Břeclav & Kulturlandschaft Lednice-Valtice

Veröffentlicht am 15. Jänner 2022 um 18:48

Wo: Lundenburg / Südmähren / Tschechische Republik
Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Wien: Wien Hbf - Breclav (Regio Jet - Rail Jet) ca. 1 Stunde

Meine Tour beginnt direkt am Bahnhof von Lundenburg, welcher noch im Stil eines alten Zollhauses aufgebaut ist. Heute ist er eine wichtige Schnittstelle für den weiteren Zugverkehr aus Österreich und der Slowakei durch die Tschechische Republik. Gleich gegenüber vom Bahnhof steht die Kaple sv. Cyrila a sv. Metoděje. Sie war die erste christliche Anlaufstelle für das stille Gebet vor dem Bau der modernen Wenzelskirche. Sie wurde 1856 zu Ehren des Fürsten von Liechtenstein erbaut.
Nach dem Übersetzten der Straße 
Stromořadní betreten  wir den örtlichen Stadtpark, an dem am nordwestlichstem Ende die Kaple sv. Rocha zu finden ist. Diese Kapelle erfreut sich großer Beliebtheit in der Stadt. Ihr Äusseres gleicht einer Skulptur und ist ein kleines, aber markantes Bauwerk. An der Ostseite des Parks finden wir weitere Kunstwerke aus Beton an der modernen Parque Břeclav, der Fußgängerzone von Lundenburg.

Bahnhof Breclav

Kaple sv. Cyrila a sv. Metoděje

Kaple sv. Rocha

Kunstwerk an der Parque Břeclav


Nun marschieren wir von der Rocha Kapelle weiter entlang der Straße Jungmannova, bis wir an deren Ende die protestantische Kirche Sbor Církve adventistů sedmého dne erreichen. Dort kann Chorgesang erlernt werden und auch eine Samstagsschule wird durch den Kirchenverein angeboten. Weiter folgen wir der Straße Nerudova, bis wir am schönen Strom der Thaya ankommen. Dort halten wir uns nördlich und folgen der Straße Smetanovo nábř. bis zur Brücke der Hauptstraße listapadu. Gegenüber befindet sich die Grundschule sowie der Kindergarten der Stadt. Davor steht die Statue von T.G. Masaryk, dem Mitgründer und 1. Staatspräsidenten der Tschechoslowakei. 

Folgt man der Straße 
Sovadinova entlang der Grundschule, so erkennt man wenige Meter später bereits den Vodárenská věž, bzw. den Wasserturm, der gelegentlich geöffnet wird und als Aussichtsplattform genutzt wird. Wir folgen nun der Hauptstraße listapadu westwärts bis zur Ecke U Tržiště, wo sich auch die örtliche Post befindet. In der kleinen Seitengasse befinden sich sowohl die Městské muzeum a galerie: Synagoga, die Gallerie der neuen Synagoge sowie das Liechteinsteinhaus, welches heute die örtliche Information beheimatet. 

Sbor Církve adventistů sedmého dne

Spaziergang an der Thaya

Vodárenská věž / Wasserturm

T.G. Masaryk

Městské muzeum a galerie: Synagoga

Das Liechtensteinhaus / Touristeninformation


Kurz vor dem Ende der Straße listopadu gabelt sich diese in eine Nebenstraße, der T.G. Masaryka auf. Am Gabelpunkt steht die neue, moderne und imposante Kostel sv. Václava oder auch Wenzelskirche. Sie darf getrost als das neue Wahrzeichen von Lundenburg bezeichnet werden, denn sie ist der Blickfang aus allen Himmelsrichtungen. Mit ihrem schönen Vorplatz, der auch ein kleiner Park ist, ist sie ein idealer Begegnungsraum für die Menschen dieser Stadt. 

Wir übersetzten die T.G. Masaryka Straße und folgen nun weiter der 
Zámecké nám in den Westen. Dort treffen wir auf einen idyllischen Teich, welcher an der Westseite durch das Bild der alten Mühle geprägt wird. Es handelt sich hierbei um eine Brandruine, welche auch heute noch in einem schrecklichen Zustand ist. Es passt aber auch in das nostalgische Bild des Westviertels. Nach der Mühle gelangen wir schließlich zum eigentlichen Höhepunkt meiner Tour und dem originalen Wahrzeichen der Stadt, nämlich zum Zámek Břeclav, dem Schloss. Einst stand hier eine Burg aus Holz, welche in den letzten Jahrhunderten aber mehrmals umgebaut und dem Stil der jeweiligen Epoche angepasst wurde. Das Schloss hat ebenfalls einen sehr rustikalen Stil, doch der eingestürzte Hauptturm ist tatsächlich eine beabsichtigte Kunstform. Er kann auch heute noch durch die Kunstruine hindurch besichtigt werden.

An der Südseite des Schlosses geben wir uns indessen entlang der Straße 
Pod Zámkem, vorbei an einem Supermarkt, bis zur Hauptstraße tr. 1. maje. Dort biegen wir rechts ab und wandern nun weiter südwestlich der Straße und übersetzen wenig später den kleinen Seitenfluss Stara Dyje, bis wir den Stadtteil Poštorná erreichen. Dort steht, markant und schön, die Kostel Navštívení Panny Marie, oder auch Kirche der Heimsuchung der Jungfrau Maria. Ihr eher ungewöhnlicher Baustil macht sie einzigartig und gehört somit zu einem der wichtigsten architektonischen Bauwerke der Stadt.

