Niederösterreichischer Mariazellerweg 4/11

Veröffentlicht am 14. Juni 2017 um 16:59

4. Etappe:
Von Peygarten-Ottenstein nach Altenburg
33 Kilometer - 720 Höhenmeter auf - 860 Höhenmeter ab

Nach einer erholsamen Nacht im Ottensteinerhof soll nun unsere erste große Etappe mit über 30 Kilometer erfolgen. Das Gute ist, die angekündigte Kaltfront ist tatsächlich an uns vorbeigerauscht. Und die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist grandios. Jetzt können wir uns endlich entspannen. Wobei entspannen? Es warten 33 Kilometer durch und entlang des Kamptals auf uns. Aber wir sind guter Dinge und starten gut gelaunt.
Der Waldviertel Kulturpfad führt uns östlich von Peygarten-Ottenstein wieder zurück auf den Mariazellerweg. Bei den Parkplätzen zum Hotelrestaurant Ottenstein folgt dann ein kurzer, aber steiler Waldsteig hinab zur Bundesstraße und dem Pumpspeicherkraftwerk. Dieses kleine Stück sollte man nicht unterschätzen! Wir stehen nun vor der Ottnsteiner Staumauer. Sie sieht schon beeindruckend aus. Direkt vor uns, oberhalb der Brücke über den Kampf sehen wir auch das Schloss Ottenstein. Schlösser und Ruinen sollten wir auf dieser Tour noch oft zusehen bekommen.

Nun folgt eine schöne Waldstraße entlang des Kamps in den Osten. Das kleine Tal erstreckt sich zwischen dem Mühlgraben und der Hald. Besser bekannt ist dieses Gebiet als Dobrastaussee. Noch ehe der Stausee einen südlichen Bogen macht, biegen wir links ein und steigen den Pfaffengraben nach oben. Anschließen verlassen wir für einen Moment den Wald und gelangen über eine Straße zum freiliegenden Schloss Waldreichs. Dort befindet sich das niederösterreichische Falknerei- und Greifvogelzentrum.
Der Weg schlängelt sich nun zurück zum Kamp und führt hinab zum Mühlhörndl. Danach schwingt er ab und führt in den Norden hinauf entlang des Schloteinbachs. Vor der Seeleiten führt der Weg nun wieder östlich hinein in den Ort Reichhalms. Der Wetzlsbach führt und für einen Moment nördlich hinauf zum Schloss Wetzlas samt Schlosspark. Die Straße in den Osten begleitet uns nach Schmerbach am Kamp. Dann war es das aber auch schon wieder mit den ausgesetzten Feldern im Norden des Kamps, denn nun folgen wir dem Schmerbach südöstlich durch einen Waldgraben hinab bis kurz vor der Ruine Schwarzenöd. Dort treffen wir wieder auf den Kampf, der hier erneut ein kleiner Fluss, und kein Armkanal mehr ist. 

Es folgt ein schönes Stück entlang der Kamp, wo vor dem Speicherkraftwerk Dobra-Krumau sogar ein kleiner Klettersteig in den Fels, neben den Fluss geschlagen wurde. Eine wirklich tolle Abwechslung. Und so erreichen wir schließlich den Ort Krumau am Kamp und gönnen uns dort unsere erste Rast am Hauptplatz. Da kann man sich schon mal ne knackige Wurstsemmel und einen Hopfenblütentee genehmigen, oder? *gg*
Nach der wohltuenden Pause folgt ein weiteres schönes Stück entlang des Kamps. Zunächst umrunden wir den kleinen Thurnberger Stausee, ehe wir der Konkurrenzstraße Kampfeld folgen. Der Thurnberger Stausee ist wieder ein breiterer See bzw. Kanal des Kamps, der sich mal nördlich, mal südlich, aber letztendlich in den Osten schlängelt. Wir erreichen nun die Schattauersiedlung und die Idolsberg-Straße. Hier können wir in der Ferne zwar die Thurnberger Staumauer erkennen, aber wir kommen nicht an ihr vorbei. Der Weg führt nämlich dann links durch den Hörecker Wald hinauf zur Bundesstraße L7073, welcher wir dann folgen und uns schließlich wieder leicht talwärts nach Thurnberg führt.

