstück am Morgen in der Gaststube war ok. Das Frühstücksbuffet war jetzt zwar nicht das Größte, aber man fand alles, was man für einen gelungenen Start in den Tag brauchte. Der Herr des Hauses, das Gastwirt, lockerte seine Gäste mit seiner fröhlichen Art und seinen Witzen auf. Ich habe das Haus mit einem zufriedenen Gefühl verlassen. 

Schweizer-Freund Heinz

Skulptur am Kollmitzberg

Schloss Zeilern

Rückblick auf Neustadtl an der Donau

Blick zum Ardagger Stift

Blick auf Krottendorf

Kurz vor dem Kollmitzberg

Ich in Stephanshart

Bildstock im Heubergwald

Ausblick vom Kollmitzberg

Marterl vor Zeilern

Kirche von Aschbach-Markt

Panorama in Richtung Ybbs

Karte:



3. Etappe:
Von Aschbach-Markt auf den Sonntagberg
26 Kilometer - 770 Höhenmeter auf - 380 Höhenmeter ab

 

Das Finale steht vor der Tür. Bislang hatte ich mit dem Wetter ja großes Glück gehabt. Zwei Tage und zweimal rauschte die Front an und zweimal bin ich ihr entronnen. Und ihr glaubt ja nicht was,  mir am letzten Tag widerfahren sollte. Kurzum, es war der Tag, wo ich wusste, und mir auch der aktuelle Wetterbericht bestätigte, das es ab Mittag im Raum Sonntagberg zu teils heftigen Gewittern kommen sollte. Das war mir klar und beunruhigte mich daher nicht wirklich. 

Ich legte meine Tagesplanung so an, dass ich schon sehr früh, gegen 7:00 Morgens, das Gasthaus verlassen konnte. Somit sollte ich gerade um die Mittagszeit herum bereits am Sonntagberg ankommen und somit das Unwetter noch umgehen. Aber wie dem auch sei. Ich frühstücke und breche letztendlich auf um diese Tour erfolgreich abzuschließen. Als ich am Hauptplatz stehe, ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Nur der Wind weht etwas stärker vom Osten, aber im Norden sind keine Wolkenfelder zu sehen. Das ist schon mal gut so.

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Ich verlasse Aschbach, überquere den Kumpfmühlbach und steige empor zum Schramenhof. Der angenehme Wind kühlt meine überhitzte Haut ab und es tut doch recht gut. Die Aussicht in den Westen hinein nach Seitenstetten ist umwerfend. Diesen Ort werde ich schon bald erreichen. Gleich unterhalb von meinem Weg, im Süden, befinden sich die Schienen der Westbahn. Über den Wipfelhof erreiche ich weiter westlich dann den Ort Krenstetten und seine Wallfahrtskirche. Die Beschaffenheit des Weges ist nun, ich würde sagen sehr südniederösterreichisch bzw. oberösterreichisch zu beschreiben. Weite Hügellandschaft aber mit wenig Bewaldung. Für Fernsichtfans wie ich einer bin einfach traumhaft. Weiter geht es über den Markstein und Bubendorf hinab zu den Westbahnschienen wo auch schon eine Unterführung auf mich wartet. Hier mache ich eine kurze Rast. Als ich nun einer Feldstraße westlich folge, erkenne ich erstmals im Südosten, dort wo ich der Sonntagberg aktuell aus meiner Sicht befindet, Quellwolken. 

Nachdem ich den Flugplatz im Norden Seitenstetten erreiche, muss ich erneut eine Entscheidung treffen. Als ich die ersten Gewittertürme in Richtung Sonntagberg erblicke, möchte ich keine Zeit mehr verlieren. Und so lasse ich das Eck über Weidersdorf aus und folge gleich der Peter-Lisec-Straße in den Süden nach Seitenstetten. Aber so groß war der Umweg nun auch nicht. Trotzdem ersparte es mir wohl eine halbe Stunde. In Seitenstetten angekommen suche ich einen Supermarkt auf und verköstige mich noch einmal, bzw. fülle meine Wasservorräte auf. Ein kurzer Besuch beim Stift Seitenstetten lassen Erinnerungen an den Stift Altenburg vom NÖ Mariazellerweg wach werden. Über den Feldweg verlasse ich nun Seitenstetten, worauf der Weg seine Richtung nun komplett von Westen in den Südosten abändert. Er führt jetzt geradewegs auf den Sonntagberg zu. Doch zuvor muss ich noch einen weiteren Berg überwinden. Nach dem Schacherhof folgt nun der Aufstieg auf den Blümelsberg. Und auf der Höhe des Wildheurigen Kronawetters überkommt mich wieder dieser einmalige Fernblick, welcher mich nun endgültig in den oberösterreichischen Mariazellerweg von 2015 versetzt. Kein Wunder. Ich bin nun ganz in seiner Nähe. Und am Karl-Lammerhuber-Blick am Gerhartsberg verschlägt es mir dann die Sprache. 

Erstmals kann ich die Basilika am benachbarten Sonntagberg klar und deutlich erkennen. Sie ist wahrlich ein Augenschmaus und ich hab das Gefühl, ich kann sie schon mit meinen Händen ergreifen. Doch zwischen uns liegt noch das Ybbstal. Doch auch klar erkennen kann ich nun die vorhergesagte Unwetterfront aus dem Süden. Und diese ist um einiges gewaltiger als noch jene vom Vortag. Und sie kommt schnell näher. Obwohl ich noch die Fernsicht am Gerhartsberg genieße, rauscht der Wind jetzt schon relativ heftig über das Hügelland. Ich sollte mich sputen. Ich spurte in den Graben über den Grübl zum Biberbach und muss sogleich entlang der Straße wieder empor zu den Höfen am Riedl und Moselberg. Am Linsberg riskiere ich noch einen Blick zum Sonntagberg. Die Unwetterfront fährt bereits seine Krallen aus. Es zieht zu und die Wolkentürme ober mir sind bereits so hoch, das ich deren oberste Etage nicht mehr erblicken kann. 