Kostel sv. Václava

Die Brandruine der alten Mühle

Zámek Břeclav Innenhof

Zámek Břeclav Frontansicht

Kostel Navštívení Panny Marie


Wir bleiben nun am kleinen Seitenfluss Stara Dyje und verlassen nun langsam den städtischen Teil von Lundenburg. Entlang eines schönen Auenwegs gelangen wir schon bald zur Most Oskar, einer neumodischen und modernen Eisenbahnbrücke, über welcher der Südverkehr aus Österreich anrollt. Noch vor der Brücke biegen wir in einen schmalen Seitenweg ab und wandern indessen entlang einer Gartensiedlung, bis wir vor dem alten Bahnhof von Boří les stehen. Dahinter erkennen wir den Rauchfang einer alten Fabrik.

Hier treffen wir inzwischen auf den weis-grün-weißen Wanderweg von Boří les nach Lednice, an welchen wir uns nun fortan halten können. Er führt uns jetzt südlich entlang der Straße, vorbei an den Schlammfeldern, hinunter, bis wir die Südbahn überqueren. Davor kann man im Übergang in die Kulturlandschaft noch Doupné stromy bzw. Höhlenbäume sehen. Nach der Brücke über die Bahngleise sehen wir rechts im Garten eines Hauses die Model hradu Karlštein, ein Modell der Burg Karlstein.

Danach fällt der Weg östlich in ein weites Feldgebiet ab. Dieser Abschnitt wird auch hraniční cesta, also Grenzstraße genannt. Das liegt daran, dass die Grenze zu Österreich hier nur wenige Meter entfernt verläuft. Dort finden wir auch den Flussarm des Kulturparks Lednice - Valtice. Später übersetzen wir noch einmal die Thaya über eine schöne Holzbrücke und finden uns schon unmittelbar im Waldgebiet des Kulturparks wieder. Nach einem kurzen Waldsteig erreichen wir auch schon die Staumauer eines Seitenarms der Thaya.

Most Oskar

Bahnhof & Fabrik Boří les

Markierung Wanderweg Lednice - Boří les

Flussarm des Kulturparks Lednice - Valtice

Model hradu Karlštein

Staumauer Seitenarm Thaya


Östlich vom Damm gelangen wir schließlich zu einem weiteren großen Highlight dieser Tour. Zunächst finden wir eine alte Grenzschranke aus der Zeit der Tschechoslowakei wieder. Gleich daneben finden wir einen von mehreren Bunkeranlagen aus dem Gebiet Pohansko. Dort wird unter anderem die Geschichte dieser erklärt. Die Tschechoslowakei schützte nach dem Anschluss Österreichs zu Deutschland im dritten Reich vermehrt ihre Grenzen und erreichten hochmoderne Schutzanlagen. 

Gleich dahinter finden wir es dann schließlich, das Jagdschloss Pohansko. Dieser schöne Bau gehört, wie viele Burgen, Ruinen und Schlossanlagen zum Kulturgebiet Lednice-Valtice und ist ein wahrer Blickfang inmitten des schönen Auengebiets. Es beheimatet unter anderem ein Museum, bei denen Ausgrabungsfunde aus alter Vorzeit aufbewahrt werden. Generell handelt es sich in diesem Gebiet um eine Hochburg von Ausgrabungsstätten aus der Ritterzeit und wurde schon oftmals im Fernseher rezitiert. 
Vor dem Schloss befindet sich ein weites begrüntes Feld mit Fund- und Schaustücken aus der Heidenzeit und auch Nachbauten von alten slawischen Heiligtümern finden wir dort. Rund um diese Sehenswürdigkeiten befinden sich tolle und mehrsprachige Informationstafeln, die einem die Geschichte noch viel näher bringen. 

Letztendlich verlassen wir die Kulturlandschaft über eine Straße nördlich entlang, bis wir einen Parkplatz und weitere Gartenhäuser erreichen. Hier halten wir uns links und erreichen schließlich so erneut den großen Strom der Thaya, welchen wir nun stromaufwärts folgen. Wenig später untersetzen wir die Brücke der Südbahn und verlassen gleich danach die Thaya, um der Straße Břetislavova bis zum Bahnhof von Lundenburg zu folgen.

Wir haben es geschafft! 

Alter Grenzschranken zur Tschechoslowakei

Bunkr Pohansko

Das Jagdtschloss Pohansko

Nachbau eines alten Lemhauses

Alte slawische Heiligtümer

Naturschutzgebiet Pohansko

Zurück entlang der Thaya


Fazit:
Aus meiner persönlichen Sicht gehört Lundenburg nicht zwingend zu jenen tschechischen Städten, die für ihre Sehenswürdigkeiten bekannt sind. Sie gilt allgemein als kleine Grenzstadt. Doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass dies bei Weitem nicht stimmt. Die Stadt versprüht einen unberührten rustikalen Charme, welcher nur durch die moderne Wenzelskirche unterbrochen wird. Hervorheben sollte man auch den jüdischen Friedhof, welchen ich aber aufgrund meines Zeitmanagements nicht mehr ansehen konnte. 
Das verfallene Schloss ist hier sicher hervorzuheben. Das Schloss Pohansko in der Kulturlandschaft ist aber hier der heimliche Höhepunkt, da ich es bis dato nicht gewohnt war, solche Prachtbauten inmitten einer Auenlandschaft vorzufinden. Ich empfehle einen Besuch in Lundenburg für einen netten Spaziergang, wenn man nicht unbedingt den Trubel benötigt. Aus Wien ist diese Stadt auch einfach und kurzfristig zu erreichen. Das nächste Ziel in der Nähe, welches ich ansteuern werde, ist das Traumschloss von Valtice, welches der Nachbarort von Lundenburg ist. 

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