Hier bricht der Weg für uns sogleich in den Norden und wir stehen vor einer beeindruckenden Felswand, welche aus dem Wald herausragt. Wir folgen also dem Kamp und lassen auch Thurnberg hinter uns. Kurz wird es etwas eintönig, da man nun immer entlang der Autostraße marschiert. Diese führt immer mehr östlich und direkt nach Wegscheid am Kamp. Hier machen wir auch noch einmal eine kurze Rast. Die Strecke bis hier her war doch schon etwas anspruchsvoll, da sie stets auf und ab verläuft. Der Weg führt nun weiter an der Ortskapelle Mariä Krönung vorbei und wird zu einem Waldpfad entlang des Kamptals. 

Und dieses Kamptal ist wahrlich eines der Höhepunkte des gesamten niederösterreichischen Mariazellerwegs. Im Laufe der nächsten 10 Kilometer erwarten uns traumhafte Steinbetten am Kamp, ein ungestörtes Flussbett durch den Hornerwald. Hier ist man wahrlich abgeschieden von jeder Zivilisation. Nur das Rauschen des Bachs, das Spiegeln des glasklaren Wassers, das Singen der Vögel und die Klänge des Waldes sind zu vernehmen. Es ist traumhaft!
Wer diese Strecke einmal abwandern möchte, sollte auf jeden Fall 10-12 Kilometer erwandern können, denn es gibt kaum einen Weg aus diesem Tal des Kamps. Auch der Handyempfang ist hier nur eingeschränkt verfügbar. 
Später mündet der Betzenbach in den Kamp. Ober uns würde die Ruine Schauerstein warten, doch sie ist zu weit oberhalb von uns, als dass wir sie erspähen können. Wir marschieren weiter entlang des Kampstals zwischen dem Bründlberg und Dürrenberg hindurch. Erst am Fuße des Schopfengrabens, wo sich die Reithmühle befindet, erreichen wir eine freie Fläche mit vielen Flusspflanzen und feuchten Wiesen. Am unteren Ende des Hirschgrabens gelangen wir aber wieder in den Waldpfad zurück. Wenig später erreichen wir dann den kleinen Ort Steinegg sowie die Ruine Steinegg.
Steinegg ist wahrlich die erste Ortschaft seit Wegscheid am Kamp und liegt immer noch tief im Tale des Kamps. Einst gab es hier einen bekannten Gasthof für Pilger und Weitwanderer. Allerdings wurde dieser Hof verkauft und wird aktuell, während wir daran vorbeikommen, umgebaut. Ein Anrainer erzählt uns, dass der neue Besitzer einen neuen Gasthof erreichten möchte. Das wäre natürlich super!

Da es nun in Steinegg kein Quartier mehr gibt, haben wir im Vorfeld im ca. 3 Kilometer entfernten Altenburg, genauer gesagt beim Stift Altenburg, ein Quartier reserviert. Nach 30 intensiven Kilometern heißt, dass für uns nun Zähne zusammenbeißen und noch einmal 300 Höhenmeter aus dem Kamptal hinauf wandern. Im Waldgebiet der Sulz verlassen wir dann den Mariazellerweg und marschieren nördlich weiter durch den Wald, bis wir genau vor dem Stift ankommen. Aber diese letzten Höhenmeter hatten es wahrlich in sich gehabt. Aber so erreichten wir nach 33 Kilometern uns Etappenziel.

Stift Altenburg liegt südlich von Altenburg und am nördlichsten Waldrand. Die Ruhe in den alten Gemäuern ist sehr entspannend. Wir haben je ein Einzelzimmer, aber eine große Gemeinschaftsküche und einen sehr bequemen Ruheraum. Das wäre ein idealer Ort für einen Entspannungsurlaub. Ungelogen! Mir hat der Aufenthalt im Stift Altenburg wirklich sehr gefallen. Und ich habe auch gemütlich geschlafen.

 

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