Über ein kleines Waldstück geht es nun relativ rasch talwärts in das Ybbstal und dem gleichnamigen Fluss Ybbs. Hier wartet bereits der Ort Rosenau am Sonntagberg auf mich. Es ist jener Ort, von dem ich dann später abreisen werde. Doch ich habe noch einen Job zu erledigen. Ich muss noch hoch zum Sonntagberg. Ich eile zur Sonnensiedlung am Fuß des Sonntagbergs und möchte nun mit dem Aufstieg beginnen, als ich ein lautes Donnern vernehme und einen Blitz aufleuchten sehe. Meine Laune fällt kurz in den Keller, denn wie es scheint, komme ich zu spät. Ich stehe vor dem Aufstieg auf mein Pilgerziel und würde jetzt vom Unwetter doch noch heimgesucht werden? Was nun tun? In Rosenau bleiben? Auf den Sonntagberg aufsteigen und hoffen das nichts passiert? Mit etwas Frust im Bauch bringe ich den Mut auf den Aufstieg zu wagen. Ich will die Basilika erreichen. Und dann passiert das, was ich heute wie ein klitzekleines Wunder empfinde. Noch am halben Weg hinauf, ich erreiche gerade eine Bauernhofweide, reißt die Wolkendecke genau über mir und den Sonntagberg auf und die Sonne weist mir den Weg. Es ist wie ein Lichtkegel, der genau auf die Basilika deutet. Ich weiß, das ließt sich kitschig, aber es ist die Wahrheit. 

Kurz vor meinem Ziel hat die Sonne sogar wieder soviel Kraft, das mir wieder warm wird, bzw. der Asphalt der Sonntagbergstraße die Hitze aufkocht. Ich blicke in den Süden, dort ist alles tiefschwarz und ich höre es erneut donnern. Doch ober mir scheint noch immer die Sonne auf den Sonntagberg. Und dann ist es soweit. Ich steige die letzten Stufen zur Basilika hoch und berühre die Eingangstüre mit meinen Händen. GESCHAFFT !!! Ich bin nicht alleine am Sonntagberg. Es finden gerade Sanierungsarbeiten statt und einige Bauarbeiter unterhalten sich. Ich stoße dazu und sehe was sie so beunruhigt. Im Süden, nur wenige Kilometer von uns entfernt, geht das Gewitter nieder. Sogar Waidhofen and der Ybbs kann ich kaum mehr erkennen. Doch blicke ich auf die Basilika und in den Süden, ist das Wetter freundlich. Ich besuche die Basilika, zünde wieder drei Kerzen an, stürme den Andenkenladen und setzte zu meinem Abstieg nach Rosenau an. Das brodelnde Gewitter folgt mir zwar in den Westen, doch es zieht nicht her. Als ich den Bahnhof in Rosenau erreiche, zieht es dann aber doch zu. Und als ich in den Zug steige, beginnt es tatsächlich zu regnen. Exakt in dem Moment wo sich die Tür der S-Bahn öffnet. Wieder kitschig? Aber genau so war es. Drei Tage lang wurde ich vom Unwetter verschont. Ich nehme das so hin und bin einfach nur dankbar darüber. 

 

Mein Fazit:

Das Finale hielt was es versprach. Da der oberösterreichische Mariazellerweg bei mir persönlich auf Platz 2 meiner liebsten Weitwanderwege liegt, fällt meine Objektivität eventuell sehr persönlich aus. Kurz gesagt, ich mag diese Gegend. Ich mag diese frei stehenden Hügel, diese Üppigkeit. Seitenstetten erschien mir sehr interessant, doch ich hatte leider wenig Zeit zu verlieren. Der Marsch über den Blümelsberg war dann noch einmal so ein richtiger Anheizer für die letzten Kilometer. Das Ziel klar vor Augen und doch hat man noch etwas zu tun. Die Basilika am Sonntagberg war genau so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Es war genau der Ort, den ich damals schon 2015 eines Tages besuchen wollte und steht fast auf einer Stufe mit Mariazell. Die Aussicht war großartig. Das ein sonniger Lichtkegel mich auf den Sonntagberg führte, während ringsherum scheinbar die Welt unterging, ist einfach nur ein zufälliges Naturschauspiel, oder? Aber eigentlich sehe ich das viel lieber als Symbol meiner kleinen Pilgerreise an. Das Licht, welches die Richtung zeigt. Oder man soll die Hoffnung nie aufgeben. Es kommt immer anders, als man es denkt. Man könnte viel hier einsetzen. Jedenfalls konnte ich sehr viel hier mitnehmen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. 

Fotos: 

Blick zurück auf Aschbach-Markt

Hinauf zum Blümelsberg

Aufstieg auf den Sonntagberg

Blick in den Westen

Aussichtsplatz am Gerhartsberg

Nur noch wenige Schritte

Wallfahrtskirche Krenstetten

Blick auf das Ziel

Die Basilika am Sonntagberg

Blick auf den Stift Seitenstetten

Rosenau am Sonntagberg

Geschafft !!!

Panorama vom Gerhartsberg

Panorama Sonntagberg Nord

Karte:



Infobox:

Gesamtverlauf der Tour (outdooractive / Autor: Kathrin Haas)
Mostiviertel Infos über den Sonntagberg Pilgerweg
Gasthaus Kürner
Gasthaus Lettner
Basilika Sonntagberg

 

WW07 - Retz - Mailberg

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